Wohnhaus
Krüthstraße 31 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8518 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Krüthstraße 31, 50733 Köln |
| Baujahr | 1910 bis 1914 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 14.02.2001 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut 1910/14 (zusammen mit Haus Nr. 29) auf rechteckigem Grundriss; 4 Geschosse, 5 Achsen; Stuckfassade mit Fugenschnitt und geometrischen Dekorationen, Ziergiebel.
Auf Konsolen ruhende Erker in der 2. und 4. Achse mit abschließenden Balkonen (Brüstungsmauern mit steinernen Ballustern).
EG mit Fugenschnitt und Putzsockel.
Modernisierte Fenster, im EG mit Rollläden.
Eingangsbereich durch aufwendige Dekorationen hervorgehoben.
Haustüre mit Verglasung original erhalten.
im Innern:
Verglaste Wohnungseingangstüren original erhalten; desgleichen im Vestibül Marmorfußboden und Marmorwandverkleidung (halbhoch) sowie mehrfarbige, ornamentale Fußbodenverfliesung, Terrazzotreppe mit hölzernem Geländer, hölzernem Antrittspfosten und gedrechselten Stäben; Podeste s/w gefliest, im ganzen Treppenhaus orig. hölzerne Zierleiste über modernem Rauputzsockel.
Rückseite:
5-achsige Putzfassade, sparsam gegliedert, mit sehr flachen Mittelrisaliten; Dreiecksgiebel; Fenster modernisiert. Die ursprünglichen vorhandenen Balkone wurden kürzlich wegen Baufälligkeit entfernt.
Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne des § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar: Diese Entwicklung setzte sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 nach Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort mit rapide wachsender Bevölkerungszahl werden (Einwohnerzahl 1855: 496, 1875: 7.728, 1890: 16.210, 1900: 27.045).
Die Neusser Straße, eine ursprünglich römische Straße, gewann durch die neuen Fabrikstandorte Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Stuckfassaden den Stadtteil. Westlich der Achse der ehemaligen Bahnlinie Köln-Neuss-Krefeld, der heutigen Kempener Straße, entstand im Zuge der 1859/60 gegründeten zentralen Eisenbahnwerkstätte ein Komplex von Wohnbauten für die dort Beschäftigten. Die Bezeichnung „Sechzig“ für diesen Ortsteil weist auf das zu diesem Zweck erworbene Gelände von 60 Morgen Fläche hin.
Das rasche Bevölkerungswachstum fand seinen Niederschlag auch in der kirchlichen Entwicklung des Ortes, dessen katholische Bewohner noch um 1850 - wie in den Jahrhunderten vor der Reformation die Nippeser Christen überhaupt - zur Pfarre Niehl gehörten. Die 1850-52 errichtete erste Nippeser Kirche, seit 1859 Pfarrkirche St. Marien (heute St. Heinrich und Kunigund), wurde schon 1880-82 durch die größere Marienkirche am Baudriplatz ersetzt; und bereits 1899 wurde der "St. Josephs-Bauverein" gegründet, mit dem Ziel, die auch nach Abtrennung von Riehl (1898/1903) noch etwa 20.000 Seelen umfassende Gemeinde Nippes zu teilen. 1906/1907 entstand südlich des Arbeiterviertels „Sechzig", also im äußersten Süden des Vorortes, nahe dem die Kölner Neustadt begrenzenden Umwallungsgelände, auf dem nach dem Ersten Weltkrieg der innere Grüngürtel entstehen sollte, die Kirche St. Joseph. Sie wurde die städtebauliche Dominante des seit der Zeit des Kirchbaues an den damals angelegten Straßen Josephskirchplatz, Rembrandt-, Menzel-, Lenbach- und Krüthstraße entstehenden neuen Wohngebietes.
Die bis in die unmittelbare Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ausgebaute Krüthstraße ist eine am Rande des zentralen Ausbaugebietes liegende, parallel zur Hartwich- und Sechzigstraße verlaufende und auf die Josephskirche führende Wohnstraße. Von der ursprünglichen Bebauung sind heute noch erhalten die zeitgleich vom gleichen Bauherrn für die Angestellten der damals in Nippes ansässigen Möbelfabrik Mellmann errichteten repräsentativen Mietwohnungshäuser Nr. 29 und 31.
Die Erhaltung des Hauses Krüthstraße 31 ist daher aus sozial-, städtebau- und architekturgeschichtlichen Gründen notwendig.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0