Wohn- u. Geschäftshaus

Thüringer Straße 15 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7813
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Thüringer Straße 15, 50733 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.03.1996
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1900, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.

Fassade: 4 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach (nachträglich aufgebaute Dachgaupe über die gesamte Gebäudebreite), Stuckfassade in Formen der Neorenaissance, Eingang (verändert, der Eingangsbereich wurde zur Straße hin geöffnet) links mit geradem oberen Abschluß, rechts Gaststätte mit separatem Eingang, Haustür in Metall erneuert, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht).

Rückseite: Backstein, Traufgesims, Vorderhaus einachsig, Seitenflügel zweiachsig, Hofzugang im Rücksprung, Hoftür erneuert (Metall), in der südlichen Achse des Seitenflügels Blendfenster, Fensterformen verändert: der segmentbogige Abschluß aller Fenster wurde im Bereich der Oberlichte zugemauert, die annähernd quadratischen Einscheibenfenster erneuert (Kunststoff).

Im Inneren original erhalten: Eingangsbereich: konsolgetragener Durchgang zum Treppenhaus, Holztreppe mit Stäben und Handlauf, Antrittspfosten erneuert, Podeste mit Holzdielen belegt, alle Wohnungseingangstüren erneuert, Treppenhausfenster in Holz original erhalten.

Die rückwärtig gelegene geschlämmte Einfriedungsmauer ist Bestandteil des Denkmals.

Der eingeschossige Anbau im Bauverband zum Vorderhaus ist nicht Bestandteil des Denkmals.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Thüringer Straße wurde im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts im Abschnitt zwischen Kempener- und Neusser Straße und im Bereich der Gocher-/Turmstraße als Parallelstraße zu Hogenberg- und Geldorpstraße angelegt. Das Gebäude Thüringer Straße 15 liegt im Nordwesten des Stadtteils Nippes, dem ursprünglich Sechzig-Viertel genannten Ortsbereich an der Grenze zum Stadtteil Bilderstöckchen. Bis heute hat dieses Wohngebiet sein kleinteiliges Gefüge bewahrt. Das Gebäude Nr. 15 gehört zu den Dokumenten der Erstbebauung, die sich in diesem Bereich der Straße in größerer Anzahl erhalten haben und charakterisiert gemeinsam mit weiteren Gebäuden der Nachbarschaft das historische Straßenbild. Das Gebäude zeigt eine dreiachsig gegliederte, an bürgerliche Repräsentationsformen anknüpfende Neorenaissancefassade ohne Mittelbetonung bzw. Vorbauten. Neben den gestaltbildenden Charakteristika des Baukörpers ist die Verwendung bauplastischer Dekorationsformen aufwendig (Schmuckformen: Fugenschnitt, Stockwerkgesimse, reiche plastische Fensterverdachungen, im 1. Obergeschoß konsolgetragene Dreieckverdachung, im 2. Obergeschoß konsolgetragene waagrechte Verdachung mit Einschluß von Diamantquadern, im 3. Obergeschoß Volutenkeilsteine, weit vorkragendes profiliertes Konsoltraufgesims). Die in städtebaulicher Hinsicht aufeinander bezogene Bebauung der Thüringer Straße erscheint als geplante Ensemblegestaltung (trotz der Veränderung der Nachbargebäude: Nr. 13 als Wiederaufbau, Nr. 17 als Nachkriegsneubau, die Nrn. 10/12, 19/21 sind in Originalzustand erhalten). Das Gebäude Thüringer Straße 15 ist Teil dieses Zusammenhangs von dreiachsigen und drei- bis viergeschossigen Wohnhäusern auf schmalen Parzellen auf weit in den Blockinnenbereich ragenden Parzellen mit rückwärtigen Anbauten bzw. Seitenflügeln. Die gesamte Thüringer Straße ist weitgehend geprägt von originaler Bausubstanz, das Gebäude Nr. 15 ist von hoher Bedeutung in diesem Ensemblebereich. Es dokumentiert aufgrund der weitgehenden Erhaltung originaler Substanz der Schauseite, der rückwärtigen Fassade und des Treppenhauses die bescheidenen Wohn- und Repräsentationsbedürfnisse einer mittelständischen Bewohnerschaft zur Zeit der Jahrhundertwende. Als Zeugnis für den städtisch geprägten Wohnbau in Nippes ist das Gebäude ein unverzichtbares Denkmal.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0