Wohn- u. Geschäftshaus
Lessingstraße 60 · Ehrenfeld
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8497 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Lessingstraße 60, 50825 Köln |
| Baujahr | 1907 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.12.2000 |
| Stadtteil | Ehrenfeld |
Wohn- und Geschäftshaus, inschriftlich datiert 1907; im Zweiten Weltkrieg im Innern durch Brandbombemeinschlag beschädigt.
Wohngebäude auf L-förmigem, Gesamtgebäude einschließlich der seit 1907 vorhandenen Glaserwerkstatt im EG auf rechteckigem Grundriss; drei Geschosse, drei Achsen.
Aufwendige Stuckfassade im Jugendstil, Betonung der Mittelachse durch Inschrift im 1. OG, Kartusche zwischen Fenstern des 1. u. 2. OG, 2 Masken neben Fenster im 2. OG und 1 Maske über dem Fenster des Dachhauses.
Ausgebautes (Mansard-)Dach mit Dacherker in der Mittelachse (modernisiertes, am Original orientiertes dreigeteiltes Rundbogenfenster) und 2 originalen Gauben, vorkragendes Traumsgesims, in der Mittelachse auf 2 ionischen Kapitellen ruhend, mit Blattwerkfries in der linken u. rechten Achse, in der mittleren Rauputz.
Modernisierte Fenster mit am Original orientierter Rahmen-Dreiteilung mit Oberlichtern, im 1. OG annähernd quadratisch, im 2. OG in der linken und rechten Achse annähernd quadratisch, in der mittleren Achse Korbbogen, jeweils mit markanten Sohlbänken.
EG mit Gurtgesims und veränderten Fenstern (Firmenschild über der Front unterhalb des Gurtgesimses und Leuchtreklame: beide nicht zum Denkmal gehörend).
Toreinfahrt/Werkstatteingang sowie Hauseingangstüre verändert.
Im Innern
Im Vestibül, beginnend über der modernen Verfliesung von Wand zu Wand und über die gewölbte Decke verlaufende kannelierte Stuckbögen; Terrazzoboden; im Treppenhaus originale, leicht linksgekrümmte Terrazzotreppe mit hölzernem Antrittspfosten, hölzernem Handlauf und gedrechselten Stäben, Podeste in Terrazzo; Treppenhausfenster modernisiert.
Wohnungseingangstüren verändert
Rückwärtige Fassade
Oberhalb der Werkstatt und zum Garten hin backsteinsichtig; auf dem Dach der Werkstatt Terrasse.
Fenster des Anbaus verändert; sein Dach mit 3 auch ursprünglich vorhandenen Dachhäuschen.
Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die Anfänge des heutigen Stadtbezirkes Ehrenfeld liegen im wesentlichen in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als es infolge knapper werdender Grundstücke innerhalb des Kölner Mauerringes im Jahre 1845 zur Gründung einer Siedlung im Ehrenstraßen-Feld kam, die es auch weniger bemittelten Bürgern ermöglichen sollte, außerhalb der Ringmauer ein eigenes Haus zu bauen. Durch industrielle Ansiedlung gewann der Ort rasch an Bedeutung, so dass 1863 eine Eisenbahn-Güterstation und eine Post- und Telegraphenstation errichtet wurden. Bereits 1867 ging aus den mittlerweile entstandenen Ortschaften Ehrenfeld und Subbelrath die selbständige Gemeinde Ehrenfeld hervor, die mit den bald darauf fertiggestellten Kirchenbauten (1873 die katholische Pfarrkirche St. Joseph; 1876 die evangelische Friedenskirche), den beiden 1874 eröffneten Schulen und der 1878 erfolgten Inbetriebnahme der Pferdebahn Ehrenfeld-Köln eine funktionsfähige Struktur aufweisen konnte. Dieser dynamische Entwicklungsprozess trug der Gemeinde Ehrenfeld von 1875 bzw. 1879 bis zur im Jahre 1888 erfolgten Eingemeindung nach Köln sogar die vollen preußischen Stadtrechte ein.
Die systematische Erschließung des Viertels nördlich der Venloer Straße seit den 1870er Jahren wurde zunächst durch die Nachbarschaft zu den zahlreichen großen Industriegebieten im Süden der Venloer Straße bestimmt. Der eigentliche Siedlungsansatz nördlich der Eisenbahnlinie begann 1872 mit der Anlage der Sennefelder Straße durch den Ziegeleibesitzer Julius Harff, der das Gelände parzellierte und auf der gen Bickendorf gewandten Seite die ersten 14 Häuser errichten ließ. Andere Ziegeleibesitzer folgten seinem Beispiel und legten die Parallelstraßen Schönstein-, Platen- (ehem. Kayserstraße) und Lessingstraße (ehem. Victoriastraße) an. Als Verbindung zwischen den genannten Straßen entstand die Marienstraße, die zunächst im Bereich zwischen Leyendecker- und Lessingstraße bebaut wurde. Entsprechend können die beiden im Jahre 1877 aufgeführten Gebäude, das von der Ehrenfelder Malzfabrik Asbach & Timmer errichtete Eckgebäude Lessingstraße 9 und die Nachbargebäude Lessingstraße 11, als zwei der ältesten Bauten des Quartiers gelten.
Das 1907 für einen prosperierenden Handwerker erbaute Haus Lessingstraße 60 ist bedeutend für die allgemeinhistorische, sozial-, wirtschafts- und baugeschichtliche Entwicklung Ehrenfelds, da es die Bebauung dieses ersten linksrheinischen Vororts/Stadtteils im beginnenden 20. Jahrhundert dokumentiert, also nach dem Ende der ersten Ausbauphase mit unterschiedlich großen Häusern für niedrige Wohnansprüche und nach der Eingemeindung, dokumentiert, indem es sich mit seiner aufwendig gestalteten Stuckfassade nicht mehr am typischen Erscheinungsbild der Wohnhäuser der frühen Ausbauphase der Lessingstraße orientiert, die noch in engem Zusammenhang mit den Ehrenfelder Ziegeleien stand, sondern am bürgerlich-stadtkölnischen Vorbild.
Die Erhaltung des Objektes ist daher aus den oben genannten Gründen unverzichtbar.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0