Wohnhaus

Lohsestraße 40 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8406
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Lohsestraße 40, 50733 Köln
Baujahrum 1880
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.05.1999
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1880 auf rechteckigem Grundriss mit rückwärtigem Seitenflügel;

3 Achsen, 2 Geschosse, Giebelgeschoss, ausgebautes Dachgeschoss, Gaubenbackenverschieferung (Naturschiefer);

Satteldach mit 2 Dachflächenfenstern straßenseitig und 1 Dachflächenfenster hofseitig.

Putzfassade mit sparsamen Jugendstildekorationen

(ehem. zweigeschossiger Bau mit Backsteinfassade, Aufstockung und Fassadenveränderung um die Jahrhundertwende);

achsweise rechteckige Wandfelder mit ovalem Einschluss; kassettierte Wandfelder; Sockel scharriert.

Hochrechteckige modernisierte Fenster mit Oberlichten und eingelegten Sprossen, im EG mit Segmentbögen.

Erneuerte Haustür mit Oberlicht.

Im Innern: Holztreppe mit hölzernem Standpfosten, hölzernen Stäben und hölzernem Handlauf sowie hölzernen Podesten;

im Treppenhaus profilierte Stuckleisten;

erneuerte hölzerne Fensterbänke;

hölzerne Zimmertüren (profilierte Türblätter, profiliertes Futter und Zierbekleidung) teilw. erhalten;

alte Türschlösser teilw. erhalten;

profilierte Holzfußleisten.

Rückseite: verputzt und gestrichen (Mineralfarbe);

Terrasse mit Geländer, gepflasterter Hof

Zum Denkmal gehörig: Vorgarten mit teilw. rekonstruiertem Einfriedungsgitter

[Eine Besichtung des Inneren sowie der hofseitigen Fassade wurde nicht ermöglicht.

Die Angaben zum Inneren sowie zur hofseitigen Fassade und zum Hof entstammen der Akte Lohsestraße 40 gem. Aufstellung des denkmalpflegerischen Mehraufwandes (Umbau/Renovierung) v. 19.5.1988 und dem Beihilfe-Bewilligungsbescheid v. 22.5.1990.]

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar: Diese Entwicklung setzte sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 nach Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße, eine ursprünglich römische Straße, gewann durch die neuen Fabrikstandorte Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an.

Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Stuckfassaden den Stadtteil. Westlich der Achse der ehemaligen Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld, der heutigen Kempener Straße, entstand im Zuge der 1859/60 gegründeten zentralen Eisenbahnwerkstätte ein Komplex von Wohnbauten für die dort Beschäftigten.

Die Bezeichnung „Sechzig“ für diesen Ortsteil weist auf das zu diesem Zweck erworbene Gelände von 60 Morgen Fläche hin. Im Zusammenhang dieses schnell und planmäßig ausgebauten Bereichs mit geregelter Straßenführung und gleichmäßiger Parzellierung wurde auch die Bebauung der Lohsestraße geschaffen. Angelegt um 1880, verbindet sie – wie die parallele Holbeinstraße – das Sechzig-Viertel mit der Neusser Straße und ist im Abschnitt westlich der Augustastraße bis heute geprägt von schlichten zweigeschossigen Wohnhäusern aus der Zeit der Erstbebauung in den 1880er Jahren. Erhalten sind beidseitig stehende größere geschlossene Häusergruppen, die durch Zweigeschossigkeit und dreiachsige Fassaden in einfacher, z. T. backsteinsichtiger Ausführung charakterisiert sind. Insbesondere die südliche Seite mit der noch annähernd geschlossenen Zeile traditioneller Dreifenster-Häuser, z. T. mit verhalten dekorierten Putzfassen (Nr. 49, 51, 55-65) hat trotz einiger purifizierter Fassaden das historische Erscheinungsbild einer Wohnstraße des kleinbürgerlichen Mittelstandes weitgehend bewahrt. Auch die nördliche Straßenseite mit den Häusern Nr. 46-58 und 62-68, die in Architektur und Dekorformen weitgehend übereinstimmen, bildet eine relativ geschlossene Häusergruppe.

Die im Kreuzungsbereich Christina/Auguststraße gelegene Gebäudezeile mit den Nr. 32-40 ist Bestandteil dieses Ensembles und zeichnet sich im Gegensatz zu den benachbarten und gegenüberliegenden Reihenbauten durch die von der Straße angerückte Lage mit großen Vorgärten aus. Ehemals zeigten diese zweigeschossigen Bauten Backsteinfassaden mit bescheidenen Gliederungen. In der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wurde das Ensemble modernisiert. Die Häuser 38 und 40 erhielten ein ausgebautes Dachgeschoss mit zweiachsigem Giebelgeschoss, während die gesamte Zeile mit Putzfassaden in Formen des Jugendstils verblendet wurde. Diese weitgehende „Modernisierung“ des äußeren Erscheinungsbildes der Bauten Lohsestraße 32-40 ist eine aussagekräftige Veränderung, die die Orientierung der Eigentümer und Bauherren an der zeitgenössischen bürgerlichen Architektur belegt und Rückschlüsse auf eine sich wandelnde Sozialstruktur im Ortsteil dokumentiert. Das Gebäude Nr. 40 ist als Teil dieser Wohnhauszeile und aufgrund der sehr weitgehenden Erhaltung seiner Fassade in orts- wie in bauhistorischer Hinsicht und im städtebaulichen Zusammenhang des Ensembles Lohsestraße/Holbeinstraße ein unverzichtbares Dokument der älteren Wohnhausarchitektur in Nippes, die unbedingt zu erhalten ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0