Wohnhaus

Hasertstraße 1 · Deutz

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8646
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Hasertstraße 1, 50679 Köln
Baujahr1912
Architekt / PlanungJosef Kernbach
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 20.01.2004
Stadtteil Deutz

Erbaut 1912 (inschr. dat.) nach dem Entwurf von Josef Kernbach, 4 Geschosse mit ausgebautem Mansardwalmdach; Eckhaus zur Schaurtestraße. Putzfassaden mit sparsamen Stuck in neoklassizistischen Formen (flache Putzfelder).

In den 1960er Jahren Dachgeschoss und Teil des obersten Geschosses nach Kriegszerstörung wiederaufgebaut und kleinere Umbauten vorgenommen.

Fassade Hasertstraße:

4 Achsen, 2. Achse von links betont durch Hauseingang im EG und Erker (auf leicht geschwungenen Konsolen) in den Obergeschossen, Hauseingang gerahmt von Pilaster, über dem Türsturz gesprengter Dreiecksgiebel und mittigem, ovalem Fenster, Hauseingangstür (original) mit erneuertem Beschlag u. Fensterglas; verputzter Sockel mit leichtem Fugenschnitt,

Fenster im EG Korbbogen, in den übrigen Geschossen hochrechteckig, im 3. OG Zwillingsfenster, ehem. mit Sprossen;

durchlaufende Sohlbankgesimse im 1. und 3. Obergeschoss; Fensteröffnungen des 1. und 2. OG jeweils mit Putzfeldern/ - Rahmen vertikal zusammengefasst durch lisenenartige Putzfelder, im Erker mit aufgesetzten, gerahmten Stucktafeln.

Im DG über die mittleren beiden Achsen hinausreichende Gaube mit Stuck in dekorativen Formen über den Fensterstürzen

Fassade Schaurtestraße:

3 Achsen, mittlere Achse betont durch Erker in den Obergeschossen, im EG nur mittleres Fenster mit Korbbogen, Fenster der äußeren (schmaleren) Achsen mit Rundbogen; sparsamer Fassadendekor wie Fassade Hasertstraße. Größere Gaube von 2 kleineren gerahmt.

Hofseitige Fassade:

Putzfassade; 2:3 Achsen – ca. in 110° Winkel geknickt, 4 Geschosse und Mandsarddachgeschoss, jeweils eine Achse mit Balkonen, die rückseitig zur Hasertstraße gelegenen mit original Balkongitter; Balkone in der mittleren Achse rückseitig zur Schaurtestraße erneuert.

Türen und Fenster teilweise original, Treppenhausfenster mit Sprossen.

Im Inneren original erhalten:

Grundriss weitgehend (teilweise Bäder eingebaut); Zweispänner

Eingangsbereich: Marmorboden und –stufen zum Treppenhaus, querrechteckige Stuckrahmen mit Eierstabmotiv, Briefkastenanlage;

Treppenhaus: Terrazzoboden und –stufen, Geländer mit hölzernem Handlauf und gedrechselten Stäben, Antrittspfosten, Fensterbänke in Marmor;

teilweise Zimmertüren.

Deutz ging aus dem um 310 n. Chr. gegründeten "Castellum Divitia", dem rechtsrheinischen Brückenkopf des römischen Kölns hervor. 1003 wurde die Benediktinerabtei St. Maria/ St. Heribert gegründet, um die sich die mittelalterliche "Freiheit Deutz" entwickelte. Die mehrfach verwüstete Siedlung wurde 1818-23 zur preußischen Befestigung ausgebaut, die mit Köln durch eine Schiffsbrücke verbunden war. Als Ausgangspunkt der rechtsrheinischen Bahnen (Eisenbahnbrücke 1855-59) wuchs Deutz überregionale Bedeutung zu, die 1856 zur Verleihung des Stadtrechts führte (1888 nach Köln eingemeindet). Die städtische und industrielle Entwicklung (1904-07 Bau des Industriehafens) wurde durch die preußischen Befestigungsanlagen eingeengt. Die Bebauung reichte damals bis zur Helenenwallstraße. 1907 wurden die militärischen Anlagen geschleift und die Stadt in den folgenden Jahren planmäßig erweitert und mit einer Ringstraße (Gotenring/ Justinianstr.) auf dem ehemaligen Glacis umgeben.

Im Bereich dieser Stadterweiterung liegt das ehem. Mehrfamilienhaus Düster, das als Eckhaus eine städtebauliche Schlüsselposition einnimmt. Sowohl zur Hasertstraße, als auch zur Schaurtestraße werden die Fassaden durch zurückhaltend stuckierte Erker betont.

Die Etagen, die im Inneren alle ähnlich ausgestattet waren, weisen außen eine abgestufte Wertigkeit auf: Das Hochparterre ist vom Straßenniveau abgehoben und als Vollgeschoss ausgebildet, die Obergeschosse werden durch den Erker ausgezeichnet. Darüber hinaus heben die Putzfelder an Brüstungen und Fensterstürzen das 1. und 2. OG besonders hervor. Das ausgebaute Dachgeschoss wurde zur Einhaltung der vorgeschriebenen Traufhöhe straßenseitig hinter die Trauflinie zurückgenommen (vgl. gegenüberliegendes Eckhaus Schaurtestr. 8).

Die flächige, zurückhaltend mit Zierelementen ausgestatte Fassade wird durch die Fensterachsen streng vertikal gegliedert. Ein optisches Gegengewicht wird durch die Sohlbankgesimse des 1. und 3. OG sowie bandartiges durchlaufendes Putzfeld in der Brüstung des 3. OG gebildet.

In den Einzelformen sind Anklänge an einen klassizistisch geprägten Jugendstil erkennbar (Stuckornamente, Türrahmung und Putzsockel mit Quaderfugen). Dieser ausgewogenen und durchdachten Außengestaltung entspricht die ehemals wohl aufwendige Innenausstattung mit Naturstein- und Terrazzoböden, Holzvertäflungen und Stuckarbeiten.

Das Haus ist damit ein typisches Beispiel für die kurz vor dem 1. Weltkrieg in der Deutzer Stadterweiterung errichteten Bauten, deren Zahl mittlerweile durch Kriegsschäden und Umbauten wesentlich reduziert ist.

Geplant und ausgeführt wurde das Haus von dem Architekten Josef Kernbach, der in den Jahren zwischen 1912 und 1927 mehrere Häuser in dem Bereich Hasertstraße/ Schaurtestraße/ Helenenwallstraße baute. Er wohnte mehrere Jahre in unmittelbarer Nachbarschaft (Schaurtestr. 6 und Helenenwallstr. 23). Im „Dritten Reich“ war er Mitglied der Reichskammer der Bildenden Künste.

Das Wohnhaus Hasertstraße 1 ist -trotz der Veränderungen im Dachbereich- als wichtiges Zeugnis der Entwicklung von Deutz aus städtebaulichen, künstlerischen und architekturgeschichtlichen Gründen zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0