Wohnhaus
Lochnerstraße 9 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1953 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Lochnerstraße 9, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1899 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 21.12.1983 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1899 als viergeschossiges, dreiachsiges Wohnhaus mit einem Giebelgeschoß, einem Risalit und Balkon sowie einer Vorgarteneinfriedung errichtet.
Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die zweite Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Prof. Karl Henrici und des Stadtbaumeisters H.J. Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Strukturen neue Stadtbereiche entwickelt und durch städtebauliche Bezüge miteinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen Zülpicher Straße und Lindenstraße, die Achse der Roonstraße mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und den sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstraße, Heinsbergstraße, Meister-Gerhard-Straße, Lochnerstraße und Boissereestraße erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten. Dabei greifen die Lochnerstraße und Görresstraße das Grün des Rathenauplatzes mit ihren Vorgärten auf und stellen die Verbindung mit den Vorgärten der Dasselstraße her. In ihrer Aufgabe als Wohnstraße teilen beide Straßen die umgebenden Bauflächen, in bewußtem Gegensatz geplant zu den damals bereits bekannten Nachteilen der Berliner Hinterhofbebauung, in kleine, übersichtliche Baublöcke mit relativ geringen Grundstückstiefen auf. Die kurzen, übersichtlichen, durch die Vorgärten erweiterten Straßenräume und deren Fortführung in die gleichartige Dasselstraße stellen gehobene Wohnverhältnisse her. Dieser Rahmen findet andererseits auf dem Rathenauplatz seinen optischen Abschluß in dem Laubwerk des historischen Baubestands und, im Herbst und Winter, in der durch seine vier- bis fünfgeschossige Randbebauung gefaßte Platzanlage.
Die Gebäude der Lochnerstraße und Görresstraße sind, worauf bereits die Vorgärten hinweisen, auf größtmögliche Wohnlichkeit und Teilnahme der Innenräume am Außenraum eingerichtet, wobei insbesondere Erker und Risalite, deren Erscheinungsformen durch Konsolen, krönende Balkone und Dachgiebel erweitert werden, in den Straßenraum eingreifen. Elemente neugotischer Formensprache gliedern die im Prinzip klassizistische Architektur. Die Gesimse, Brüstungen und Vorlagen sind einer, über sämtliche Geschosse reichenden, ebenen und mit schmalem Fugenschnitt belebten Stuckfläche in auffallender Präzision und Gleichgewicht der Abmessungen aufgesetzt. Das Erdgeschoß ragt durch große Bauhöhe über die Vegetation des Vorgartens hinaus. Seine halbkreisförmigen und elliptischen Fensterbögen verdeutlichen seine Last tragende Funktion. Das erste und zweite Obergeschoß faßt an seiner Basis mit dem Sohlbankgesims des ersten Obergeschosses abschließend ein bandartiger Fries und oberhalb das Band des Brüstungsfeldes, in dem gitterähnliche Felder die Lage der Fenster markieren, ein. Die Bogen über den Konsolen in halber Höhe des dritten Obergeschosses stützen als Element des Daches das Traufgesims und den mansardartigen Trempel des Satteldachs. Der Risalit vor der Mitte des Gebäudes an Erdgeschoß, erstem und zweiten Obergeschoß mit einer Triumpfbogenöffnung im Erdgeschoß und abschließendem Balkon am dritten Obergeschoß stellt den Pfosten seiner gekuppelten Fenster im ersten und zweiten Obergeschoß, ergänzt durch den Fensterpfeiler der Türe bzw. der Fenstertüre des Balkons mit aller Prägnanz in die mittlere Achse als vertikale Symmetrie-Achse in den Vordergrund. Oberhalb des Balkons trägt der Dachgiebel mit Engelkopf, zentralem Fenster und Wetterfahne die Axialität des Risalits vertikal über die Dachfläche hinaus. Die Fensterstürze am ersten Obergeschoß hängen scheinbar am zweiten Obergeschoß mit horizontaler Betonung, wendeln sich am dritten Obergeschoß zu aufwärts gerichteten Stichbögen.
Das Motiv der Haustüre ist ein vergittertes Fenster mit Brüstungsfeld und einer gebrochenen Dreieck-Übergiebelung, welche die Rundform einer Vase umgibt. Die mehrteilige Rahmung des Terrazzobodens zwischen Haustüre und den Putzvorlagen unter dem scheidrechten Bogen löst sich an ihren Ecken in stilisierte Pflanzenornamente auf. Die zweiläufigen Holztreppen mit gewendelten Stufen an den polygonalen Zwischenpodesten, Geländer und Handlauf sind in Holz erstellt. Die Wohnungstüren an den Breitseiten der Stockwerkspodeste bestehen aus zentraler Türe zwischen Türpfosten in Form skulptierter, kantiger Säulen und zwei gleich großen Seitenteilen, im oberen Teil zu Zweidrittel ihrer Höhen verglast, einem stark ausladenden, profilierten Kämpfer und einem Oberlicht in Gesamtbreite, das in Verlängerung der Türpfosten wiederum in Säulenform unterteilt ist. Die Wohnungen enthalten originale Türgewände und Türblätter und Stuckdecken mit Hohlkehle und Deckenfeldern aus Mustern geometrischer Grundform.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0