Wohnhaus

Meister-Gerhard-Straße 11 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1966
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Meister-Gerhard-Straße 11, 50674 Köln
Baujahrum 1890 bis 1895
Eigentumkirchliches Eigentum
Eingetragen seit 04.01.1983
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude wurde um 1890 bis 1895 als Wohnhaus mit vier Geschossen, einer Toreinfahrt und einer mit Stuck gegliederten Backsteinfassade errichtet.

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters H.J. Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Strukturen neue Stadtbereiche entwickelt und durch städtebauliche Bezüge miteinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen Zülpicher Straße und Lindenstraße, die Achse der Roonstraße mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und dem sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstraße, Heinsbergstraße, Meister-Gerhard-Straße, Lochnerstraße und Boissereestraße erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten.

Die Meister-Gerhard-Straße und die Boissereestraße verbinden die Ecken des rechteckigen, 1000 mal 500 m messenden Platzes an der Seite gegenüber der Roonstraße als diagonale Verkehrsverbindungen mit den Sternplätzen vor den Bahnüberführungen der Zülpicher Straße und Lindenstraße. Die Stahlbauwerke der Brückenanlagen sind bewußt als optischer Abschluß beider Straßenräume genutzt. Beide Straßenräume finden an der Seite des Rathenauplatzes ihren charakteristischen Ausblick im Laubwerk des historischen Baumbestandes oder, im Herbst und Winter, in der durch seine vier- bis fünfgeschossige Randbebauung gefaßten Platzanlage.

Aufgrund der städtebaulichen Leitidee, die Meister-GerhardStraße und die Boissereestraße schwergewichtmäßig als Verkehrsverbindungen einzurichten und wohl auch aufgrund strategischer Überlegungen wegen ihrer Ausrichtung auf die Bahnüberführungen, fanden Erker und Risalite keine Anwendung. Ersatzweise wurde immer wieder das Motiv der Fenstertüren mit einer Brüstung aus Stein oder Stahlgitter verwendet.

Die Tradition des Klassizismus verbindet sich mit Gestaltungselementen der Renaissance. Über dem Erdgeschoß, das seine gequaderte Rustika, den gequaderten Halbkreisbogen der Fenster und der Wageneinfahrt als Last tragender Bauteil charakterisiert, werden das erste bis dritte Obergeschoß unterhalb durch das Stockwerkgesims und die Brüstungsbebauung am ersten Obergeschoß und oberhalb durch den Überstand des Dachgesimses als einheitlicher Bauteil zusammengefaßt. Die Steigerung der Höhenwirkung des Gebäudes wird erreicht durch nach oben hin von Geschoß zu Geschoß abnehmende Ausprägung der Schmuckformen. Zur Bebauung der Symmetrieachse sind die beiden mittleren Achsen auf einer schmalen, risalit-artigen Mauervorlage dicht nebeneinander gerückt, deren Lage im Gegensatz zu der scheinbaren Überhöhung des Gebäudes durch Verkröpfen des Dachgesimses und eine Konsolenreihe darunter gerahmt wird. Ebenfalls im Gegensatz zu der scheinbaren Überhöhung sind die seitlichen Achsen von Pilastern gerahmt, die auf Konsolen in Sturzhöhe des ersten Obergeschosses beginnen und unter dem Dachgesims eine die Fensterachsen rahmende Mauervorlage stützen. Die dreieckförmigen Überdachungen der Fenster am ersten Obergeschoß in den Seitenachsen wirken zudem als Äquivalent zur Hervorhebung des Mittelfeldes. Die das Ziegelmauerwerk belebenden Putzstreifen binden in Höhe der Oberlichtkämpfer des Fensterholzes die Gewände der Fenster in das Mauerwerk ein.

Die Häuser Meister-Gerhard-Straße 9, 11 und 13 sind über die Wagendurchfahrt mit Zugang zum Treppenhaus des Hauses Nr. 13 und von dort mit einer zweiläufigen Holztreppe mit -geländer und -handlauf und einem trapezförmigen Zwischenpodest erschlossen.

Der Fliesenbelag im Erdgeschoß wird im anschließenden Korridor weitergeführt. Die Flügel des vorderen Tores der Wagendurchfahrt tragen drei Kassetten mit mittlerem Blattmotiv. Der Kassettenteil des linken Flügels läßt sich separat als Türe öffnen. Der Kämpfer trägt ein halbkreisförmiges Oberlicht mit vertikaler Sprossenteilung. Das rechteckförmige Oberlicht des rückwärtigen Tores besteht aus farbigen, in Blei gefaßten Ornamentgläsern. An den Wänden der Durchfahrt schließt die Quader-Rustika mit einem Sockelgesims ab. Die übrige Wandfläche füllt eine leichter wirkende Rustika mit schmalerem Fugenschnitt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0