Wohn- u. Geschäftshaus
Berrenrather Straße 351 · Sülz
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1658 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Berrenrather Straße 351, 50937 Köln |
| Baujahr | um 1912 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 06.10.1983 |
| Stadtteil | Sülz |
Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Köln-Sülz, da es die Geschichte der Stadtentwicklung dieses Stadtteils außerhalb der Neustadt bzw. der späteren preußischen Umwallung von 1888 dokumentiert. Die Herrlichkeit Sülz war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts eine kleine Ansammlung von Höfen und Ländlichen Wohnbauten, die erst mit der Entwicklung von Ehrenfeld und Lindenthal in das Interesse der Kölner Bürger bei der Suche nach neuem Lebens- und Wohnraum geriet. Sehr schnell wuchsen Sülz und Lindenthal zu einem zusammenhängenden Stadtraum zusammen, der 1887 in die Stadt Köln eingemeindet wurde. Das Gebiet um die Berrenrather Straße ist von den Kriegszerstörungen weitgehend verschont geblieben und damit auch der kunsthistorisch wertvolle Charakter dieses nach der Jahrhundertwende entstandenen Stadtteils.
Das um 1912 erbaute, viergeschossige Wohn- und Geschäftshaus ist mit Putzfassade und Stuckgliederung ein erhaltenswertes Dokument der historisierenden Vorkriegs-Architektur, die hier schon mehr auf die plastische Durchbildung des Baukörpers als auf das Ornament den Akzent setzt. Das Haus ist in vier Achsen gegliedert, wobei ein Erker asymmetrisch die beiden mittleren Achsen umfaßt. Der dominierende Giebel über dem dritten Obergeschoß greift die rechten drei Fensterreihen, während die linke, breiter geöffnete Fensterachse bereits unter dem Dachgesims über dem zweiten Obergeschoß bzw. in der darüber liegenden, hohen Dachgaube endet. Die deutlich senkrechte Gliederung wird durch ornamentalen Stuck in der Putzfassade unterstrichen. Dieser Stuck ist im ersten Obergeschoß - das Erdgeschoß ist reine Ladenzone - als flache, leicht geschwungene Giebelüberdachung ausgeführt, dieses Ornament wiederholt sich am darüber liegenden Fenster und - verschmälert - als oberer Abschluß der rechten Fensterachse im dritten Obergeschoß. Durch die Stuckierung der Brüstungsbereiche in den schmaleren Achsen wird der senkrechte Bezug verstärkt. Im Erker wurden rauten- und wappenförmige Ornamente mit Eierstabmuster als Umgrenzung verwandt, die rechten Fensterbrüstungen sind zeittypisch in Rautenform stuckiert. Das horizontale Element wird zurückhaltend durch kurze Fensterbankgesimse angedeutet. Ferner setzt ein Zahnschnittfries mit oberem Ziegelband dem hochlaufenden Erker einen kräftigen, horizontalen Abschluß. Die Stuckverzierung des Giebels umfaßt die Dreiergruppe der Dachfenster als über die Fenster gestülptes, breitbandiges Rahmenwerk.
Das Hinterhaus besitzt eine Backsteinfassade mit Balkonen.
Im Inneren sind noch der Terrazzoboden mit Ornamenten sowie Deckenstuck in einem floralen Mittelband erhalten geblieben. Eine Terrazzotreppe mit Holzgeländer führt in die Geschosse, wo teilweise originale Wohnungs- und Zimmertüren angetroffen wurden.
Das städtebauliche Umfeld dieser schönen und spannungsvollen Fassade wird durch den weitgehend erhaltenen Straßenraum einer Wohn- und Geschäftsstraße aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg bestimmt. Das Gebäude ist innerhalb einer geschlossenen Häuserzeile aus dieser Zeit ein unverzichtbares Dokument damaliger, bürgerlicher Wohnkultur.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0