Wohn- u. Geschäftshaus
Unter Kahlenhausen 27 · Altstadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8651 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Unter Kahlenhausen 27, 50668 Köln |
| Baujahr | um 1908 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 04.03.2004 |
| Stadtteil | Altstadt/Nord |
Erbaut um 1908, 3 Achsen, 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoss mit zwei Gauben, Putzfassade mit Stuck in Formen der Neorenaissance, EG verändert; symmetrische Gliederung der Achsen mit Haus Nr. 29.
Straßenseitige Fassade:
Rechte Achse betont durch flachen Erker auf segmentbogenförmigem Grundriss in den Obergeschossen;
Vertikale Gliederung durch kolossalordnungsartige Rahmung der Achsen und hochrechteckige Fenster,
horizontale Gliederung durch Fugenschnitt und aufwendig gestaltete Brüstungsfelder zwischen den Obergeschossen, (teilw. mit geometrischem Muster, teilw. mit Girlanden), zwischen dem 1. und 2. OG umlaufendes Sohlbank- und Stockgesims;
Oberhalb der Fensterabschlüsse des 3. OG Masken,
EG mit nachträglicher Natursteinverkleidung (Ladenlokal verändert),
Fenster und Haustür in den 1950er Jahren erneuert, im 2. OG heute mit außen liegenden Rollläden;
Rückfassade:
Backsteinsichtig, 4 Achsen, davon die beiden rechten mit Balkon; im EG Hoffläche überbaut, daher im 1. OG eine Dachterrasse; Fenster teilweise original mit Segmentbogen, teilweise zugemauert oder erneuert.
Im Inneren original erhalten:
Grundriss weitgehend;
Vestibül: zurückhaltender Stuckdekor
(Treppenhaus: Terrazzoboden und –treppe, schmiedeeisernes Geländer, Wandfliesen bis 1. OG, dann Lincrusta, ab den 1950er Jahren erneuert)
Wohnungstüren in Holz mit Füllung und Oberlicht, in den Wohnungen Holzdielen.
In den Zwischengeschossen Türen der ehem. Toiletten.
Die von Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Zuge ihrer 1881 beginnenden Durchführung entstand im Norden der Neustadt (ehem. Rayon-Gelände) zwischen Riehler – und Neusser Straße das sog. „Gerichtsviertel“ um den Palast des Oberlandesgerichtes, ein mittleren und gehobenen Ansprüchen genügendes Wohnviertel. Daran angrenzend erstreckt sich im Bereich der großen Grünanlage nordöstlich des Ebertplatzes das ehem. Villenviertel am nördlichen Rheinufer.
Der sich nach Süden anschließende, an der markanten Grenze zwischen nördlicher Alt – und Neustadt in Richtung zur Kölner Altstadt verlaufende Abschnitt im Bereich Konrad-Adenauer-Ufer/ Thürmchenswall/ Dagobertstraße weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora/ Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. In diesem Bereich entstanden für eine mittelständische und gehobene Bewohnerschaft errichtete 4- bis 4 ½ -geschossige Wohn- und Mietwohngebäude auf relativ breiten Parzellen mit Anbauten und Seitenflügeln mit Seitenbauwohnungen im rückwärtigen Bereich, sowie einer engen Hofsituation.
Am alten Straßenzug Unter Kahlenhausen hatte die Patrizierfamilie von Kessel, ursprünglich „de caldario“, den Gutshof Kaldenhausen.
Auch für die Zeit vor der heutigen Bebauung lässt sich eine Nutzung des Grundstückes Unter Kahlenhausen 27-29 nachweisen. Lt. Grevens Adressbuch hat hier das Mietshaus der Erben Schäfer gestanden, in dem vorwiegend Handwerker und Tagelöhner untergebracht waren. Im Jahr 1908 ist dann von einem Neubau die Rede.
Dieses Wohn- und Geschäftshaus ist Bestandteil eines mit den Nachbarhäusern Nr. 29-33 gebildeten Ensembles. Gestalterisches Merkmal sind die symmetrisch angeordneten flachen Erker auf segmentbogenförmigem Grundriss, bei Nr. 27-29 in den Innenachsen und Nr. 31-33 in den Außenachsen. Als Teil der ursprünglichen planmäßigen Bebauung der Straße sind diese Gebäude mit weiteren in der Nachbarschaft stehenden Objekten und angrenzender Seitenstraßen Teil des städtebaulichen Ensembles von hauptsächlich 4 – 4 ½ -geschossigen und 3- bis 4-achsigen Häusern mit historistischen Fassaden.
Aufgrund der Erhaltung wesentlicher Teile der Originalsubstanz, insbesondere der straßenseitigen Fassade (ausgenommen die Fassade des Erdgeschosses) mit Stuckdekor und backsteinsichtiger Rückfassade ist das Gebäude Unter Kahlenhausen 27 für das Erscheinungsbild des Bereiches Altstadt und Neustadt/Nord und als Dokument sowohl des Sozialstatus als auch der Repräsentationsbestrebungen seiner Bewohner von Bedeutung. Als Zeugnis für die reiche Kölner Stadtarchitektur zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist es daher aus städtebaulichen, künstlerischen und architekturgeschichtlichen Gründen zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0