Wohnhaus

Rhodiusstraße 20 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7130
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Rhodiusstraße 20, 51065 Köln
Baujahr1924
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 28.04.1994
Stadtteil Mülheim

1924 erbaut, Architekt: Martin Elsässer; teilweise Wiederaufbau von 1953-55 nach Plänen von Paul Pott (Dachgeschoß und Innenausbau); freistehende Villa auf verwinkeltem Grundriß; 2 Geschosse und ausgebautes Dachgeschoß (ursprünglich steiles, verschiefertes Walmdach, Wiederaufbau mit Giebeln und Satteldach); straßenseitig spitzwinklig vortretende Risalite seitlich der Gebäudeecken, rückseitig spitz vortretender Altan; backsteinsichtige Fassaden mit Werksteingliederungen (Sockel, Portal- und Fensterrahmungen, Fenstersohlbänke) und Betonung durch mörtelreiche Lagerfugen; rechtekkiger Hauseingang (ursprünglich offen und vergittert) über 2 dreieckig vortretenden Stufen, Haustür erneuert; Fensteröffnungen seitlich des Eingangs rundbogig, sonst rechteckig mit teilweise originalen Gittern (EG-Fenster in den Risaliten) und erneuerten Fenstern, ehemals im OG Klappläden. Bestandteil der straßenseitig axialsymmetrischen Anlage sind die beidseitigen backsteinsichtigen Einfriedungsmauern mit einbezogenem Anbau von Garage und Nebenraum auf der Nordseite (Garagentor und ehemals rundbogiges Gartentor erneuert) sowie der das Haus umgebende Garten. Im Inneren durch Nachkriegsausbau zum Mehrfamilienhaus teilweise verändert, erneuerte Treppenanlage, Einziehung neuer Zwischenwände; tragende Mauern erhalten.

Seit etwa 1870 entwickelte sich die Kleinstadt Mülheim rasch zur großindustriell geprägten Mittelstadt, nachdem u. a. durch die Anlage von Eisenbahnlinien die Ansiedlung von Industriebetrieben am Rande des historischen Ortskerns begünstigt worden war. Der Bevölkerungszuwachs infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs führte zur Bebauung ehemals freien Geländes mit Wohnbauten. Die Rhodiusstraße liegt in dem stark durchgrünten Wohnbereich zwischen Stadtgarten und den beiden Mülheimer Friedhöfen, dessen nördlichen Teil zwischen Frankfurter Straße und Eulenbergstraße die zuletzt erfolgte bauliche Auffüllung des Mülheimer Stadtbereichs innerhalb der heutigen Eisenbahnlinien darstellt. Auf der rechten Straßenseite entstand in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine Villenbebauung, für die das Gebäude Rhodiusstr. 20 charakteristisch ist. Bauherr des 1924 errichteten Gebäudes war Walter Andreae, Mitinhaber der damaligen Mülheimer Samt- und Möbelstoffabrik Christoph Andreae, die in langer und bedeutender örtlicher Familien- und Firmentradition seit der Gründung der Seidenfabrik an der Wallstraße im Jahre 1773 stand. Die Villa wurde nach Plänen des bedeutenden Architekten Prof. Martin Elsässer (1884-1957) errichtet, der 1920-25 Direktor der Kölner Werkschulen war und in dieser Zeit außer dem Neubau dieser Schule am Ubierring auch etliche andere Bauten im Kölner Raum entworfen hatte. Trotz der durch Kriegseinwirkungen bedingten Veränderungen im Dachbereich und im Inneren zählt das Gebäude zu den wichtigen frühen Werken aus der Kölner Zeit dieses namhaften Architekten. Der Baukörper ist in seinen wesentlichen Bestandteilen einschließlich seiner außergewöhnlichen Grundrißkonzeption und äußeren Gestaltung erhalten. Die schlichten Backsteinfassaden sind als Ausdrucksmittel für die Architektur Elsässers bezeichnend. Individuelle Strukturierung erfahren sie u. a. durch die starke Betonung der Lagerfugen im Mauerverband. Besonders prägnant sind die straßen- und rückseitig über dreieckig vortretenden Grundrissen aufgehenden Bauteile. Die Qualität der Architektur äußert sich fast unmerklich in den Feinheiten. So ist der Fluchtlinienverlauf der Fassadenrisalite zu den Ecken hin leicht spitzwinklig abgeknickt. Das Gebäude Rhodiusstr. 20, das zur Straße hin das Grundstück völlig abschließt, während es sich rückseitig zum Garten hin durch die überdachte Terrasse öffnet, dokumentiert einschließlich seiner für den Bautypus Villa charakteristischen Einbindung in den umgebenden Garten die historische Erstbebauung der Straße und ist über seine städtebauliche und ortsgeschichtliche Bedeutung hinaus ein unverzichtbares architektonisches Denkmal von besonderem künstlerischem Wert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0