Wohnhaus

Zehntstraße 22 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1539
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Zehntstraße 22, 51065 Köln
Baujahr1906
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 28.06.1983
Stadtteil Mülheim

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Mülheim, da es den Ausbauprozeß dieser bis 1914 selbständigen Stadt dokumentiert. Aufgrund der günstigen Verkehrslage (Rheinhafen, Straßen- und, seit ca. 1850, Eisenbahnknotenpunkt) und der historisch-politischen Gegebenheiten (Tradition der religiösen Freiheit) entwickelte sich Mülheim im 19. Jahrhundert aus einer Gewerbestadt zum industriellen Vorort (Waggonfabrik Zypen und Charlier 1846, Bleiweißfabrik Lindgens & Söhne 1851, Walzwerk Böcking & Cie. 1872, Drahtseilerei Felten und Guilleaume 1874). Als Folge dieser Industrialisierung erlebte Mülheim einen wirtschaftlichen Aufstieg mit Bevölkerungszuwachs, der zur raschen Bebauung des bis dahin freuen Geländes in der Nähe der neuen Industrieanlagen führte.

Das dreigeschossige Wohnhaus wurde 1906 errichtet. Die Fassade trägt einen rokoko-artigen Stuckdekor, der sich insbesondere auf das erste Obergeschoß konzentriert: Durch je ein Paar von Gurt- bzw. Fensterbankgesimsen ist er deutlich von den anderen Geschossen getrennt, drei Segmentbogenfenster mit profilierten Ziereinrahmungen und Blattwerkbekrönung in Segmentgiebeln (als Teile des Gurtgesimses) sind an den Brüstungen mit Blattwerkfeldern geschmückt. Eine ähnliche, jedoch stark reduzierte Verzierung befindet sich im zweiten Obergeschoß (Fensterumrahmung mit Bekrönung aus geschweiften Giebeln) - auch die Fenstergröße (kleiner als im ersten Obergeschoß) und -form (hochrechteckig) lassen die oberste Fassadenzone bescheidener und niedriger erscheinen - eine Erscheinung, die die optische Höhe des Gebäudes steigert. Das Erdgeschoß (mit Eingang links) ist über einem Sockel (mit Sockelgesims) gebändert und zeigt breite, profilierte Umrahmungen mit Zierschlußsteinen um die hochrechteckigen Fenster bzw. Türe.

Im Hausinneren befinden sich Marmorfußboden, Wandfliesen mit Jugendstil-Ornamentik, Wand- und Deckenstuckdekor im Eingangsbereich, einläufige Holztreppe mit langen Podesten im Treppenhaus und Deckenstuckdekor bzw. Holzvertägelung in Vorderzimmern des Erdgeschosses bzw. ersten Obergeschosses.

Der Haustyp - ein Dreifensterhaus auf L-förmigem Grundriß - stellt eine für die Innenstadt Kölns bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts charakteristische Hausform (heute leider nur in Ausnahmen vorhanden) dar. Diese tradierte Form hält sich in den Vororten bis zur Jahrhundertwende und erfährt unterschiedliche Veränderungen.

Städtebaulich gesehen bildet ds o.g. Haus eine gemeinsame Hausfront mit den Nachbarhäusern (die allerdings nicht mehr ihre ursprünglichen Fassaden zeigen) und zusammen mit den Gebäuden Zehntstraße 26 und 94 vermittelt es einen Eindruck des originalen Erscheinungsbildes dieser Straßenseite: Miethäuser für Angestellte und Facharbeiter des nahen Industrieunternehmens (Felten & Guilleaume). Dieser städtebauliche Zusammenhang wird um so klarer, als die andere Straßenseite aus einer Reihe kleiner Arbeiter-Einfamilienhäuser besteht (Nr. 27 - 45), die als ein Bestandteil eines ganzen Straßenabschnitts von Arbeiterwerkhäusern einer anderen sozialen Welt angehören (zwischen Keupstraße, Holweider Straße und Gladbacher Straße). Selten findet man eine solche klare, architektonische Aussage über die soziale Struktur einer Straße.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0