Wohn- u. Geschäftshaus
Zülpicher Straße 37 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1974 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Zülpicher Straße 37, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1892 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 05.01.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1892 als viergeschossiges, vierachsiges Wohn- und Geschäftshaus mit einer Backsteinfassade und Stuckgliederungen errichtet.
Das o. g. Gebäude ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters H.J. Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.
Die Traufhöhe der viergeschossigen, historischen Bebauung, die auch beim Aufbau nach der Kriegszerstörung als bindendes Höchstmaß anerkannt wurde, gibt dem Straßenraum einen offenen, gut belichteten, etwa quadratischen Querschnitt. Das Straßenniveau steigt zu Stadtmitte hin in den beiden ersten Dritteln langsam, im letzten Drittel, vor der Herz-Jesu-Kirche und dem Hohenstaufenring, der Haupterschließung und ehemaligen Prachtstraße der Neustadt, stärker an. Die Stahlkonstruktion der Eisenbahnüberführung mit seitlichen Mauerpfeilern und anschließenden Böschungsmauern gibt dem Straßenraum im Südwesten, am Außenrand der Neustadt einerseits, die historische Baumbepflanzung an der Längsseite der Herz-Jesu-Kirche, das kurze Querschiff, die Strebepfeiler an Längs- und Querschiff, der polygonale Turm mit hohem Kegeldach im Winkel von Längs- und Querschiff der Herz-Jesu-Kirche und der Erker am ersten und zweiten Obergeschoß an dem gegenüber liegenden Haus Nr. 16 im Nordosten an der durch den Kirchenbau eingeengten Straßenführung andererseits, seinen optischen Abschluß. Die Sternplätze des Zülpicher Platzes, als seitliche Erweiterung der Zülpicher Straße, um den Turm der Herz-Jesu-Kirche mit der rechtwinkeligen Kreuzung der Roonstraße und der diagonalen Kreuzung der Engelbertstraße und Hochstadenstraße mit zurückliegender Einmündung der Engelbertstraße und der seitlich zurückliegenden Einmündungen der Meister-Gerhard-Straße, Kyffhäuserstraße und Moselstraße vor der Bahnüberführung unterbrechen die Kontinuität des Straßenraums der Zülpicher Straße unmittelbar durch die Weite ihrer Platzarchitekturen.
Das breit gelagerte Gebäude unterscheidet seine Horizontalität mit der Dominanz des zweiten Obergeschosses, dessen ungewöhnlich weit vorkragende Fensterbankgesimse und Überdachungen mit dem ebenfalls weit vorkragenden Traufgesims korrespondieren. Dem setzt sich die vertikale, symmetrische Ordnung entgegen, die ihre Achse insbesondere mit dem zentralen Hauseingang und dem mittleren Fensterpfeiler verdeutlicht, der sich durch Auseinanderrücken der Fensterachsen und in den oberen Geschossen schmaler werdenden Fenstern in Richtung des Dachs von Geschoß zu Geschoß verbreitert. Eine weitere, symmetrische Betonung bilden die beiden mittleren Fensterachsen, welche die hohen Rechteckformate der gekupptelten Fenster mit gemeinsamen, gedrückten Dreiecküberdachungen zusammenschließen . Die Vertikalität der Fensterachsen verdeutlichen die von Geschoß zu Geschoß zur Traufe hin zunehmende Reduktion der Fensterbreiten und der Wechsel vom flachen Entlastungsbogen am ersten Obergeschoß zu den kantigen Formen der auskragenden Überdachungen am zweiten Obergeschoß und dem flächig wirkenden Mäander als Einfassung der scheidrechten Stürze am dritten Obergeschoß. Zwei Pilaster mit Postamenten und Kapitellen, die den Rundbogen mit ausladendem Schlußstein unterstützen, bilden die Gewände des Hauseingangs, der mit einem Balken verdacht ist, auf dem als barocker Einzelschmuck eine mittig plazierte Kartusche von zwei Putten gerahmt wird. Die Gesamtarchitektur einer bürgerlichen Selbstdarstellung geht vom Gestaltungsrepertoire der Renaissance aus, das abgewandelt und im Sinn der Zeit angewendet wurde.
Der Fußboden des Hausflurs und des Treppenhauses besteht aus einheitlichem, farbigen Terrazzo ohne Rahmung. Die gerade, zweiläufige Treppe mit gegenläufigem Richtungswechsel besteht aus Holz. Die letzten Stufen vor den Zwischenpodesten sind gewendelt. Geländer und Handlauf beginnen im Erdgeschoß mit einem hohen, gedrechselten Antrittspfosten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0