Wohn- u. Geschäftshaus
Weißenburgstraße 27 · Neustadt/Nord
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3331 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Weißenburgstraße 27, 50670 Köln |
| Baujahr | um 1905 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 18.11.1985 |
| Stadtteil | Neustadt/Nord |
Ortsgeschichtlich ist das o. g. um 1905 erstellte Wohn- und Geschäftshaus ein Zeugnis der zweiten Welle des Stadtaufbaus Kölns nach seiner Erweiterung und Neuplanung nach 1881. Im Zeitraum von 1900 bis 1914 stieg die Stadtbevölkerung von 367 000 auf 635 000 Einwohner, wobei das größte Wachstum auf das heutige Gebiet der Neustadt konzentriert war. Für die hier von 80 000 auf 124 000 in kurzer Zeit gestiegene Einwohnerzahl waren 119 000 neue Wohnungen, am meisten mit drei bis fünf Zimmern, in 4- und mehrstöckigen Mietshäusern für gehobene Ansprüche gebaut. Die von Agneskirche neben dem neu gebauten Justizpalast geführte und bis zur Riehler Straße reichende und von beiden Seiten der Parkanlage bebaute Wohnachse der Weißenburgstraße weist sich der schönsten Beispiele der neugewachsenen Wohnansprüche innerhalb der Nordgebiete Kölns vor.
Baukünstlerisch ist das 4geschossige schmale Wohnhaus bei der Einleitung in die fortlaufende Fassadenzeile der Weißenburgstraße mit ausgebautem Giebelgeschoß ein schönes Beispiel der Umwandlung der aus Süddeutschland und anderswo kommenden Jugendstileinflüsse innerhalb der eher traditionell und konservativ zu charakterisierenden Baugewohnheiten. Der kräftige 3stöckige Erker mit einem Balkonaufsatz und der Steinbalustrade sowie prächtigem Dreieckgiebel als der Mittelachse der Baukonzeption ist untergeordnet den traditionellen, aus Spätklassizismus kommenden Symmetriegedanken. Die waagerechten Fugenschnitte der EG-Zone sind in dem vorspringenden Mittelteil weitergeführt. Die Seiten sind rauh verputzt. Nur die Brüstungsfelder des zweiten Geschosses, der Abschlußstreifen unterhalb des Kranzgesimses und der Giebeltympanon als die Abschlußgestalt der Fassade beherbergen die fugsame Palmenvolutenornamentik, die deutlich auf die Zeitstilistik hinweist. Die dezente Umwandlung der Wellenlinien in dem einfachen Geometriemuster aus blauen Keramikwürfeln im 3. OG pointiert die Zeitbezogenheit der Fassade.
Die Dreiteilung der Fenster in der Mittelachse und die Zweiteilung an den Seiten mit kleine, vertikl geschnitzten Oberlichtsprossen wiederholen das Grundmuster aus der Erstbebauungszeit, das auch im Hausinnern zu finden ist. Am deutlichsten aussagekräftig sind hier die eingeschnittnen Wolbungsfelder des eingagsbereichs. Der Terrazzoboden ist mit kalssischem Muster der schwarz-weiß Kantenumrahmung verziert. Das Grundmuster wiederholt sich dann auch an einzelnen Podesten. Die Terrazzotreppe aus der Erstbebauungzeit ist durch ein gedrechsleltes Holzgeländer mit hohen Antritspfosten begleitet. Die merhmals geteilten, kassetierten Wohneingangstüren mit Glaseinlagen sidn in abgewandelter Form an jdem Geschoß zu finden. In den Hauptzimmern uzur Straße sind eingeschnittene Stuckdekcne mit Rosetten und Blumenornamenten zu finden. Die Hinterhoffassade ist durch einen einfachen Klinkerbelag charakterisiert. Die Ladenfenster im eG sowie die Dachzlne mit verdoppelten Fenstergauben und Atelieroberlicht hint er dem, Giebel waren zusätzlich in der letzten zeit eingerichtet und umgestaltet.
Städtebaulich leitet das beschriebene Wohnhaus eine geschossene Reihe von mehr oder weniger einheitlich konstruierten Bauobjekten aus der Jahhundertwende ein. Die kompakt wirkende, jedoch individuell gestaltete Einzelbauweise werden additiv aneinandergereiht und bilden eine zusammenhängende Wohnanlage. Das Phänomen des Zeitwandels vom Historismus zum Jugendstil und zur Moderne ist hier nicht als Bruch, sondern als Ergänzung der historischen Einheit und Tradition aufgefaßt.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0