Wohnhaus
Lochnerstraße 8 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1954 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Lochnerstraße 8, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1899 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 21.12.1983 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1899 als viergeschossiges, dreiachsiges Wohnhaus mit einem Souterrain, einem Risalit und Balkon sowie einer Stuckfassade errichtet.
Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die zweite Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Prof. Karl Henrici und des Stadtbaumeisters H.J. Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt.
In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Strukturen neue Stadtbereiche entwickelt und durch städtebauliche Bezüge miteinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen Zülpicher Straße und Lindenstraße, die Achse der Roonstraße mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und den sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstraße, Heinsbergstraße, Meister-Gerhard-Straße, Lochnerstraße und Boissereestraße erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten. Dabei greifen die Lochnerstraße und Görresstraße das Grün des Rathenauplatzes mit ihren Vorgärten auf und stellen die Verbindung mit den Vorgärten der Dasselstraße her. In ihrer Aufgabe als Wohnstraße teilen beide Straßen die umgebenden Bauflächen, in bewußtem Gegensatz geplant zu den damals bereits bekannten Nachteilen der Berliner Hinterhofbebauung, in kleine, übersichtliche Baublöcke mit relativ geringen Grundstückstiefen auf. Die kurzen, übersichtlichen, durch die Vorgärten erweiterten Straßenräume und deren Fortführung in die gleichartige Dasselstraße stellen gehobene Wohnverhältnisse her. Dieser Rahmen findet andererseits auf dem Rathenauplatz seinen optischen Abschluß in dem Laubwerk des historischen Baubestands und, im Herbst und Winter, in der durch seine vier- bis fünfgeschossige Randbebauung gefaßte Platzanlage.
Die Gebäude der Lochnerstraße und Görresstraße sind, worauf bereits die Vorgärten hinweisen, auf größtmögliche Wohnlichkeit und Teilnahme der Innenräume am Außenraum eingerichtet, wobei insbesondere Erker und Risalite, deren Erscheinungsformen durch Konsolen, krönende Balkone und Dachgiebel erweitert werden, in den Straßenraum eingreifen. In der Tradition des rheinischen Dreifensterhauses und des Kölner Klassizismus wurde mit Ausdrucksmitteln der Renaissance eine individuelle, unverwechselbare Architektur in Selbstverwirklichung des Bauherrn geschaffen. Das erste Obergeschoß und der Souterrain wurden mit einer horizontal gebänderten Rustika, die von breiten Bändern am Souterrain in schmale Bänder am ersten Obergeschoß übergeht, und somit den Kreis- und Ellipsenbogen der Fenster die Last tragende Funktion der Basis verdeutlicht, die oberhalb mit dem Stockwerkgesims über dem ersten Obergeschoß den Vorgartenbereich überragend abschließt. Die jeweiligen Kompositionen der bis zur Traufe folgenden drei Geschosse sind sich mit ihren Brüstungsbändern zwischen Stockwerk- und Sohlbankgesimsen und den in diese Felder eingreifenden Überdachungen der unterhalb liegenden Geschoßfenster dem Prinzip nach gleich. Die erste Achse von links, die Achse des Hauseingangs, betont ihre Vertikalität mit Hinweis auf die Erschließung durch das Treppenhaus. Die übrigen beiden Achsen verzichten durch dreiteilige, breiter als hohe Fenster auf einen Teil ihrer vertikalen Wirkung zugunsten einer Bebauung der einzelnen Geschoßebenen. Sinngemäß wurde der bis zum dritten Obergeschoß, am vierten Obergeschoß mit einem Balkon endende Risalit möglichst breit in erster Linie Wohnraum gewinnend gehalten und ausmittig zur Eingangs-Achse hin verschoben. Die markante Formensprache der unteren Geschosse weicht am dritten und vierten Obergeschoß den Rundformen der Fensterüberdachungen und den Fensterbögen, in der mittleren Achse gleichsam zu einem Bogenfeld kannulieren.
Das Deckenfeld des Hausflurs liegt einer Reihung von Konsolen auf, die der umlaufenden Hohlkehle eingestellt sind. Der Dekor des Fliesenbodens zeigt Blattornamente in den quadratischen Zwischenräumen eines Diagonalgitters, gerahmt mit einem geometrisch stilisierten Zopf zwischen glatten Bändern. Der an seiner Unterseite kassettierte, scheidrechte Stützbogen ruht auf Mauervorlagen und zu jeder Seite auf zwei volutenförmigen und mit Blattornament geschmückten Konsolen. Die Treppe des Treppenhauses besteht in allen Elementen aus Holz. Sie verbindet die Stockwerkpodeste auf etwa quadratischem Grundriß mit trapezförmigen Zwischenpodesten und angewendelten Läufen um ein weites Treppenauge. Die beiden ersten, außen halbkreisförmig abgerundeten Stufen tragen einen stilisierten Löwen, der wehrhaft eine Kartusche und darüber ein Gesims aus Diamantquadern dem Betrachter entgegenhält. Die Stuckdecken der Wohnungen, deren Felder in flächengeometrischer Grundform aufgeteilt sind, tragen schmale, mit starken Randwülsten gesäumte Hohlkehlen.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0