Wohn- u. Geschäftshaus

Goebenstraße 16 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_7265
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Goebenstraße 16, 50672 Köln
Baujahrum 1899
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 02.11.1994
Stadtteil Neustadt/Nord

Erbaut um 1899, Eckhaus zur Göben- und Spichernstraße; 4 Geschosse, Souterrain, 4. OG und ausgebautes Dachgeschoß verändert, 4:4 Achsen, abgeschrägte Ecke, ab dem 1. OG (hier mit von großen Werksteinkonsolen getragenen Balkonen) als eingestellter turmartiger Erker auf polygonalem Grundriß ausgebildet. Putzfassade mit Werksteingliederungen in Anklängen an die Romanik; Fassade zur Göbenstraße: in der rechten äußeren Achse: portalartiger Hauseingang mit vierstufiger Werksteintreppe, in der 3. Achse von rechts: Altan auf rechteckigem Grundriß über vier Geschosse; zum Denkmal gehört der eingefriedete Vorgarten zur Göbenstraße; Fassade zur Spichernstraße: über 1. und 2. OG der 1. Achse von links: Wandvorlage, in der 2. Achse von links: Souterraineingang mit originaler Holztür, in der 3. Achse von links: Erker über 1. und 2. OG auf rechteckigem Grundriß, von großen Werksteinkonsolen und Werksteinfigur getragen, über portalartigem Hauseingang mit originaler Holztür.

Fenster (teilweise verändert) und Haustür zur Göbenstraße erneuert, schmiedeeiserne Fenstergitter des Souterrains original. Rückseite backsteinsichtig, nachträglich angebauter Aufzug, Fenster überwiegend erneuert.

Im Inneren original: Hauseingang Göbenstr. 16: Terrazzoboden, Marmortreppe (mit Treppenwangen), mehrfach profilierte Stuckleiste zwischen Eingang und Marmortreppe als Sockelzonenmarkierung, ovales Treppenhaus, Terrazzotreppe (gestrichen) mit dunkelrotem Linoleumbelag und messingfarbenen Antrittsleisten mit geometrischem Dekor, schmiedeeisernes Treppengeländer mit Motiven aus Flora und Fauna und schmiedeeisernem Handlauf, Treppenuntersicht: dreieckförmig abgeschrägte Stufen, Hauseingang Spichernstr. 34b (mit originalem Fußabtritt): Terrazzoboden.

Die von Hermann Joseph Stübben geplante Kölner Neustadt gilt als bedeutendste Stadterweiterung des Deutschen Reiches im ausgehenden 19. Jahrhundert. Als Vorbilder für die halbkreisförmige Anlage um den Altstadtkern (Deutscher Ring bis Ubierring) dienten Stübben die Städte Wien (Ringstraße als repräsentativer Boulevard) und Paris (sternförmig auf einen Platz zulaufende Straßen). Die Gesamtkonzeption vereinigt verschiedenartige Wohnviertel, deren Bebauung entsprechend ihrer Bewohnerschaft und Infrastruktureinrichtungen (z. B. das Oberlandesgericht im "Gerichtsviertel") aufwendiger oder schlichter gestaltet ist. Im Zuge der ab 1881 begonnenen Stadterweiterung wurde u. a. auch die Göbenstraße zwischen dem Kaiser-Wilhelm-Ring und dem Stadtgarten angelegt. Die gründerzeitliche Bebauung dieses ehemals gutbürgerlichen Wohnviertels war bzw. ist besonders repräsentativ. Dementsprechend fügt sich auch das im Zweiten Weltkrieg im Dachbereich stark zerstörte Wohn- und Geschäftshaus der Aktiengesellschaft für Gas- und Elektrizität (Köln-Ehrenfeld, Lichtstr. 43), Göbenstr. 16 in die Nachbarbebauung ein. Aufgrund seiner exponierten Ecklage, schräg gegenüber dem nordöstlichen Ein- bzw. Ausgang des Stadtgartens, kommt ihm eine besondere städtebauliche Bedeutung zu, auf die die architektonische Gestaltung Bezug nimmt: einen markanten Eckakzent setzt der turmartige Eckerker, der ursprünglich zwischen Hochparterre und 1. OG und zwischen 2. und 3. OG Balkone besaß und von einem hohen mit Gauben versehenen Turmhelm bekrönt wurde. Zu beiden Seiten, zur Göben- und Spichernstraße, schlossen sich, teils unmittelbar, teils durch eine Achse getrennt, große Dreieckgiebel (über 2 Achsen) mit jeweils einem Drillingsfenster an. Ein dreieckförmiger Giebel zierte auch den Altan zur Göbenstraße. Der heutige Bau besitzt diese prägnanten Gestaltungsmerkmale (unter anderem) nicht mehr - die vorhandenen historisierenden aufwendigen Werksteingliederungen, Säulen, Konsolen, Friese und Medaillons sowie der voluminöse Baukörper weisen das genannte Objekt dennoch als ein herausragendes repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus aus. Insbesondere die überwiegend originalen Fenster sind gestaltprägend. Das genannte Objekt dokumentiert die Wohnverhältnisse des gehobenen Bürgertums in einem mächtigen Mietstockwohnhaus kurz vor der Jahrhundertwende. Die Baustruktur und der überwiegend romanisierende Fassadendekor sind Ausdruck eines bürgerlichen Herrschaftsanspruchs und begründen die sozialgeschichtliche Bedeutung des Objekts. Trotz der Veränderungen, die auch das Innere betreffen, bewahrt das Wohn- und Geschäftshaus das ursprüngliche Erscheinungsbild der Göben- und Spichernstraße. Als Bestandteil eines städtebaulich und baukünstlerisch bedeutenden Gründerzeitensembles am Stadtgarten kommt dem genannten Objekt ein besonderer Stellenwert zu. Sowohl der Vorgarten, als auch der turmartige Erker korrespondieren mit dem gegenüberliegenden Wohnhaus Göbenstr. 9. Beide Bauten zusammen bilden ein stadtbildprägendes Pendant zum Stadtgarten und ein signifikantes Entrée zur Göbenstraße.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0