Wohnhaus

Kuenstraße 35 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8545
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Kuenstraße 35, 50733 Köln
Baujahr1908
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 21.05.2001
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1908, Teil der Wohnhausgruppe Kuenstraße 35-41; 3 Geschosse, 3 Achsen;

Putzfassade mit sparsamen Gliederungen.

Mittelerker auf segmentförmiger Grundfläche

Vier Rundbogenfenster im EG, sonst alle straßenseitigen Fenster hochrechteckig (Mittelteilung, Oberlicht, eingelegte Sprossen).

Ausgebautes Mansarddach; Dreiecksgiebel auf dreifenstrigem Giebelhaus nicht mehr vorhanden, sondern ersetzt durch gaubenartigen Aufbau, außerdem 1 originale und 1 weitere, darüber liegende mod. Gauben straßenseitig.

EG verputzt, auf Bruchsteinsockel mit vier Lochblech-Kellerfenstern.

Tiefliegender, dreistufiger, rundbogiger Hauseingang rechts, mit gerader, auf Konsolen ruhender, Bauplastik-bekrönter Wetterplatte.

NB: Das Innere sowie die rückwärtige Fassade des Objektes konnten nicht besichtigt werden.

Analog zu den Nachbarbauten sind im Inneren enthalten:

Im Vestibül Terrazzoboden, farbige Wandfliesen, Wand- und Deckenstuck, Rundbogen-Durchgang zum Treppenhaus.

Treppenanlage: Terrazzobodenbelag, Podeste und Zwischenpodeste mit Terrazzobodenbelag, Terrazzotreppe, Antrittspfosten, Handlauf und Stäbe in Holz; im ges. Treppenhaus Wandstuck bis halbe Höhe; Einfassung der Wohnungseingangstüren in Stuck, Pilasterdekoration.

In den Wohnungen Deckenstuck; zum Teil Türen original erhalten.

Lichtschacht, zum Teil mit Buntglasfenstern.

Rückseite:

Verputzt, Balkone, orig. Treppenhausfenster.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits seit 1800 nachweisbar. Diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und Lutherkirche. Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und der Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus.

Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Stuckfassaden den Stadtteil.

Die Kuenstraße, eine Querverbindung zwischen Niehler und Neusser Straße, gehört zu den stadtnahen Straßenzeilen des Ortsteils Nippes und verbindet den südlichen älteren Stadtteil mit jüngeren Ansiedlungsflächen. Sie ist Teil des in den Jahren 1895-1904 geplanten, zwischen Niehler- und Neusser Straße rasterähnlich in Form in etwa rechteckiger Parzellen erschlossenen und bebauten Straßennetzes Schenkendorf-, Auer-, Gellert- und Eichstraße. Sie wurde 1896 angelegt und bis in die ersten Jahres des 20. Jahrhunderts bebaut. Der nach Osten hin zur Florastraße gelegene Straßenabschnitt ist hingegen geprägt durch eine aufgelockerte Bebauungsstruktur. Im Kreuzungsbereich zum Beuelsweg und zur Schneider-Clauss-Straße bilden die Gebäude Kuenstraße Nr. 35-41 ein symmetrisch gegliedertes Ensemble von dreistöckigen Wohnbauten auf breiten Parzellen mit rhythmisch durch hohe Dachaufbauten und Vorbauten in Form von Erkern gestalteten Schauseiten. Vor allem aus städtebaulichen Gründen ist das gesamte Objekt schützenswert, da es als ein Teil der Erstbebauung der Straße zusammen mit den ebenfalls erhalten gebliebenen Nachbargebäuden eine Fassadenreihe der späten „Gründerzeit“ bildet und innerhalb dieses Zusammenhanges unverzichtbar ist. Die gegenüberliegenden Gebäude Nrn. 42-46 stammen aus der Zwischenkriegszeit, die anschließende dreigeschossige Miethauszeile stammt aus der Nachkriegszeit. Kunsthistorisch ist die aufwendig gestaltete Bebauung der Kuenstraße eine Abfolge verschiedener Stilrichtungen mit Mittelbetonung durch Ziergiebel und Erker. Das Gebäude Kuenstraße 35 veranschaulicht mit den sich anschließenden, weitgehend einheitlich gestalteten Häusern Nr. 37-41 das ursprüngliche Erscheinungsbild des mittelständischen Wohngebäudes mit großzügigen Wohnbereichen und Gärten.

Das Fehlen eines rückwärtigen Seitenflügels mit Hofwohnungen (hier nur ein kurzer Vorbau), an dessen Stelle ein ausgedehnter Garten den Wohnwert der Mietwohnungen wesentlich steigert, verweist auf den gehobenen Wohnstandart in diesem Bereich der Kuenstraße. Das Gebäude zeigt eine qualitätvolle Dekoration der Putzfassade (Schmuckformen: spiegelsymmetrische Gliederung der Gebäude Nr. 35-41, Werksteinsockel, Sockelgesims, Stockwerkgesims/durchlaufende Sohlbank, am Erker gekröpft, in den Obergeschossen Lisenenwandgliederungen unter Einbeziehung des flachen Erkers auf segementbogiger Grundfläche, Traufgesims, hoher Dachaufbau mit Dreiecksgiebelabschluss, der allerdings bei Nr. 35 nicht mehr vorhanden, sondern durch einen gaubenartigen Aufsatz ersetzt worden ist. Der Bautyp wiederholt sich in den umstehenden Wohnhäusern in geringen Variationen, wodurch die städtebauliche Bedeutung des Einzelhauses innerhalb des Ensembles besonders deutlich hervortritt. Die sehr weitgehende Erhaltung großer Teile des Originalzustandes der straßenseitigen und rückwärtigen Fassade, des Eingangsbereichs, des Treppenhauses und der Interieurs mit individuell gestalteten Wohnbereichen deutet auf repräsentationsbewusste Bauherren und Bewohner.

Das Gebäude Kuenstraße 35 ist ein bedeutendes Dokument der Nippeser Stadtarchitektur und als Baudenkmal unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0