Wohnhaus
Elisabeth-Breuer-Straße 47 · Mülheim
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1530 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Elisabeth-Breuer-Straße 47, 51065 Köln |
| Baujahr | um 1890 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 08.06.1983 |
| Stadtteil | Mülheim |
Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Mülheim, da es den Ausbauprozeß dieser bis 1914 selbständigen Stadt dokumentiert. Aufgrund der günstigen Verkehrslage (Rheinhafen, Straßen- und, seit ca. 1850, Eisenbahnknotenpunkt) und der historisch-politischen Gegebenheiten (Tradition der religiösen Freiheit) entwickelte sich Mülheim im 19. Jahrhundert aus einer Gewerbestadt zum industriellen Vorort (Waggonfabrik Zypen und Charlier 1846, Bleiweißfabrik Lindgens & Söhne 1851, Walzwerk Böcking & Cie. 1872, Drahtseilerei Felten & Guilleaume 1874). Als Folge dieser Industrialisierung erlebte Mülheim einen wirtschaftlichen Aufschwung mit Bevölkerungszuwachs, der zur raschen Bebauung des bis dahin freien Geländes in der Nähe der neuen Industrieanlagen führte.
Das viergeschossige Haus mit Vorgarten wurde um 1897 errichtet. Die gelbe Backsteinfassade zeigt einen reichlichen, rotfarbigen Stuckdekor im Erdgeschoß, als Fensterumrahmung und am Kranzgesims in einer stilistischen Anlehnung an die deutsche Renaissance. Das Erdgeschoß ist rauh gebändert mit einer Eingangstüre links und zwei Fenstern, alle rundbögig und mit einer profilierten Umrahmung mit Zierschlußstein versehen. An den beiden Fensterbrüstungen befinden sich glatte Zierfelder mit Medaillons, die über einem Sockelgesims eine Art Sockel für die Fensterumrahmung darstellen. Je eine Zierkonsole links und rechts neben dem mittleren Fenster und der von ihnen gestützte Balkon bilden seine Verdachung. Das Erdgeschoß ist mit einem Gurtgesims abgeschlossen.
Das zweite und dritte Obergeschoß weisen ausgeprägte, ädikula-ähnliche Fensterumrahmung mit Bekrönung auf (Dreieckgiebel mit Blattwerk bzw. Architrav) auf und eine Betonung der Mittelachse durch die Anbringung von Balkonen, Umrahmung der Balkontüre im ersten Obergeschoß mit einem Paar von Pilastern mit ionischen Kapitellen und Bekrönung der Balkontüre im zweiten Obergeschoß. Da sowohl die Balkone als auch ihr Dekor mit steigender Geschoßzahl kleiner bzw. bescheidener werden, entsteht eine zusätzliche Betonung der Vertikalen und somit auch eine Steigerung der optischen Höhe des Gebäudes. Ein Fensterbankgesims im zweiten Obergeschoß setzt das erste Obergeschoß als die am reichsten verzierte Zone von der übrigen Fassade leicht ab.
Im dritten Obergeschoß (getrennt vom zweiten Obergeschoß mit einem Gesimsband in der Fensterbankhöhe) sind die für alle Obergeschosse gleichartigen Segmentbogenfenster nur noch mit Umrahmung mit Zierschlußsteinen ohne Bekrönung verziert. Ein breites Zierkranzgesims trennt die Fassade vom Dach mit zwei Gauben.
Im Hausinneren befindet sich eine einläufige Eichenholztreppe mit langen Holzpodesten, von denen aus man je eine Wohnung nach vorne bzw. nach hinten und einen Balkon (durch eine mehrteilige Glastüre mit Sprossen) betreten kann. Alle Wohnungs- und die meisten Zimmertüren sind original, alle Vorderzimmer reichlich mit Deckenstuck verziert. Im Hausflur mit Fußbodenfliesen und Deckenstuckdekor befindet sich eine Art Portal und an den Wänden Stuckmedaillons.
Das o.g. Objekt ist von Interesse für die Hausforschung, da es eine späte und entwickelte Form des ehemals (bis zur Jahrhundertmitte) für Köln charakteristischen Haustypus des sogenannten Dreifensterhauses auf einem L-förmigen Grundriß vorstellt. Der Hinteranbau, in dem sich ursprünglich nur ein Zimmer befand, ist zum Wohnungsflügel geworden, ohne jedoch den repräsentativen Charakter (Stuckdekor, Größe usw.) der Wohnungen im Vorderhaus zu übernehmen.
Städtebaulich gesehen stellt das Haus ein Unikum aus der Gründerzeit dar, nicht nur in der Elisabeth-Breuer-Straße (ehemalige Friedensstraße), sondern im Dreieck zwischen Frankfurter Straße, Montanusstraße und Elisabeth-Breuer-Straße, und zwar als der Ansatz einer erst viel später erfolgten Bebauung. Die übrige Bebauung dieser Gegend entstand erst nach der Jahrhundertwende, vorwiegend in den zwanziger und dreißiger Jahren. Das o.g. Haus steht vielmehr in Korrespondenz mit anderen Gründerzeitbauten der Mülheimer Hauptstraßen (Frankfurter Straße, Gladbacher Straße). Wegen seiner Einzigartigkeit und seines dokumentarischen Charakters für diese Gegend muß das Haus als Baudenkmal erhalten bleiben.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0