Wohnhaus
Am Botanischen Garten 47 · Riehl
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_7595 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Am Botanischen Garten 47, 50735 Köln |
| Baujahr | um 1925 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 17.08.1995 |
| Stadtteil | Riehl |
Erbaut um 1925, Rechte Hälfte einer Doppelvilla, Architekt: Helmuth Wirminghaus, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Terrassenausbau, Garage, 2 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß (rückwärtig nachträglich ausgebaut), Walmdach, 3 Dachgaupen, 3 Achsen, Rauhputzfassade, Gliederungen in zeitgenössischen Formen, historisierende Fassadendetails, symmetrische Fassadengliederung, Traufgesims in Backsteinlagen, vorkragende Dachkante, siebenstufige von Wangen gefaßte Treppe erschließt einen loggienartigen, segmentbogengewölbten Eingangsbereich in der Mittelachse, rundbogiger Eingang, originale Haustür, sprossengeteilt, Oberlicht. Fenster: Erdgeschoß dreigeteilt mit segmentbogigem, reich profilierten Abschluß, Obergeschoß gerade abschließende, paarweise zusammengefaßte Fenster, Klappläden, Fenster im Erd- und Obergeschoß zum überwiegenden Teil original, Fenster im Dachgeschoß erneuert.
Seitenfassade: ohne Achseinteilung (eingeschossiger Ausbau mit Belichtung durch Glasbausteine nachträglich angefügt), Traufgesims. Vergitterte paarweise zusammengefaßte Fenster mit geradem oberen Abschluß, 1 Rundfenster.
Gartenfassade: Terrasse, rote Bodenfliesen, von Metallstützen getragener Balkon im 1. Obergeschoß: verglaste Windschutzwände: Metall, Horizontalsprossen, Milchglas, schmiedeeiserne Vergitterung. Rückwärtige Türen und Fenster mit geradem oberen Abschluß, im Erdgeschoß originale Fenster, dreigeteilte Glastür zur Terrasse erneuert, im 1. Obergeschoß alle Fenster erneuert, Klappläden.
Im Inneren original erhalen: Treppenhaus: Rundbogenfenster im Obergeschoß, Buntglas, horizontale Sprossenteilung. Vestibul und Diele: schwarz/weiße Bodenfliesen, eingebaute dekorative Rundbogennischen, verglast. Holztreppe mit Antritts- und Zwischenpfosten, Geländer und Handlauf in Holz, Podeste mit Holzdielen belegt. In den Wohnräumen: Erdgeschoß Parkett original, im 1. Obergeschoß Parkett erneuert, Küche und Badezimmer mit schwarz/weißen Bodenfliesen, originale Türen und Gewände, im 1. Obergeschoß mit Buntglas in den Oberlichten. Stuckdecken in den Wohnräumen im Erdgeschoß. Holzeinbauschränke in der Küche und teilweise im Bereich der Fenster in den Wohnräumen, zum Teil originale Heizungsverkleidungen im Erdgeschoß.
Garage: eingeschossig, ist Bestandteil des Denkmals (ehemaliger seitlicher Durchgang zum rückwärtigen Garten geschlossen).
Straßenseitiger Ziergarten, Einfriedung durch gemauerte Pfeiler und schmiedeeiserner Vergitterung, großer rückwärtiger Gartenbereich, Backsteinmauer zum Nachbargrundstück, westliche Grundstücksbegrenzung als gemauerte Pfeiler in Backstein mit Holzzaun.
Der erstmals 941 bezeugte Ort Riehl war im Mittelalter eine dörfliche Ansiedlung mit stattlichen Hofanlagen. Nach großen Überschwemmungen und Zerstörung im Zuge des burgundischen Krieges fand das mittelalterliche Riehl 1474 ein Ende. Neuerrichtete, weniger umfassende Ansiedlungen entstanden in den folgenden Jahrhunderten. Politisch war Riehl im 19. Jahrhundert ein Teil der Bürgermeisterei Longerich und wurde 1888 nach Köln eingemeindet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich mit der Anlage des Zoos 1859/60 und der Flora 1862/64 das damalige Kölner Vergnügungsviertel "Goldene Ecke" entwickelt. Die ältesten erhaltenen Wohnbauten Riehls an der Hittorf-, Stammheimer- und Boltensternstraße stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im südlichen Teil Riehls der Botanische Garten angelegt, um dieses Grüngebiet entstand seit den 20er Jahren das vornehme Wohnviertel mit Villenbebauung Am Botanischen Garten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GAG bebaute gleichzeitig die Freiflächen an Barbara- und Boltensternstraße mit großen Mietblöcken (Naumannviertel). Als jüngster Wohnbereich Riehls wurde in der Nachkriegszeit das Gelände zwischen Zoologischem Garten und Rhein erschlossen. Die Stammheimer Straße mit ihren ältesten Bauten im nördlichen Abschnitt, den späten Gründerzeitbauten und den repräsentativen Eingängen zum Botanischen Garten, zur Flora und zum Zoologischen Garten in ihrem südlichen Teil, veranschaulicht die städtbauliche Entwicklung des Vorortes Riehl. An die für gehobene Ansprüche errichteten Mietwohnobjekte mit Vorgärten an der Stammheimer Straße nördlich des Riehler Gürtels schließen sich die durch Gartengrün und Baumbestand aufgelockerten, aufwendigen, zumeist zweigeschossigen und freistehenden Wohnbauten Am Botanischen Garten an, die jeweils - wie auch bei den Nrn. 45/47 - als Doppelhäuser und Gruppenbauten kleinere Baueinheiten bilden (Am Botanischen Garten 49 a/b, 51 - 55, 59 - 63, 65 - 71, 54 - 58, 66/68, 70 - 74, 49 und Johannes-Müller-Straße 27).
