Wohnhaus
Holweider Straße 94 · Mülheim
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_8151 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Holweider Straße 94, 51065 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 01.09.1997 |
| Stadtteil | Mülheim |
Um 1900 erbaut, viergeschossiges Eckhaus mit hohem EG (Wirtschaft), zweiachsige Putzfassade zur Holweider Str. und vierachsige zur Zehntstr., dort in rechter Achse Haustür und Treppenhausfenster, Eckerker.
Straßenfassaden: Kellerfenster und äußerer Kellerzugang im vorspringenden Sockel; EG mit Quaderputz, durch Gesims abgeschlossen, segmentbogige Fenster (Oberlichter vermauert), drei wappenartige Stuckapplikationen mit Kelch, zur Holweider Str. Fenster mit schmaler Tür, seitlich Stuckapplikationen, Eingang zur Wirtschaft im abgeschrägten Eck mit profiliertem Türgewände (Tür erneuert), Haustür mit Holzrelief und Ziergitter, seitliches Fenster ebenfalls mit Ziergitter (Fensteröffnung im oberen Teil zugesetzt); OG: Fensteröffnungen paarig angeordnet und geschoßweise anders gestaltet (Gesims mit bekrönenden Kugeln, Vorhanggewände und segmentbogige Öffnung), Erkerfenster entsprechend gestaltet, segmentbogige Treppenhausfenster in erkerartigem Mauervorsprung, unteres Fenster mit seitlichem Stuckrelief und Gesims, darüber 3 Fenster mit Putzrahmung und geschweifter Giebel; Brüstungen des Eckerkers mit Maßwerk, Laubwerk und Wappen geschmückt; 3 Dachhäuschen mit gekuppelten Fenstern zur Zehntstr. (die 2 Dachhäuschen zur Holweider Str. umgebaut), alle OG-und DG-Fenster erneuert.
Rückseite: Backsteinfassade mit segmentbogigen Fenstern, Hoftür, Treppenhausfenster und ein Schlitzfenster im 1. OG original (die übrigen Fenster erneuert). Hof betoniert.
Innen original: Keller (auch Hof unterkellert) mit Betondekke, 3 Türen, Betontreppe; EG-Flur mit Fliesenboden, Terrazzostufen, blauen Wandfliesen, 3 Türen (in Gaststätte abgehängte Decke), Holztreppe mit Antrittspfosten und Stabgeländer, Wohnungstüren im 1.-3. OG mit verglastem Oberlicht; 1. OG: zwei Zimmern zur Holweiderstr. mit Deckenstuck (übrige Decken abgehängt), 4 Füllungstüren; 2. OG: Dielenboden, 3 Türen; DG: Dielenboden, 4 Türen.
Nicht Bestandteil des Denkmals sind die eingeschossigen Bauten im Hof.
Die Entwicklung Mülheims blieb bis in die 2. Hälfte des 18. Jh. auf das Gebiet zwischen Rhein und Wallstraße mit der Mülheimer Freiheit als Hauptstraße beschränkt. Seit etwa 1870 entwickelte sich die Kleinstadt Mülheim, die erst 1914 nach Köln eingemeindet wurde, rasch zur großindustriell geprägten Mittelstadt, nachdem u. a. durch die Anlage von Eisenbahnlinien die Ansiedlung von Industriebetrieben am Rande des historischen Ortskerns begünstigt worden war. Der Bevölkerungszuwachs infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs führte in der unmittelbaren Umgebung der Fabriken rasch zur Bebauung mit Wohnhäusern.
Im Bereich südlich des Carlswerkes entstanden an den ehemaligen Landstraßen Bergisch-Gladbacher und Holweider Straße schlichte viergeschossige Mietstockwerkbauten für Bewohner unterer Einkommensschichten. An der Holweider Straße ist mit den um 1895 errichteten Häusern Nr. 104-106, 118-120 und 124-130 ein Ensemble erhalten, das diese gründerzeitliche Erstbebauung und das ursprüngliche Erscheinungsbild der Straße mit sparsam stuckdekorierten Fassaden dokumentiert. Das Haus Nr. 100-102, das Eckhaus Nr. 94 sowie die benachbarten Bauten Zehntstr. 22 und 26 entstanden etwas später und sind reicher stuckiert. Noch augenscheinlicher ist der Kontrast zu den auf der westlichen Seite der Zehntstraße gelegenen zwei- bis zweieinhalbgeschossigen Reihenbauten Nr. 23-45, die 1886 als Teil der Werkssiedlung von Felten & Guilleaume erbaut wurden und keinerlei Schmuck aufweisen. Die Bauten sind somit ein wichtiges Zeugnis sowohl für die Wohnbedingen der Arbeiterschaft wie auch für das Selbstverständnis der Bauherren.
Dem Haus Holweider Str. 94 kommt wegen seiner markanten Ekklage (betont durch den mehrgeschossigen Eckerker) eine erhöhte städtebauliche Bedeutung zu. Sein mehreckiger Grundriß und das gotisierende Maßwerk erinnert an die Türme großer Hofanlagen in der Altstadt Kölns (z. B. Richmodis-Turm). Historisierendes Dekor, orientiert an der Spätgotik, weisen auch die Fensterrahmungen auf (Gewände mit Kehlung und sich überkreuzenden Stäben, Vorhang- und Segmentbögen). An die Renaissance gemahnen dagegen die (Putz-) Quaderung des EG, die Fenstergesims mit Kugeln und der Treppenhausgiebel. Die flächige Gestaltung der Schmuckformen ist durch den Jugenstil beeinflußt. Das Haus bildet mit dem einem ähnlichen Formenrepertoir verpflichteten Nachbarhaus Zehntstr. 26 ein das Straßenbild bestimmendes Ensemble.
Aus den o. g. Gründen ist das Haus Holweiderstr. 94 unbedingt zu erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0