Wohn- u. Geschäftshaus
Steinbergerstraße 26 · Nippes
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_0959 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Steinbergerstraße 26, 50733 Köln |
| Baujahr | um 1910 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 21.01.1982 |
| Stadtteil | Nippes |
Errichtet 1911. Bedingt durch die Lage an der (nordwestlichen) Ecke Steinberger-/Kempener Straße unregelmäßiger Grundriß; drei Geschosse, ausgebautes Mansarddach; 2 : 1 : 3 Achsen, Putz- und Stuckfassaden, architektonisch gestaltet und dekoriert in einem zeittypischen, noch Elemente eines barockisierenden Jugendstils bewahrenden Neoklassizismus.
Das postalisch der Steinbergerstraße angehörende Haus - dort die weitgehend original erhaltene Eingangssituation (Holztüre und gerade, profilierte Verdachung; bekrönende Stuckornamentik teilweise zerstört) - ist mit seinen beiden Hauptfronten der Kempener Straße zugewandt. Die dreiachsige Front an der Kempener Straße hat einen zweigeschossigen, auf mächtigen, geschwungenen Konsolen ruhenden Erker, der, wie das im Mansardgeschoß anschließende große Zwerchhaus mit Dreieckgiebel, vertikal gegliedert ist durch Paare von Dreiergruppen hoher, schmaler Fenster; zwischen den Dreifenstergruppen des Zwerchhauses, in Anspielung auf die für den Neoklassizismus maßgebliche Tradition, das Relief eines Centauren. Hauptschmuckseite des Hauses ist die einachsige, abgeschrägte Ecke mit zweigeschossigem, ins Mansardgeschoß hochgezogenen Stichbogen-Erker, über dem sich ein hoher Dreieckgiebel erhebt, das Giebelfeld in flacher Stuckierung reich dekoriert mit einem klassizistisch gegliederten Ornament in barockisierendem Jugendstil.
Im Inneren original erhalten: Bodenfliesen in Vestibül und Hausflur, Terrazzotreppe mit Geländer und Antrittspfosten in Holz; Wohnungseingangstüren in den Obergeschossen und (leicht verändert) im Dachgeschoß, Zimmertüren u.a. im ersten Obergeschoß und im Dachgeschoß; in diesen Geschossen, u.a. in den Erkerzimmern der Ecke, Deckenstuck (Kehlung, Profile, Mittelornament); Speichertüren und Dachstuhl.
Das Haus Steinbergerstraße 26 ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes zu einem bedeutenden Industrievorort, der als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte Nippes von etwa 1895 bis in die frühen 1910er Jahre einen regelrechten Bauboom. Nach der Jahrhundertwende mit einer gewissen Stagnation der industriellen Entwicklung und dem Aufgeben des Trassengeländes im Streckenabschnitt der Köln-Krefelder Eisenbahn, die bisher den Ort in zwei Teile zerschnitten hatte, entstand die Kempener Straße als breite Alleestraße, und Nippes wurde allmählich zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstands.
Das Haus Steinbergerstraße 26 ist mit seinen repräsentativen Fassaden und großzügig geschnittenen Wohnungen ein wertvolles Zeugnis dieser Entwicklung. Der platzartige Kreuzungsbereich von August-, Steinberger- und Kempener- sowie Steinberger- und Christinastraße, von Osten nach Westen fortschreitend seit etwa 1903 bis 1912 bebaut, zeigte einst zahlreiche, markante Eckbauten und eine malerische Häusergruppe an der hier frei liegenden Ostseite der Christinastraße. Mehr oder weniger stark verändert erhalten geblieben sind nur die Eckbauten Kempener Straße 24 und 26, Christinastraße 31, das zu dem 1912 errichteten, großen Komplex Auguststraße 15-19 / Steinbergerstraße 19-35 gehörende Haus Auguststraße 19 sowie, gegenüber liegend, Steinbergerstraße 26. Das Haus ist somit (trotz Veränderungen im Erdgeschoß) ein unverzichtbares städtebauliches Dokument der historischen Eckbebauung in dem durch Kriegszerstörungen stark beeinträchtigten Kreuzungsbereich.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0