Das Villenviertel Am Botanischen Garten weist die besonderen Vorzüge der Nähe zu Flora, Botanischem- und Zoologischem Garten und zum Citybereich auf. Das im Bereich zwischen Siebold- und Johannes-Müller Straße gelegene Gebäude Am Botanischen Garten 47 ist ein markantes Beispiel für die hohen Ansprüche genügende Baukultur der repräsentativen Villa zu Anfang unseres Jahrhunderts. Die bürgerliche Villa hat ihre vielfältigen Wurzeln vor allem im Schloß- und Landhausbau des 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert wird sie durch Erweiterung des Begriffs "Villa" mit dem freistehenden Einfamilienhaus gleichgesetzt.
Die Gebäude Nrn. 45 und 47 wurden gleichzeitig vom selben Architekten errichtet, weisen eine unterschiedliche Behandlung der Fassaden und verschieden gestaltete Grundrisse sowie eine individuell gestaltete Innenausstattung auf. Das Gebäude Nr. 47, in großzügigem Grünbereich gelegen (angrenzend an die Flora), weist individuelle Gestaltungsdetails einer traditionellen Moderne und einer malerisch bewegten Architektursprache mit zeittypischen Baumerkmalen auf. Dekorative und repräsentative Formen greifen gestaltbildend ineinander. Das in den 20er Jahren errichtete Wohngebäude zeigt in der Fassadengestaltung eine neoklassizistische Strömung mit reduzierten klaren Formen und Versatzstücken historisierender Fassadendekoration, die sich dem Vorrang der Architektur in der Gestaltung unterordnen (Schmuckformen: im Erdgeschoß dreifache Segmentbogenstellung, dreigeteilte Fenster in den äußeren Achsen, Mittelachse: Treppenanlage, Rundbogeneingang innerhalb der segmentbogigen Nische, im Obergeschoß paarweise zusammengefaßt Fenster mit Klappläden). Die Dachlandschaft faßt die unterschiedlich behandelten Fassaden zusammen. Wesentlicher Bestandteil des ursprünglichen Erscheinungsbilds sind der eingefriedete Vorgarten und der rückwärtig gelegene große Ziergarten. Die im Bauverband mit dem Nachbarhaus Nr. 45 gestaltete Anlage Am Botanischen Garten fügt sich harmonisch in die gehobene Wohnhausarchitektur des Straßenzuges, dessen reich dekorierte Baukörper mit Risaliten, Erkern, Balkonen und Ziergiebeln in historisierenden Formen und verschiedenen Varianten des Jugendstils dem Wonviertel sein charakteristisches Gepräge geben (vgl. in direkter Umgebung die Nrn. 65 - 71).
Aufgrund der weitgehenden Erhaltung großer Teile des Originalzustands, insbesondere aufwendig gestalteten Entrée, des Vestibuls und Treppenhauses, der Interieurs und der Fassaden, die an großbürgerliche Wohn- und architektonische Hoheitsformen anknüpfende historisierende- und zeitgemäß moderne Stilformen offenbaren, ist das Gebäude für das Erscheinungsbild der Straße Am Botanischen Garten und als Dokument sowohl des Sozialstatus der bürgerlichen Bauherrenschaft als auch der Geschmacksgeschichte des zweiten Jahrzehnts unseres Jahrhunderts von hoher Bedeutung. Die Villa Am Botanischen Garten 47 ist als zeittypisches Dokument gebauter Architektur ein unverzichtbarer Bestandteil im Ortsteil Riehl.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0