Wohnhaus
Meister-Gerhard-Straße 7 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1964 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Meister-Gerhard-Straße 7, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1890 bis 1895 |
| Eigentum | kirchliches Eigentum |
| Eingetragen seit | 04.01.1983 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1890 bis 1895 als viergeschossiges Wohnhaus mit vier Achsen und einer Stuckfassade errichtet.
Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters H.J. Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Strukturen neue Stadtbereiche entwickelt und durch städtebauliche Bezüge miteinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen Zülpicher Straße und Lindenstraße, die Achse der Roonstraße mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und dem sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstraße, Heinsbergstraße, Meister-Gerhard-Straße, Lochnerstraße und Boissereestraße erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten.
Die Meister-Gerhard-Straße und die Boissereestraße verbinden die Ecken des rechteckigen, 1000 mal 500 m messenden Platzes an der Seite gegenüber der Roonstraße als diagonale Verkehrsverbindungen mit den Sternplätzen vor den Bahnüberführungen der Zülpicher Straße und Lindenstraße. Die Stahlbauwerke der Brückenanlagen sind bewußt als optischer Abschluß beider Straßenräume genutzt. Beide Straßenräume finden an der Seite des Rathenauplatzes ihren charakteristischen Ausblick im Laubwerk des historischen Baumbestandes oder, im Herbst und Winter, in der durch seine vier- bis fünfgeschossige Randbebauung gefaßten Platzanlage.
Aufgrund der städtebaulichen Leitidee, die Meister-GerhardStraße und die Boissereestraße schwergewichtmäßig als Verkehrsverbindungen einzurichten und wohl auch aufgrund strategischer Überlegungen wegen ihrer Ausrichtung auf die Bahnüberführungen, fanden Erker und Risalite keine Anwendung. Ersatzweise wurde immer wieder das Motiv der Fenstertüren mit einer Brüstung aus Stein oder Stahlgitter verwendet.
Die Architektur bilden Stilelemente der Renaissance in Verbindung mit den Grundstrukturen des Kölner Klassizismus. In ungewöhnlicher Abwandlung kennzeichnet die derbe, horizontale Bänderung der Rustika allein den Souterrain als Last tragende Basis. Darüber heben eine feingliederige Rustika, Stockwerk- und Fensterbankgesimse das erste und zweite Obergeschoß als Einheit heraus, die überhöht mit dem Fensterbankgesims am dritten Obergeschoß abschließt. Dadurch beginnt das dritte und analog auch das vierte Obergeschoß die Höhenwirkung scheinbar erst an seinem Fensterbankgesims (mit den vom Geschoß zu Geschoß abnehmenden Fensterhöhen gemeinsam betonend). Das vierte Obergeschoß leitet, architektonisch als Teil der Traufzone konzipiert, das Dachgesims als wesentlichen und oberhalb abschließenden Teil des Gebäudes ein. Das Bestreben nach Axialität unterstreichen zur Markierung der Symmetrieachse u.a. die dicht zusammengerückten beiden mittleren Fensterachsen und die auffälligen Dreieckgiebel über den beiden mittleren Fenstern am zweiten Obergeschoß.
Im Hausflur führt zwischen einem unteren und oberen Podest eine Holztreppe auf das Niveau des ersten Obergeschosses. Die Wandflächen sind im Stufenbereich unter den Stockwerkgesimsen, die mit der obersten Stufe bündig abschließen, derb rustiziert. Zwischen einem zweiten Gesims als Abschluß eines Wandsockels und der Decke tragen die Wandflächen Rahmungen von Blindfenstern mit Voluten als Schlußsteine. Den Übergang zur Decke, den eine Eierstableiste herstellt, leitet, noch auf der Wand, ein Gesims mit unterer Zahnleiste ein. Den Fliesenboden von Hausflur und Treppenhaus schmückt reicher Dekor aus Blüten- und Blattmotiven und rahmendem Mäander. Holzgeländer und -handlauf der zweiläufigen Holztreppe beginnen auf allen Etagen mit gedrechselten Antrittspfosten. Der Etagenausbau besteht aus ein- und zweiflügeligen Wohnungstüren, deren Gewände und aus Stuckdecken, deren Spiegle in symmetrischen Kombinationen geometrischer Grundformen aufgeteilt sind.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0