Wohnhaus

Thüringer Straße 12 · Nippes

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7882
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Thüringer Straße 12, 50733 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.05.1996
Stadtteil Nippes

Erbaut um 1900, auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem Seitenflügel.

Fassade: 3 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Mansargiebeldach, Stuckfassade in Formen des Jugendstils, Rokoko-Fassadendetails, hoher Ziergiebel mit Bogenabschluß in der Mittelachse, Eingang linke Achse mit geradem oberen Abschluß, Haustür erneuert (Holz), Fenster mit geradem oberen Abschluß, straßenseitige Fenster im Erd-, 1. und 2. Obergeschoß erneuert (Kunststoff, Holz, Einscheibenfenster mit Oberlicht), Fenster im 3. Obergeschoß original erhalten.

Rückseite: Backstein, Vorderhaus zweiachsig, Seitenflügel vierachsig, eingebaute Balkone an der Vorderhausrückseite, Balkongeländer in Metall erneuert, Hofzugang mit flach segmentbogigem oberen Abschluß, Hoftür erneuert, Fenster und Balkontüren mit segmentbogigem oberen Abschluß, Fenster und Balkontüren des Vorderhauses zum großen Teil erhalten (im Erdgeschoß erneuert), Treppenhausfenster original, Fenster des Seitenflügels erneuert (Kunststoff, Holz, Einscheibenfenster mit Oberlicht).

Im Inneren original erhalten: Eingangsbereich: Rundbogendurchgang zum Treppenhaus, Holztreppe mit Antrittspfosten, Stäben und Handlauf, Podeste mit Holzdielen belegt, Wohnungseingangstüren zum großen Teil original. In den Wohnungen: Holzdielenböden, z.T. originale Gewände und Türen.

Die originale, den Hof einfassende Einfriedungsmauer in Backstein ist Bestandteil des Denkmals.

Im Gebiet des heutigen Stadtteils Nippes sind Ansätze industrieller Produktion bereits ab 1800 nachweisbar; diese Entwicklung setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort und ließ den 1888 zu Köln eingemeindeten Stadtteil zu einem wichtigen Industriestandort heranwachsen. Die Neusser Straße gewann durch die neuen Fabrikstandorte und die zunächst in deren unmittelbarer Nachbarschaft sich konzentrierende Wohnbebauung an Bedeutung für den sich ausweitenden Vorort.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs der Ort, dessen Hauptverkehrsachsen die Mauenheimer-, Merheimer- und Niehler Straße bildeten, rasch an. Diese Entwicklung ist begründet in der räumlichen Nähe zur Kölner Innenstadt und in der verkehrsgünstigen Anbindung durch einen eigenen Bahnhof. Es entstanden neue Wohnbereiche beiderseits der Kempener Straße (um die damals errichteten Kirchenbauten St. Marien und die Lutherkirche). Um die Jahrhundertwende bis ca. 1914 wurden nördlich der Mauenheimer- und Florastraße die Wohngebiete um den Leipziger- und Erzberger Platz erschlossen; das übrige Vorortgebiet weitete sich bis zum Inneren Grüngürtel nach Süden aus. Im wesentlichen prägen bis 1900 entstandene zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Thüringer Straße wurde im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts im Abschnitt zwischen Kempener- und Neusser Straße und im Bereich der Gocher-/Turmstraße als Parallelstraße zu Hogenberg- und Geldorpstraße angelegt. Das Gebäude Thüringer Straße 12 liegt im Nordwesten des Stadtteils Nippes, dem ursprünglich Sechzig-Viertel genannten Ortsbereich an der Grenze zum Stadtteil Bilderstöckchen. Bis heute hat dieses Wohngebiet sein kleinteiliges Gefüge bewahrt. In der Grundstruktur gleiche, vierachsige Fassaden mit historistischen Dekorationsformen und einer aufwendigen Gestaltung der die Mitte betonenden Dachaufbauten charakterisieren den Baubestand. Das Gebäude Nr. 12 gehört zu den Dokumenten der Erstbebauung, die sich in diesem Bereich der Straße in größerer Anzahl erhalten haben und charakterisiert gemeinsam mit weiteren Gebäuden der Nachbarschaft das historische Straßenbild. Die an bürgerliche Repräsentationsformen anknüpfende Jugendstilfassade mit aufwendigen, dem Barock entlehnte Details ist weitgehend ohne Verluste oder Schäden erhalten geblieben (Schmuckformen: Horizontalfugenschnitt, Stockwerkgesimse, profilierte Fassung der Fenster, in den Obergeschossen mit waagerechten Verdachungen, im 1. Obergeschoß bekrönende Kartuschen, Brüstungsbereich mit Netzwerk, gebrochenes Konsoltraufgesims, Ziergiebel mit hohem Bogenabschluß und bekrönender Fialplastik). Die in städtebaulicher Hinsicht aufeinander bezogene Bebauung der Thüringer Straße erscheint als geplante Ensemblegestaltung (so z.B. das Nachbargebäude Nr. 10 mit spiegelbildlicher Disposition und das Gebäude Nr. 18). Wiederauf- (Nrn. 12/14) und Nachkriegsneubauten (das gegenüberliegende Wohngebäude mit qualitätvoller Gestaltung der 1960er Jahre) sind prägend für den Straßenabschnitt. Das Gebäude Thüringer Straße 12 ist Teil dieses Zusammenhangs von vierachsigen und drei- bis viergeschossigen Wohnhäusern auf schmalen Parzellen und weit in den Blockinnenbereich ragenden Parzellen mit rückwärtigen Anbauten bzw. Seitenflügeln. Aufgrund zahlreicher Verluste an historischer Architektur durch Kriegsschäden kommt dem Gebäude Thüringer Straße 12 mit weiteren Nachbarhäusern eine besondere Bedeutung als Dokument der städtisch geprägten Architektur und als Bauensemble im Stadtteil zu. Es dokumentiert aufgrund der weitgehenden Erhaltung originaler Substanz der Schauseite, der rückwärtigen Fassade und des Treppenhauses die mittelständischen Wohn- und Repräsentationsbedürfnisse seiner Bewohnerschaft zur Zeit der Jahrhundertwende. Als Zeugnis für den städtisch geprägten Wohnbau in Nippes und für den zusammenhang des Altbaukomplexes der Straße ist das Gebäude ein unverzichtbares Denkmal.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0