Wohnhaus
Thüringer Straße 10 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_0942 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Thüringer Straße 10, 50733 Köln |
| Baujahr | 1902 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.01.1982 |
| Stadtteil | Nippes |
Errichtet 1902 (inschriftlich datiert). L-förmiger Grundriß; Mansarddach, mittig ein großes, zweifensteriges Zwerchhaus mit Dreieckgiebel. Im Grundtenor klassizistische Putz- und Stuckfassade mit starken Horizontalgliederungen; im Erdgeschoß kräftiger, in den Obergeschossen feiner Fugenschnitt; Betonung des ersten Obergeschosses durch Verdachungen und Brüstungsreliefs (Blattwerk flankierend Wappenschild mit darüber stehender Krone) der Fenster in gotisierenden Formen; stark vorkragendes Traufgesims mit KastanienblattFries, unterbrochen für die die Inschrift des Erbauungsjahres tragende Brüstungszone der Mansardgeschoßfenster.
Rückseiten verputzt. Angrenzend kleiner Hof.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die bislang dörfliche Siedlung Nippes zu einem bedeutenden Industriestandort mit rapide anwachsender Bevölkerung (Einwohnerzahl 1855: 496; 1871: 4.621; 1880: 9.930). Dieses Bevölkerungswachstum führte u.a. dazu, daß Nippes, selbständige (katholische) Pfarrgemeinde seit 1858/59, innerhalb eines Zeitraums von nur 30 Jahren nach der ersten Kirche an der Mauenheimer Straße (heute St. Heinrich und Kunigund) bereits 1880-82 eine zweite, größere Pfarrkirche erhielt: St. Marien, nahe der Neusser Straße, am später so benannten Baudriplatz. Als Verbindungsweg zwischen diesem Kirchplatz und der Siebachstraße, in dem mit der industriellen Entwicklung des Orts neu entstandenen Viertel "Sechzig", wurde 1886/87, also kurz vor der Eingemeindung von Nippes wie der gesamten Bürgermeisterei Longerich, die "Elisabethstraße", seit 1892 "Thüringer Straße", angelegt.
Bereits 1895 war die linke Seite der neuen Straße bis in die Nähe der Trasse der Eisenbahnlinie Köln-Neuss-Krefeld, auf deren Gelände wenige Jahre später die Kempener Straße als breite Alleestraße entstehen sollte, vollständig bebaut, während die gegenüber liegende Häuserzeile erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschlossen wurde. Die erhalten gebliebenen Zeugnisse dieser, in einer Zeit großer Wohnungsnot entstandenen, Erstbebauung der Thüringer Straße - insgesamt schlichte, aber ansprechend und abwechslungsreich dekorierte, in der Regel dreigeschossige Mietwohnbauten - repräsentieren auf der Seite der ungeraden Nummern überwiegend den traditionellen Typ des rheinischen Dreifensterhauses. Fast alle Putzfassaden sind zeittypisch stuckiert in Anlehnung an Schmuckformen der Renaissance. Auf der rechten Straßenseite dagegen haben wir noch drei Beispiele breiter gelagerter, vierachsiger Häuser, von denen insbesondere Nr. 12 und Nr. 18 in ihrem Fassadenstuck eine in Köln gegen Ende des 19. Jahrhunderts wieder auflebende Vorliebe für gotisierenden Zierat erkennen lassen.
Das Haus Thüringer Straße 10 ist trotz gravierender Veränderungen (Fensteröffnungen des Erdgeschosses, sämtliche Fenster, Haustüre, das gesamte Innere) ein unverzichtbarer Bestandteil des über alle kriegsbedingten Lücken (Neubauten) hinweg immer noch als solches wahrnehmbares Ensemble der Erstbebauung in einer der neuen Straßen im Nippes der Zeit um die Jahrhundertwende.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0