Wohnhaus

Zehntstraße 26 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_8143
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Zehntstraße 26, 51065 Köln
Baujahrum 1900
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 21.08.1997
Stadtteil Mülheim

Um 1900 erbaut, viergeschossiges, traufenständiges Vorderhaus mit Stuckfassade, dreigeschossiger Anbau.

Straßenfassade: 2 achsige Putzfassade mit Stuckgliederungen in Anklang an Gotik, Renaissance und Jugendstil (Haustür und Fenster verkleinert); seitlicher Hauseingang, Türrrahmung mit Diensten auf Konsolen (Fialen fehlen) und Dreipaßbogen mit Brustplastik eines Engels (Oberlicht vermauert, Ladenfront zu zwei Fenstern zugemauert), gestuftes Stockgesims; 1. und 2. OG mit aufstuckierter Eckquaderung, große Fenster mit Werksteingewänden und Stabrahmung (Oberlichter vermauert), dazwischen Wappenkartuschen in Laubwerk, über den beiden Fenstern des 2. OG Giebelbekrönung mit Wappentafel und Laubwerk, Stockgesims mit mittigem und seitlichem Wappen; 3. OG mit 4 segmentbogigen Fenstern, Fugenputz, mittig und seitliche Putzlisenen mit Rosette, breites gekehltes Traufgesims; 2 Dachgauben.

Rückseite neu verputzt, Fenster erneuert.

Innen original: Keller und Kellertreppe, hölzerne Haustreppe mit Treppenpfosten und Stabgeländer (Linoleumbelag), evt. Stukkaturen hinter abgehängten Decken (Türen erneuert, teilweise neue Raumaufteilung).

Hof: der rückwärtige Hofbereich wird als Garten genutzt.

Eine Laube im rückwärtigen Garten ist nicht Teil des Denkmals.

Die Entwicklung Mülheims blieb bis in die 2. Hälfte des 18. Jh. auf das Gebiet zwischen Rhein und Wallstraße mit der Mülheimer Freiheit als Hauptstraße beschränkt. Seit etwa 1870 entwickelte sich die Kleinstadt Mülheim, die erst 1914 nach Köln eingemeindet wurde, rasch zur großindustriell geprägten Mittelstadt, nachdem u. a. durch die Anlage von Eisenbahnlinien die Ansiedlung von Industriebetrieben am Rande des historischen Ortskerns begünstigt worden war. Der Bevölkerungszuwachs infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs führte in der unmittelbaren Umgebung der Fabriken rasch zur Bebauung mit Wohnhäusern.

Im Bereich südlich des Carlswerkes entstanden an den ehemaligen Landstraßen Bergisch-Gladbacher und Holweider Straße sowie an ihren Querstraßen viergeschossige Mietstockwerkbauten für die Werksangehörigen. Auf der Ostseite der Zehntstraße haben sich noch drei Gebäude der Erstbebauung um 1900 erhalten (Nr. 22, 26 und das Eckhaus Holweiderstr. 94), die das ursprüngliche, durch Putzfassaden bestimmte Erscheinungsbild dieser Straßenseite dokumentieren. Ihnen gegenüber liegen zwei- bis zweieinhalb stöckige unverputzte Backsteinbauten, die als Arbeiterwohnungen ab 1886 entstanden (Zehntstr. 23-45). Die unterschiedliche Bebauung der beiden Straßenseiten spiegelt nicht nur die architektonische Weiterentwicklung, sondern auch die fortschreitende soziale Differenzierung innerhalb der Arbeitnehmerschaft. In den um die Jahrhundertwende neu errichteten Gebäuden wohnten vorzugsweise Facharbeiter und Angestellte, während die Reihenhäuser vorwiegend von Tagelöhnern genutzt wurden.

Das Haus Zehntstr. 26 stellt eine Weiterentwicklung des für den Kölner Raum typischen Dreifensterhauses dar. Die ausgewogene Gestaltung der Fassade, in der der Vertikalzug der Achsen durch die Gesimse und das Fensterband im 3. OG ausgeglichen wird sowie die reichen Stuckapplikationen heben das Haus von den ähnlichen Bauten in der Umgebung ab. Die Wirkung der Fassade wird zwar durch die Vermauerungen beeinträchtigt, aber nicht aufgehoben. Die historisierende Fassade korrespondiert mit dem benachbarten Eckhaus, das ebenfalls mittalterliche und frühneuzeitliche Architekturzitate verwendet.

Als Zeugnis der Erstbebauung mit individuell gestalteter historistischer Fassade und als sozialhistorische Quelle ist das o. g. Objekt unbedingt zu erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0