Hofanlage Keuschhof

Braugasse 12 · Lövenich

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1600
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungHofanlage Keuschhof
Adresse Braugasse 12, 50859 Köln
Baujahrum 1860
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 07.09.1983
Stadtteil Lövenich

Das Haus Braugasse 12 (Keuschhof) ist bedeutend für die Geschichte der Menschen und für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse in Lövenich, da es die ländliche Lebens- und Produktionsart eines großstadtnahen Orts im 19. Jahrhundert dokumentiert. Der heutige Kölner Wohnvorort Lövenich wird bis heute durch große Hofanlagen - ehemals im Besitz des Johanniterordens - geprägt (Odemshof, Mertenshof, Keuschhof, Haus Közal), die heute durch die Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung in ihrem Bestand gefährdet sind.

Das Objekt wurde um 1860 errichtet. Es ist eine großflächige, rechteckig angelegte und von allen Seiten durch unterschiedlich hohe Wirtschafts- bzw. Wohngebäude in fränkischer Bauart geschlossene Hofanlage, die durch eine breite Toreinfahrt von der Braugasse aus erreichbar ist. Außerhalb der geschlossenen Hofanlage befinden sich links des Einfahrttors ein eingeschossiges Fachwerkhaus (ehemaliges Gärtnerhaus) und ein Schuppenhäuschen. Diese Gebäude sind durch eine Gartenmauer umzingelt und an die Hofanlage angeschlossen. Alle Wirtschaftsgebäude sind - mit Ausnahme des Fachwerkhauses - aus roten Backsteinen gemauerte, eingeschossige Bauten mit Walm- bzw. Satteldach. Das in der Mitte des südwestlichen Flügels stehende Herrenhaus ist als einziges zweigeschossig und zeigt eine repräsentative Fassade nach außen und eine bescheiden ausgestaltete Fassade in den Innenhof. Die repräsentative Orientierung des Herrenhauses nach außen entspricht einer neuen Qualität der Produktionsweise des Hofs im 19. Jahrhundert. Die landwirtschaftliche Produktion orientiert sich in steigendem Maß am Agrarmarkt der naheliegenden Großstadt und wendet sich daher auch architektonisch der Öffentlichkeit zu.

Das Herrenhaus (zweigeschossig mit Walmdach) zeigt in der spätklassizistischen Hauptfassade acht Achsen, von denen die zwei mittleren in einem leicht vorspringenden Mittelrisalit liegen. Diese Risalitzone und somit auch die Hausmitte ist zusätzlich durch einen Dreieckgiebel mit Lunettenfenster im Giebelfeld betont. Hohe, rechteckige Fenster (ursprünglich mit Schlagläden versehen) öffnen in regelmäßigen Abständen (die vierte und fünfte Achse liegen weiter auseinander als die anderen) die dekorative Backsteinfassade, die lediglich durch ein schmales Gurtgesims und "Fensterohren" aus Steinblöcken horizontal gegliedert bzw. geschmückt ist. Ein breites, hervorkragendes Kranzgesims läßt das Walmdach mit Einschieblingen und vier Dachgauben zurücktreten. Ein breiter Eingang in der vierten Achse ist über eine dreistufige Treppe zu erreichen. Der Baukörper des Herrenhauses bildet zwar einen Teil des geschlossenen Südwesttraktes, ragt jedoch nicht nur um ein Geschoß darüber hinaus, sondern ist auch wesentlich breiter, so daß er nach außen deutlich hervorspringt und dadurch einen Eindruck von Selbständigkeit erreicht. Durch diese Hervorhebung und durch die Fassadengestaltung gibt das Herrenhaus in Richtung Weiden einen imposanten Eindruck in der Art einer Landhausresidenz. Gänzlich getrennt von ihm liegt der eigentliche (wirtschaftliche) Zugang zum Hof, in dessen Südosttrakt eine Toreinfahrt von der Braugasse liegt, die mit einem hohen Korbbogen und einem schmalen Satteldach überspannt ist und durch ein originales, zweiflügeliges Sprossentor geschlossen werden kann.

Auch im Innenhof dominiert das Herrenhaus (durch die Fassadengestaltung und leicht hervorspringend) gegenüber den anderen Wirtschaftsgebäuden, obwohl hier die Fassadengestaltung der der Hauptfassade deutlich nachsteht; es fehlen der Risalit und Giebel und die symmetrische Gliederung. Zwar ist der über hohem Sockel liegende Eingang (vierte Achse der sechsachsigen Fassade) durch eine gegenläufige Freitreppe hervorgehoben, die Freitreppenanlage vermittelt jedoch eher funktionalen als ästhetischen Eindruck (gleichzeitig bildet sie den Eingang zum Keller).

Im Hausinneren, wo ursprünglich der spätklassizistische Stil der Fassade eine Wiederaufnahme fand, blieben nur eine gegenläufige Holztreppe, einige Türrahmen, ein Wandschrank von der reichen Innenausstattung übrig.

Die in fränkischer Art errichtete Hofanlage bildet in ihrer Größe und Geschlossenheit eine städtebauliche Einheit von besonderem Wert. Zusätzlich prägt sie, zusammen mit den anderen Hofgütern (vor allem mit dem Mertenshof) den städtebaulichen Charakter von Lövenich. In Korrespondenz mit vielen, erhaltenen Bauten des 19. Jahrhunderts in den umliegenden Straßen (Braugasse, Nettengasse, Karl-Keulen-Straße u.a.) bezüglich der Bauweise und des FM-Materials und mit der Kirche St. Severin dokumentiert das Objekt bis heute das ursprüngliche Erscheinungsbild dieses Ortsteils. Es ist für Lövenich und für Köln von besonderem, dokumentarisch-ästhetischen Interesse, die ganze Hofanlage unter Denkmalschutz zu stellen, zumal hier im Nordwesten Kölns in den drei weitgehend erhalten gebliebenen, landwirtschaftlichen Ortsbebauungen (Lövenich, Widdersdorf, Esch) ein rares dokumentarisches Ensemble vorliegt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0