Wohnhaus
Görresstraße 3 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_1980 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Görresstraße 3, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1900 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 09.01.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Gebäude wurde um 1900 als fünfgeschossiges, dreiachsiges Wohnhaus mit Risalit, Balkon und einer Stuckfassade errichtet.
Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Hinrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Josef Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.
So entstand im Westen vor der Altstadt zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher Straße und der Lindenstraße die Achse der Roonstraße mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und dem sie umgebenden Wohnviertel. Die Beethovenstraße, Heinsbergstraße, Meister-Gerhard-Straße, Lochnerstraße und Boissereestraße erschließen vom Rathenauplatz ausgehend das umgebende Stadtviertel nach allen Seiten. Dabei greifen die Lochnerstraße und Görresstraße das Grün des Rathenauplatzes mit ihren Vorgärten auf und stellen die Verbindung mit den Vorgärten der Dasselstraße her. In ihrer Aufgabe als Wohnstraße teilen beide Straßen die umgebenden Bauflächen, in bewußtem Gegensatz zu den damals bereits bekannten Nachteilen der Berliner Hinterhofbebauung geplant, in kleine, übersichtliche Baublöcke mit relativ geringen Grundstückstiefen auf. Die kurzen, übersichtlichen, durch die Vorgärten erweiterten Straßenräume und deren Fortführung in die gleichartige Dasselstraße stellen gehobene Wohnverhältnisse dar. Dieser Rahmen findet andererseits auf dem Rathenauplatz seinen optischen Abschluß in dem Laubwerk des historischen Baumbestandes und im Herbst und Winter in der durch seine vier- bis fünfgeschossigen Randbebauung gefaßten Platzanlage.
Die Gebäude der Lochnerstraße und Görresstraße sind, worauf bereits die Vorgärten hinweisen, auf größtmögliche Wohnlichkeit und an der Teilnahme der Innenräume am Außenraum der Straße eingerichtet, wobei insbesondere Erker und Risalite, deren Erscheinungsformen durch Konsolen, bekrönende Balkone und Dachgiebel erweitert werden, in den Straßenraum eingreifen.
Der schmale, scharfkantige Risalit in der linken Seitenachse mit abschließendem Balkon am fünften Obergeschoß bildet den übergang zu der ab dem linken Nachbarn vorgezogenen Bauflucht. Die flächige Quaderrustika mit radialem Fugenverlauf über den Flachbogen der Fenster, an den beiden rechten Fenstern des ersten Obergeschosses je eine Dämonenmaske als Schlußstein umschließend, steht als tragender Sockel im Gegensatz zu der flächig verputzten Wand der oberen Geschosse mit flächigen Fensterumrahmungen, barocken Schmuckformen über den Fenstern des zweiten Obergeschosses und einem an der Grenze zum rechten Nachbarn am zweiten und dritten Obergeschoß senkrecht verlaufenden Putzband, das sich am vierten Obergeschoß als Fensterbankgesims mit anschließender Brüstungsabdeckung am Risalit horizontal fortsetzt. Über dem die Fassade überdachenden Traufgesims nehmen drei Dachgauben mit auskragender Überdachung die Lage der Fensterachsen auf.
Im Hausflur schließt die ebene, Waagerechte Deckenfläche mit Hohlkehlen an einem breiten Wandfries an, der aus einer Reihe in unterschiedlichen Positionen schwimmenden Schwänen besteht. Die zweifelderige Wandfläche unterhalb reicht bis zu Scheuerleiste hinab. Das graue Mittelfeld des Terrazzobodens umgibt ein weißer Mosaikstreifen mit einem breiteren, schwarzen Terrazzostreifen, die sich an den Ecken nach innen einrollen zu beiden Seiten eines stilisierten Blattmotivs, das mit seiner Achse die Winkelhalbierende bildet. Die Rahmung erweitert sich in einer grauen und zuletzt in einer breiten, roten Randrahmung. Die Unterseite des scheitrechten Stützbogens geht, wie im Hausflur, in Hohlkehlen über, die sich in schmalen Wandvorlagen fortsetzen. Der Fußboden des Treppenhauses trägt ohne Eckschmuck die Podeste mit Eckschmuck in demselben Dekor wie der des Hausflurs. Die gerade, zwei- und gegenläufige Terrazzotreppe begleitet ein Holzgeländer mit Holm. Die zweiflügeligen Wohnungstüren schließen mit schmalen, feststehenden Seitenteilen am Mauerwerk an. Die pilasterförmigen Türpfosten und der Kämpfer mit hohem, steigend auskragenden Profil unter dem hohen Oberlicht bilden den aussteifenden Rahmen. Wie Wohnungstüre des zweiten Obergeschosses vergrößert die Podestfläche durch nach innen schräg gestellte Seitenteile. Die Wohnungen enthalten ein- und zweiflügelige, originale Türen, Türlaibungen und -rahmen. Die Stuckdecken bestehen aus Hohlkehlen und ungewöhnlich geformten, zentralen Rosetten wie übereinanderliegende, gegeneinander verdrehte Sternformen oder als kreisrunde, flache Scheibe mit einem Rand aus Blättern und Blüten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0