Wohn- u. Geschäftshaus
Thüringer Straße 19 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8054 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Thüringer Straße 19, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 04.02.1997 |
| Stadtteil | Nippes |
Erbaut um 1900, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.
Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, ausgebauter Spitzboden, Satteldach, Stuckfassade in Formen der Neorenaissance (Erdgeschoß z.T. verändert: Entfernung der Stuckdekorationen), Eingang linke Achse mit geradem oberen Abschluß, Haustür erneuert (Holz), rechts Ladenlokal mit separatem Eingang und großflächigen Schaufenstern (Kunststoff), Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff, Einscheibenfenster mit Oberlicht).
Rückseite: verputzt, Maueranker, Vorderhaus einachsig, Seitenflügel zweiachsig, rückwärtiger Spitzbodenausbau, Hofzugang im Rücksprung mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür erneuert, Fenster mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Kunststoff und Holz, Einscheibenfenster mit Oberlicht).
Im Inneren original erhalten: Treppenhaus: mehrfarbige Bodenfliesen mit Bordure, Terrazzotreppe, Geländer in Metall erneuert, Handlauf in Holz, Podeste mit Terrazzo belegt, Wohnungseingangstüren und Gewände erneuert. In den Wohnungen: Grundrisse verändert, keine Originalsubstanz.
Gewölbekeller.
Die rückwärtig den Hof nach Westen einfassende Einfriedungsmauer, verputzt, ist Bestandteil des Denkmals.
Der rückwärtig an der südlichen Grundstücksgrenze anstehende eingeschossige Anbau ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Thüringer Straße wurde im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts im Abschnitt zwischen Kempener- und Neusser Straße und im Bereich der Gocher-/Turmstraße als Parallelstraße zu Hogenberg- und Geldorpstraße angelegt. Das Gebäude Thüringer Straße 19 liegt im Nordwesten des Stadtteils Nippes, dem ursprünglich Sechzig-Viertel genannten Ortsbereich an der Grenze zum Stadtteil Bilderstöckchen. Bis heute hat dieses Wohngebiet sein kleinteiliges Gefüge bewahrt. In der Grundstruktur gleiche, dreigeschossige und dreiachsige Fassaden mit historistischen Dekorationsformen in Stuck charakterisieren den Baubestand. Das Gebäude Nr. 19 gehört zu den Dokumenten der Erstbebauung, die sich in diesem Bereich der Straße in größerer Anzahl erhalten haben und charakterisiert gemeinsam mit weiteren Gebäuden der Nachbarschaft das historische Straßenbild. Die an bürgerliche Repräsentationsformen anknüpfende Neorenaissancefassade mit aufwendigen plastischen Details ist weitgehend ohne Verluste oder Schäden erhalten geblieben (Schmuckformen: Horizontalfugenschnitt, Stockwerkgesimse/durchlaufende Sohlbank, achsweise Gliederung durch Stuckvorlagen, am Stockwerkgesims gekröpft, im 1. Obergeschoß von Volutenkonsolen getragene segmentförmige Verdachungen, im 2. Obergeschoß waagrechte Verdachungen, Einschluß von Diamantquadern, Konsoltraufgesims). Die in städtebaulicher Hinsicht aufeinander bezogene Bebauung der Thüringer Straße erscheint als geplante Ensemblegestaltung (Nrn. 21, 12). Wiederauf- und Nachkriegsneubauten (das unmittelbar benachbart liegende Wohngebäude mit qualitätvoller Gestaltung der 1960er Jahre) sind prägend für den Straßenabschnitt. Das Gebäude Thüringer Straße 19 ist Teil dieses Zusammenhangs von dreiachsigen und drei- bis viergeschossigen Wohnhäusern auf schmalen Parzellen und weit in den Blockinnenbereich ragenden Parzellen mit rückwärtigen Anbauten bzw. Seitenflügeln. Aufgrund zahlreicher Verluste an historischer Architektur durch Kriegsschäden kommt dem Gebäude Thüringer Straße 19 mit weiteren Nachbarhäusern eine besondere Bedeutung als Dokument der städtisch geprägten Architektur und als Bauensemble im Stadtteil zu. Es dokumentiert aufgrund der weitgehenden Erhaltung originaler Substanz der Schauseite, der rückwärtigen Fassade und mit Einschränkung auch des Treppenhauses die mittelständischen Wohn- und Repräsentationsbedürfnisse seiner Bewohnerschaft zur Zeit der Jahrhundertwende. Als Zeugnis für den städtisch geprägten Wohnbau in Nippes und für den Zusammenhang des Altbaukomplexes der Straße ist das Gebäude ein unverzichtbares Denkmal.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0