Wohnhaus

Meister-Gerhard-Straße 5 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1955
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Meister-Gerhard-Straße 5, 50674 Köln
Baujahrum 1890 bis 1895
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 22.12.1983
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude wurde um 1890 bis 1895 als Wohnhaus mit fünf Vollgeschossen, einem Souterrain, mit vier Achsen und einer Stuckfassde errichtet.

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters H.J. Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Strukturen neue Stadtbereiche entwickelt und durch städtebauliche Bezüge miteinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen Zülpicher Straße und Lindenstraße, die Achse der Roonstraße mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und dem sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstraße, Heinsbergstraße, Meister-Gerhard-Straße, Lochnerstraße und Boissereestraße erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten.

Die Meister-Gerhard-Straße und die Boissereestraße verbinden die Ecken des rechteckigen, 1000 mal 500 m messenden Platzes an der Seite gegenüber der Roonstraße als diagonale Verkehrsverbindungen mit den Sternplätzen vor den Bahnüberführungen der Zülpicher Straße und Lindenstraße. Die Stahlbauwerke der Brückenanlagen sind bewußt als optischer Abschluß beider Straßenräume genutzt. Beide Straßenräume finden an der Seite des Rathenauplatzes ihren charakteristischen Ausblick im Laubwerk des historischen Baumbestandes oder, im Herbst und Winter, in der durch seine vier- bis fünfgeschossige Randbebauung gefaßten Platzanlage.

Aufgrund der städtebaulichen Leitidee, die Meister-GerhardStraße und die Boissereestraße schwergewichtmäßig als Verkehrsverbindungen einzurichten und wohl auch aufgrund strategischer Überlegungen wegen ihrer Ausrichtung auf die Bahnüberführungen, fanden Erker und Risalite keine Anwendung. Ersatzweise wurde immer wieder das Motiv der Fenstertüren mit einer Brüstung aus Stein oder Stahlgitter verwendet.

Dem Klassizismus verbunden, wurde mit Schmuckformen der Renaissance und einiger barocker Elemente eine unverwechselbare Architektur erreicht. Die horizontale Bänderung der Rustika der Souterrains setzt ein schmales Stockwerkgesims von der Rustika des ersten Obergeschosses mit seinem geringeren Fensterabstand und zusätzlichen, vertikalen Fugen ab. Das Stockwerkgesims über dem ersten Obergeschoß und das Sohlbankgesims am dritten Obergeschoß umfassen das zweite Obergeschoß, das mit einem Sohlbankgesims, Fensterumrahmungen, die das Sohlbankgesims unterscheiden und sich unterhalb vollenden, und Fensterüberdachungen besondere Aufmerksamkeit fordert. Das dritte und vierte Obergeschoß treten erst oberhalb ihres Sohlbankgesimses in Erscheinung und lassen somit, optisch verkürzt, das Haus scheinbar höher erscheinen. Der kraftvolle Abschluß des Dachgesimses wird von kurzen Säulen gestützt, die auf Konsolen in Sturzhöhe an den Fensterpfosten des vierten Obergeschosses ruhen. Die dicht zueinander gerückten beiden mittleren Fensterachsen, die einzigen dreieckförmigen Fensterüberdachungen am zweiten und dritten Obergeschoß in deren Höhe dicht daneben und zu beiden Seiten mit angebrachten Zierankern geben der mittleren Vertikalen stärkere Aussage und bestimmen die Lage der Symmetrieachse.

Zwischen Hauseingang und halbkreisförmigem Stützbogen über mit Gesimsen abschließenden Putzvorlage führt eine Terrazzotreppe mit Wand-Handläufen aus Holz zum ersten Obergeschoß. Den Fliesenbelag des unteren Podestes im Schwenkbereich der Haustüre und des oberen Podestes, das in den Treppenhausboden übergeht, schmückt unterschiedlicher Dekor aus stilisierten Blüten und Blättern, Randrahmung aus Bändern mit pflanzlichen Motiven. Die derbe Rustika des unteren Wandbereichs schließt mit einem Stockwerkgesims in Höhe der obersten Stufe ab. Die Wandflächen oberhalb und unterhalb der Gesimse in Höhe des Stützbogens sind mit erhabenen und gerahmten Stuckfeldern besetzt. Das mit einer Eierstableiste gefaßte Deckenfeld trägt einen Rahmen, der drei Felder und eine zentrale Rosette umschließt. Die zweiläufige Treppe mit Wendelungen an den quadratischen Zwischenpodesten, gedrechseltem Antrittspfosten im ersten Obergeschoß, Geländer und Handlauf besteht aus Holz. Die einflügeligen Wohnungstüren mit schmalen Seitenteilen überdachen an den Türpfosten gekröpfte, gesimsartige Kämpfer. Der Wohnungsausbau ist bis heute lückenlos erhalten geblieben. Über Hohlkehlen mit Randwülsten sind die in jedem Zimmer individuell gestalteten Deckenfelder in Kombination mit geometrischen Grundfiguren aufgeteilt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0