Wohnhaus
Rathenauplatz 12 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2014 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Rathenauplatz 12, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 13.01.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1900 als viergeschossiges Wohn- Eckhaus zur Lochnerstraße, mit vier Achsen zum Rathenauplatz, fünf Achsen zur Lochnerstraße, einem Erker zum Rathenauplatz, einem Risalit zur Lochnerstraße, einer Stuckfassade und einem Vorgarten an der Lochnerstraße erbaut.
Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910, ringförmig um die Altstadt, die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Josef Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher Straße und der Lindenstraße, die Achse der Roonstraße mit dem Wohnviertel um den sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz. Der mit 100 x 500 m bemessene, rechteckförmige Platz (ehemalige Königsplatz) wurde als zentrale, städtische Parkanlage, der auch die Aufgabe zukam, die Aufstellung der Wagen des Karnevalszugs zu übernehmen, in die Planung aufgenommen. Die Roonstraße, deren Verlauf im Nordwesten durch den Turm der altkatholischen Kirche und im Südosten durch den Turm der Herz-Jesu-Kirche gefaßt ist, findet durch leichten Anstieg des Straßenniveaus in Richtung Barbarossaplatz und den, gegenüber der altkatholischen Kirche, höheren Turm der HerzJesu-Kirche die Nähe der Ringe an.
Das Rechteck des Platzes besteht aus einer Grünanlage, die an ihren Längsseiten von zweireihigen Baumalleen, an den Schmalseiten von waldartigem Bestand alter Bäume gerahmt ist. Die umgebenden Straßenräume werden durch die viereinhalb-geschossige Randbebauung und den Baumbestand der Grünfläche gebildet. Der Rathenauplatz zeigt sich bei Belaubung seines historischen Baumbestands mit einem freiräumigen Platzinneren, das vom Baumbestand eingefaßt und von den Straßenräumen zwischen Baumbestand und Platzrand-Bebauung umgeben ist. Im Winter dagegen ist das Rechteck des Platzes übersichtlich und bildet zur Roonstraße hin einen einseitig offenen Raum gegenüber der überragenden Baumasse der Synagoge, einem symmetrischen Zentralbau mit zwei Seitenflügeln.
In der Roonstraße wird an den Enden des Platzes auf der gegenüber liegenden Straßenseite der Baumbestand durch eine Baumreihe (heute lückenhaft) aufgegriffen und bis zur Baumgruppe vor dem Turm der altkatholischen Kirche und andererseits bis zu dem Baumbestand um die Herz-Jesu-Kirche weitergeführt. Die zweireihige Baumallee auf dem Mittelstreifen der an der Nordostseite einmündenden Beethovenstraße stellt die Verbindung her zu einem ebenfalls von Bäumen bestandenen Platz zwischen Beethovenstraße und Mozartstraße, an deren Einmündung in den Hohenstaufenring. In den an der Südwestseite vom Rathenauplatz ausgehenden Straßen Lochnerstraße und Görresstraße wird das Grün des Platzes in Vorgärten weitergeführt, die sich mit den Vorgärten an der Dasselstraße zusammenhängend verbinden. Damit wird das Gestaltungsprinzip deutlich mit den repräsentativen, städtebaulichen Elementen der Baumreihen und Alleen zu der Hauptstraße der Neustadt, den Ringen, hinzuführen, während das intime Grün der Vorgärten dazu verwendet wird, eine intime, wohnliche Atmosphäre zu schaffen.
Beide Elemente treffen und vereinen sich im Rathenauplatz. Die von den beiden südwestlichen Platzecken ausgehenden Meister-Gerhard-Straße und Boissereestraße finden ihren optischen Abschluß in den Brückenbauwerken der Bahnüberführungen der Lindenstraße und Zülpicher Straße. Die Heinsbergstraße im Südosten, die durch Schwenken ihrer Straßenachse jeweils in ihrer Kreuzung mit der Zülpicher Straße und in Höhe der Zülpicher Straße ihren optischen Abschluß findet, hat, wie die Lochnerstraße und Görresstraße, als Wohnstraße die Aufgabe, die umgebende Bebauung in kleinere, übersichtliche Areale aufzuteilen, deren relativ geringe Grundstückstiefen eine Hinterhofbebauung nach Berliner Art vermeiden und trotz hoher Nutzung der Grundstücksfläche eine im allgemeinen offene rückwärtige Bebauung aufweisen.
Die Architektur wird von barocken Stilelementen getragen, die in der Ansicht am Rathenauplatz sich auf die Mittelachse des Dachgiebels konzentrieren. Alle übrigen Achsen, insbesondere die erste und dritte von links. Alle übrigen Achsen stützen ihr zentrales Aufwärtsstreben, das ein schmaler Erker am ersten und zweiten Obergeschoß, dessen über zwei Geschosse reichende Kanten-Pilaster eine halb-ellyptische Überdachung tragen, die Überdachung des Fensters darüber, in Form einer mittig unterstützten Girlande, verdeutlichen, bevor sie in den zentralen Schmuck über einem schmalen, hohen Giebelfenster unter dem barock geschwungenen, abschließenden Gesims des Giebels, dessen Konsolen von schmalen Pilastern getragen werden, die bis auf das Straßenniveau hinab reichen, einmündet. Das somit in die Gesamtfassade eingebundene Erdgeschoß grenzt sich in traditioneller Weise und seine lasttragende Funktion verdeutlichend mit einem Stockwerkgesims als einzigem, horizontalen, durchlaufenden Gesims gegen die übrigen Geschosse ab.
Die Ansicht der Lochnerstraße greift das Motiv der Vertikalen mit einem zentralen Risalit mit hohem Giebel auf.
Zwischen dem Hauseingang mit Oberlicht, dessen Außenrahmung eine auf Pilastern ruhende, geschwungene Übergiebelung wiederholt, und dem sich auf Mauervorlagen stützenden Halbkreis-Stützbogen teilt eine Treppe den Hausflur in zwei gleichgroße Podeste. Eine Rustika über dem bis zur Höhe des oberen Podests reichenden, glatten Sockel schließt mit einem Gesims ab. Die L-läufige Terrazzotreppe des Treppenhauses trägt Holzgeländer und Holzhandlauf. Die auffallend breiten und hohen, originalen Treppenhausfenster bestehen aus großem Mittel- und schmalem Mittelstreifen und einem Oberlicht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0