Wohnhaus

Lessingstraße 19 · Ehrenfeld

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8495
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Lessingstraße 19, 50825 Köln
Baujahr1895
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.11.2000
Stadtteil Ehrenfeld

Traufständiges Wohnhaus auf längsrechteckigem Grundriss, errichtet 1895, drei Achsen; drei Geschosse;

mit Gesimsen gegliederte Backsteinfassade, im EG leicht vortretender Sockel mit in den Achsen liegenden kleinen querrechteckigen Kellerfenstern mit Lochblechen;

Satteldach mit doppeltem Traufgesims (Sägezahn), 2 Gauben.

Hochrechteckige modernisierte Fenster (Kunststoff) mit Segmentbogenabschluss, mit eingelegten Sprossen; Backsteinsegmentbögen über den Stürzen, Backsteinsohlbänke;

im EG vor den Fenstern neue Ziergitter mit Wölbung nach Außen im unteren Drittel (für Blumenkästen).

Veränderte hölzerne Hauseingangstüre mit Oberlicht in der rechten Achse

[Die Besichtigung des Hausinneren und der Rückseite wurde nicht ermöglicht. Desgl. können über das im Hof befindliche Gebäude bzgl. seiner eventuellen Denkmaleigenschaft keine Angaben gemacht werden.]

Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die Anfänge des heutigen Stadtbezirkes Ehrenfeld liegen im wesentlichen in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als es infolge knapper werdender Grundstücke innerhalb des Kölner Mauerringes im Jahre 1845 zur Gründung einer Siedlung im Feld vor dem Ehrentor kam, die es auch weniger bemittelten Bürgern ermöglichen sollte, außerhalb der Ringmauer ein eigenes Haus zu bauen. Durch industrielle Ansiedlung gewann der Ort rasch an Bedeutung, so dass 1863 eine Eisenbahn-Güterstation und eine Post- und Telegraphenstation errichtet wurden. Bereits 1867 ging aus den mittlerweile entstandenen Ortschaften Ehrenfeld und Subbelrath die selbständige Gemeinde Ehrenfeld hervor, die mit den bald darauf fertiggestellten Kirchenbauten (1873 die katholische Pfarrkirche St. Joseph; 1876 die evangelische Friedenskirche), den beiden 1874 eröffneten Schulen und der 1878 erfolgten Inbetriebnahme der Pferdebahn Ehrenfeld-Köln eine funktionsfähige Struktur aufweisen konnte.

Dieser dynamische Entwicklungsprozess trug der Gemeinde Ehrenfeld ab 1875 bzw. 1879 sogar die vollen preußischen Stadtrechte ein. 1888 wurde Ehrenfeld nach Köln eingemeindet.

Die systematische Erschließung des Viertels nördlich der Venloer Straße seit den 1870er Jahren wurde zunächst durch die Nachbarschaft zu den zahlreichen großen Industriegebieten im Süden der Venloer Straße bestimmt. Der eigentliche Siedlungsansatz nördlich der Eisenbahnlinie begann 1872 mit der Anlage der Sennefelder Straße durch den Ziegeleibesitzer Julius Harff, der das Gelände parzellierte und auf der gen Bickendorf gewandten Seite die ersten 14 Häuser errichten ließ.

Andere Ziegeleibesitzer folgten seinem Beispiel und legten die Parallelstraßen Schönstein-, Platen- (ehem. Kayserstraße) und Lessingstraße (ehem. Victoriastraße) an. Als Verbindung zwischen den genannten Straßen entstand die Marienstraße, die zunächst im Bereich zwischen Leyendecker- und Lessingstraße bebaut wurde. Entsprechend können die beiden im Jahre 1877 aufgeführten Gebäude, das von der Ehrenfelder Malzfabrik Asbach & Timmer errichtete Eckgebäude Lessingstraße 9 und die Nachbargebäude Lessingstraße 11, als zwei der ältesten Bauten des Quartiers gelten.

Erbaut wurde das Haus Lessingstraße 19 wahrscheinlich von einem Maurermeister Esser für seinen Bruder, einen Taglöhner. Bis 1915 ist die Nutzung durch die beiden Brüder nachgewiesen. Die schlichte Gestaltung der Fassade und die preisgünstige Ausführung in Backstein sind typisch für die frühe Ausbauphase der Lessingstraße, die noch in engem Zusammenhang mit den Ehrenfelder Ziegeleien stand, so dass das o.g. Haus als unmittelbarer Zeuge für die Entwicklung Ehrenfelds dient.

Das Haus Lessingstraße 19 ist somit bedeutend für die allgemeinhistorische, sozial-, wirtschafts- und baugeschichtliche Entwicklung Ehrenfelds in der Industrialisierungsepoche, da es die Bebauung dieses ersten linksrheinischen Vororts/Stadtteils im letzten Quartal des 19. Jahrhunderts (unterschiedliche große Häuser für niedrige und einfache Wohnansprüche) dokumentiert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0