Wohnhaus

Johannes-Müller-Straße 43 · Riehl

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8657
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Johannes-Müller-Straße 43, 50735 Köln
Baujahr1927 bis 1928
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 30.06.2004
Stadtteil Riehl

Erbaut 1927/28, Architekt: Karl Schauppmeyer, Bauherr: Jos. Gasten, Wiederaufbau (Beseitigung der Kriegsschäden): Hans Gasten; freistehende Villa auf symmetrische Grundfläche mit Vorbauten.

Fassade: 2 Geschosse, 3 Achsen, ausgebautes Dachgeschoss, Walmdach mit zentralem Kamin (defekte Werksteinfassung, heute mit Zink verblendet), schiefergedeckt, sechsteilige Schleppgaupe, verschiefert, vorkragende Dachkante; Putzfassade mit Gliederungen in Naturstein, zeitgemäß moderne Formen, expressionistische Fassadendetails, ganz in Werkstein erscheinender erkerartiger Eingangsvorbau in der breiten Mittelachse, in den 1960er Jahren erneuerte angepasste, zweistufige geschwungene Freitreppe, zweiteiliges Portal in Holz, verglast, original mit geschmiedeten Gittern in Stahl, flankierende Vestibülfenster in Holz mit Fenstergittern original, waagerechte, konsolgetragene Eingangsverdachung, Naturstein, scharriert; Fenster im Erdgeschoss mit Rundbogenabschluss, Fenster im Obergeschoss mit geradem oberen Abschluss, in der breiten Mitte Treppenhausachse mit vier Vertikalfenstern, farbige erneuerte Bleiverglasung original (z. T. erneuerte Gläser), alle straßenseitigen Fenster original erhalten: Holz, Horizontalsprossen, Oberlichte.

Rückseite: verputzt, 3 Achsen, Souterrain, 2 Geschosse, symmetrisch gestaltete Veranda auf segmentförmiger Grundfläche mit flankierenden geschwungenen Gartentreppen (in Teilen verschmälert erneuert), gemauerte und verputzte Brüstungen getreppt, im Obergeschoss Terrasse auf rechteckiger Grundfläche, von Stützen getragen, gemauerte und verputzte Brüstungen mit Sandstein-Deckplatten (heute mit Zink überformt), darüber neues Stahlrohr, je Achse in den Geschossen zu Dreiergruppen zusammengefasste Fenster und Terrassentüren, im Erdgeschoss Zweiflügeltür mit geradem Türabschluss, im Obergeschoss mit geradem oberen Abschluss, rückwärtige Fenster und Türen z.T. original (Erdgeschoss links), im Obergeschoss in Holz erneuert (Mittelteilung, Oberlicht), im Souterrain (Unterbau der Erdgeschossterrasse) Fenster erneuert (Holz), Terrasse und Balkon neu gefliest, Treppenstufen mit Kunststoff (Kemperol) belegt, die flankierenden Sichtschutzwände der Erdgeschossterrasse in Glasbaustein erneuert.

Seitenfronten: in Art von risalitartigen Vorbauten gestaffelt, je eine Achse, an der Ostseite Souterraingarage, originales zweiteiliges Garagentor in Holz, Nebeneingang, dreistufige Treppe, verputzte Brüstung, getreppt, Öffnungen im Erdgeschoss mit Rundbogenabschluss, im Obergeschoss gerade Abschlüsse, originale Fenster.

Im Inneren: Vestibül: Natursteinbodenplatten, Wandverkleidung durch Natursteinplatten, originale Deckenstuckprofile; Diele: Natursteinbodenplatten (Solnhofener Platten) erneuert; zentrale Holztreppe, dekorativer Antrittspfosten, geschlossene Brüstung in Holz, Handlauf in Holz, hüfthohe Holzvertäfelung, im Obergeschoss offener Dielenbereich mit umlaufenden, die Wohnräume erschließenden Flur; kleinere versetzte Holztreppe zum Dachgeschoss.

In den Wohnräumen: im Erdgeschoss Fußböden erneuert in Granulat/Teppichboden (ehemals Parkett- und Holzdielenböden), im Obergeschoss Fußböden erneuert in Estrich/Linoleum (ehemals Parkettboden), im Dachgeschoss originale Holzdielenböden; im Erdgeschoss geometrisch gestaltete verschiedenartige Stuckdecken (teilweise im Zuge des Wiederaufbaus ergänzt), im Obergeschoss Deckenstuckprofile und Stuckdecken in drei Räumen analog zum Erdgeschoss, Türen und Gewände in beiden Geschossen z. T. erneuert.

Der straßenseitige, symmetrisch angelegte Ziergarten mit zum Teil erneuerter Einfriedung: niedrige verputzte Mauer, Mauerpfeiler mit Deckplatte, scharriert, geschmiedetes neueres Gitter (von 1989), sowie der Garten mit Gestaltung durch Natursteinplatten und -einfassungen, ist Bestandteil des Denkmals.

Der große rückwärtige Gartenbereich im annähernd originalen Grundriss in unterschiedlichem Niveau (zwei Ebenen) ist Bestandteil des Denkmals. Die kniehohen Natursteinmauern sowie der zentrale zweistufige Treppenaufgang ebenfalls aus Feldstein stammen von der nachkriegszeitlichen Erneuerung.

Der erstmals 942 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende.

Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietwohnblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen.

Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtebauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen Gruppenbauten und freistehenden Wohnbauten an der Johannes-Müller-Straße an. Das Villenviertel weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Das im Kreuzungsbereich zur Theodor-Schwann-Straße gelegene Gebäude ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüchen genügende Baukultur der repräsentativen Villen der Zwischenkriegszeit.

Die bürgerliche Villa hat ihre vielfältigen Wurzeln vor allem im Schloss- und Landhausbau des 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert wird sie durch Erweiterung des Begriffes "Villa" mit dem freistehenden Einfamilienhaus gleichgesetzt. Das Gebäude Nr. 43, in großzügigem Grünbereich gelegen (angrenzend an den Botanischen Garten) weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf. Dekorative und repräsentative Formen greifen gestaltbildend ineinander. Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine neoklassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken expressionistischer Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: symmetrische Anlage, scharrierte Natursteinflächen, Portalvorbau und Einfassung der Gebäudekanten in Werkstein, Geschossgesimse, Traufgesims, geschmiedete Stahlgitter in expressionistischen Formen). Die Dachlandschaft fasst die einheitlich behandelten Fassaden und Vorbauten zusammen. Die Anlage dokumentiert die einstige gehobene Wohnhausarchitektur des Umfeldes des Botanischen Gartens, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden und zeitgemäß modernen Formen und Varianten des Jugendstils dem Wohnviertel sein charakteristisches Gepräge geben. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbildes sind der eingefriedete Vorgarten und der rückwärtig gelegene große Ziergarten.

Aufgrund der sehr weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustandes der straßenseitigen Fenster, des aufwendig gestalteten Dielenbereiches mit originaler Holztreppe, Teile der Interieurs und der Fassaden, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende zeitgemäß moderne Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Johannes-Müller-Straße und als Dokument sowohl des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft als auch der Geschmacksgeschichte des dritten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung.

Die Villa Johannes-Müller-Str. 43 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil im Ortsteil Riehl und wertvolles Objekt der Kölner Baukultur.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0