Wohn- u. Geschäftshaus

Bergisch Gladbacher Straße 109 · Mülheim

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1735
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Bergisch Gladbacher Straße 109, 51065 Köln
Baujahrum 1905
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.11.1983
Stadtteil Mülheim

Das Haus ist bedeutend für die Geschichte der Menschen in Mülheim, da es den Ausbauprozeß dieser bis 1914 selbständigen Stadt dokumentiert. Aufgrund der günstigen Verkehrslage (Rheinhafen, Straßen- und seit ca. 1850 Eisenbahnknotenpunkt) und der historisch-politischen Gegebenheiten (Tradition der religiösen Freiheit) entwickelte sich Mülheim im 19. Jahrhundert aus einer Gewerbestadt zum industriellen Vorort (Waggonfabrik Zypen & Charlier 1846, Bleiweißfabrik Lindgens & Söhne 1851, Walzwerk Böcking & Cie. 1872, Drahtseilerei Felten & Guilleaume 1874). Als Folge dieser Industrialisierung erlebte Mülheim einen wirtschaftlichen Aufschwung mit Bevölkerungszuwachs, der zur raschen Bebauung des bis dahin freien Geländes in der Nähe der neuen Industrieanlagen führte.

Das viergeschossige Miethaus mit Ladenlokal, Hofdurchfahrt und Hinterhaus wurde um 1905 errichtet. Es zeigt eine dreiachsige, asymmetrisch gewichtete Fassade mit einem breiten Erker in der zweiten Achse. Die Vertikalität der Fassade ist durch lisenenartige Einfassung jeder Achse und durch eine Verdoppelung der Mittelachse (je zwei Zwillingsfenster mit Reliefpaaren pro Geschoß) noch verstärkt. Alle Fenster der beiden anderen Achsen zeigen kleine, hervorgewölbte Balkone mit Balustradendekor; dekorlose Felder zwischen den Achsenrahmen sind rauh verputzt. Das erste Obergeschoß, mit einem Gesimsband von den übrigen Obergeschossen getrennt, bildet eine Art "Sockel" für die Obergeschoßzone. Ein breites, abgestuft profiliertes Kranzgesims mit breitem Rankenfries schließt das Gebäude gegen ein flaches Mansarddach (mit je einer Dachgaube pro Achse) ab. Das Erdgeschoß zeigt links einen schmalen, hohen Rundbogeneingang (mit Originaltüre), ein Ladenlokal in der Mitte und eine breite Korbbogendurchfahrt (mit Wandfliesen, Wand- und Deckenstuck) rechts.

Im Hausinneren findet man Terrazzofußboden, Wandfliesen (mit Jugendstilmuster), Deckenstuck im Hausflur, Terrazzotreppe und breite, gegliederte und verglaste Wohnungstüren im Treppenhaus. Einfache Stuckdecken, Parkettfußböden und teilweise originale Zimmertüren in den Vorderräumen bezeugen den repräsentativen Charakter des Gebäudes.

Die Einfahrt führt in einen langen Hof, der nach drei Seiten von der Backstein-Rückfassade des Vorderhauses bzw. den Hofanbauten geschlossen ist. Der Hinteranbau zeigt in Backstein eine dreiachsige Fassade mit einem steilen Dreieckgiebel in der Mitte. Terrazzotreppe und originale Wohnungstüre im Treppenhaus bezeugen das ursprüngliche Erscheinungsbild dieses Wohn- und Gewerbegebäudes mit Lagerraum.

Das o.g. Haus stellt eine späte und entwickelte Variante des ehemals für Köln charakteristischen Haustyps - des Dreifensterhauses - dar. Städtebaulich bildet das Objekt einen Bestandteil der Hausfront Bergisch Gladbacher Straße 101 - 109, die ein geschlossenes Ensemble gleichartiger (dreiachsig, Mittelerker, Ladenlokal(e) im Erdgeschoß, Mansarddach), wenn auch individuell gestalteter Häuser darstellt, das diesen Abschnitt dieser Hauptverkehrsstraße prägt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0