Wohnhaus

Lochnerstraße 11 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2568
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Lochnerstraße 11, 50674 Köln
Baujahrum 1899
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 23.07.1984
Stadtteil Neustadt/Süd

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklässizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher- und der Lindenstraße die Achse der Roonstraße mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und dem sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstraße, Heinsbergstraße, Meister-GerhardStraße, Lochnerstraße und Boissereestraße erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten. Dabei greifen die Lochner- und Görresstraße das Grün des Rathenauplatzes mit ihren Vorgärten auf und stellen die Verbindung mit den Vorgärten der Dasselstraße her. In ihrer Aufgabe als Wohnstraße teilen beide Straßen die umgebenden Bauflächen im bewußten Gegensatz zu den damals bereits bekannten Nachteilen der Berliner Hinterhofbebauung in kleine übersichtliche Baublöcke mit relativ geringen Grundstückstiefen auf. Die kurzen, übersichtlichen, durch die Vorgärten erweiterten Straßenräume und deren Fortführung in die gleichartige Dasselstraße, stellen gehobene Wohnverhältnisse dar. Dieser Rahmen findet andererseits auf dem Rathenauplatz, seinen optischen Abschluß in dem Laubwerk des historischen Baumbestands und im Herbst und Winter in der durch seine vier- bzw. fünfgeschossige Randbebauung gefaßten Platzanlage. Die Gebäude der Lochner- und Görresstraße sind, worauf bereits die Vorgärten hinweisen, auf größtmögliche Wohnlichkeit und an der Teilnahme der Innenräume am Außenraum der Straße eingerichtet, wobei insbesondere Erker und Risalite, deren Erscheinungsformen durch Konsolen, krönende Balkone und Dachgiebel erweitert werden, in den Straßenraum eingreifen.

Die Fassadenarchitektur der Häuser Lochnerstraße 11 und 9 bilden eine spiegelbildliche aufeinander bezogene Einheit. Die neugotischen Architekturelemente stehen in ausgewogenem Verhältnis zueinander. Die zentralperspektivische Höhenwirkung wird durch die optisch niedriger werdenden Geschoßhöhen unterstrichen. Im Gegensatz hierzu nehmen die horizontalen Fassadenelemente von Stockwerk zu Stockwerk zunehmendes Volumen und ästhetisches Gewicht an. Beide Prinzipien durchdringen sich und betonen einander durch ihren Gegensatz. Sämtliche Architekturelemente stehen vor der Fläche einer glatten, feinfugig geschnittenen Quaderrustika, die alle Geschosse überzieht. Die Auflast der oberen Geschosse verdeutlichen die Halbkreisbogen mit demselben Radius über Hauseingang und Fenster in den Seitenachsen, ein breiter Korbbogen im Fuß des zentralen Risalit, Bogenquaderungen und Schlußsteine und ein Fries in Brüstungshöhe des 1. OG, dessen Band zu beiden Seiten durch das dicht zueinander gerückte Stockwerk (EG) und Fensterbankgesims (1. OG) eingegrenzt wird. Darüber wurde das 1. und 2. OG als Einheit verstanden, die oberhalb wiederum aber mit einem wesentlich breiteren Brüstungsband, unter den Fenstern mit gotischem Maßwerk-Relief geschmückt und eingefaßt vom Stockwerkgesims über dem 2. OG und dem Fensterbankgesims am 3. OG abschließt und den Risalit als Balkonbrüstung bekrönt. Das 4. OG bezieht sich auf das Dach. Die kräftig ausgeprägten Dachgesimse über den Fenstern der Seitenachsen (von dem Dachgiebel unterbrochen) ruhen auf breiten und schmalen Bogen, gestützt von kurzen Pilastern, die ihren Anfang auf Konsolen in Höhe der Fensteroberlichter nehmen. Die letzten Pilaster dieser Reihen, jeweils in Verlängerung der Seiten des Risalits, hinterschneiden die Dachgesimse und münden in Pfeiler, die den hohen, dreieckigen Dachgiebel zu beiden Seiten begleiten. Die Formgebung der Haustür entspricht dem Vorbild eines Fensters mit Oberlicht. Das Brüstungsfeld besteht aus konzentrischen Rechteckrahmungen. Unterhalb des Fensterkranzgesimses schließt Beschlagwerk an. Die gerahmte flachbogig abschließende Scheibe überdacht ein gebrochener Dreieckgiebel mit zentraler Vase. Das weit vorkragende Kämpferprofil unterstützen an seinen Enden mit Beschlagwerk gezierte Pilaster als Fensterpfeiler. Dem Boden des Hausflurs mit einem Spiegel aus grauem Terrazzo, dem von innen nach außen und rotem, schwarzen und weiß-rotem Terrazzo als Randrahmung, schließt eine hohe Bodenleiste aus Stuck an. Die zweiläufige, gerade, rechtswendende Holztreppe, deren Läufe an den Zwischenpodesten angewendet sind, trägt ein Holzgeländer mit Holzhandlauf. Die in allen Geschossen erhaltenen Wohnungsabschlußtüren bestehen aus einem einflügeligen Mittelteil und zwei schmaleren, feststehenden Seitenteilen, die sämtlich in den oberen zwei Dritteln ornamentverglast sind, und einem entsprechend dreigeteilten Oberlicht sowohl im Vorderhaus als auch im Anbau des Hauses aus kraftvoll ausgebildeten Hohlkehlen mit Randleisten und mit Profilleisten geometrisch gefelderten Deckenflächen, Mittelrosetten und Eckzwickel bestehen, als Einzelausstattung aus barock geschwungener Ornamentik.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0