Wohn- u. Geschäftshaus
Rathenauplatz 35 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2320 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Rathenauplatz 35, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1895 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 03.05.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher und der Lindenstraße die Achse der Roonstraße mit dem Wohnviertel um den sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz. Der mit 100 m mal 500 m bemessene, rechteckförmige Platz (ehem. Königsplatz) wurde als zentrale, städtische Parkanlage, der die Aufgabe zukam, die Aufstellung der Wagen des Karnevalzuges zu übernehmen, in die Planung aufgenommen. Die Roonstraße, deren Verlauf im Nordwesten durch den Turm der Altkatholischen Kirche und im Südosten durch den Turm der Herz-Jesu-Kirche gefaßt ist, kündet durch leichten Anstieg des Straßenniveaus in Richtung Barbarossaplatz und den gegenüber der Altkatholischen Kirche höheren Turm der Herz-Jesu-Kirche die Nähe der Ringe an. Das Rechteck des Platzes besteht aus einer Grünanlage, die an ihren Längsseiten von zweireihigen Baumalleen, an den Schmalseiten von waldartigem Bestand alter Bäume gerahmt ist. Die umgebenden Straßenräume werden durch die viereinhalbgeschossige Randbebauung und den Baumbestand der Grünfläche gebildet. Der Rathenauplatz zeigt sich bei Belaubung seines historischen Baumbestands mit einem freiräumigen Platzinnern, das von dem Baumbestand eingefaßt und von den Straßenräumen zwischen Baumbestand und Platzrandbebauung umgeben ist. Im Winter dagegen ist das Rechteck des Platzes übersichtlich und bildet zur Roonstraße hin einen einseitig offenen Raum gegenüber der überragenden Baumasse der Synagoge, einen symmetrischen Zentralbau mit zwei Seitenflügeln. In der Roonstraße wird an den Enden des Platzes auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Baumbestand durch eine Baumreihe (heute lückenhaft) aufgegriffen und bis zur Baumgruppe vor dem Turm der Altkatholischen Kirche und andererseits bis zu dem Baumbestand um die Herz-Jesu-Kirche weiterführt. Die zweireihige Baumallee auf dem Mittelstreifen der an der Nordostseite einmündenden Beethovenstraße stellt die Verbindung zu einem ebenfalls baumbestandenen Platz zwischen Beethoven- und Mozartstraße an deren Einmündung in den Hohenstaufenring her. In den an der Südwestseite vom Rathenauplatz ausgehenden Lochner- und Görresstraße wird das Grün des Platzes in Vorgärten weitergeführt, die sich mit den Vorgärten an der Dasselstraße zusammenhängend verbinden. Damit wird das Gestaltungsprinzip deutlich mit den repräsentativen, städtebaulichen Elementen der Baumreihen und -alleen zu der Hauptstraße der Neustadt, den Ringen hinzuführen, während das intime Grün der Vorgärten dazu verwendet wird, eine intime, wohnliche Atmosphäre zu schaffen. Beide Elemente treffen und vereinen sich im Rathenauplatz. Die von den beiden südwestlichen Platzecken ausgehenden Meister-Gerhard- und Boissereestraße finden ihren optischen Abschluß in den Brückenbauwerken der Bahnüberführungen der Linden- und Zülpicher Straße. Die Heinsbergstraße im Südosten, die durch Schwenken ihrer Straßenachse jenseits ihrer Kreuzung mit der Zülpicher Straße in Höhe der Zülpicher Straße ihren optischen Abschluß findet, hat, wie die Lochner- und Görresstraße als Wohnstraße die Aufgabe, die umgebende Bebauung in kleinere, übersichtliche Areale aufzuteilen, deren relativ geringe Grundstückstiefen eine Hinterhofbebauung nach Berliner Art vermeiden und trotz hoher Nutzung der Grundstücksfläche eine im allgemeinen offene rückwärtige Bebauung aufweisen.
Architektur und Stil: Mit den Stilmitteln der Renaissance wurden an einem insgesamt einheitlichen Bauwerk drei individuelle Fassaden ausgearbeitet. Das Gebäude nimmt ebenso wie das Haus Rathenauplatz 1 das Motiv der städtebaulichen Einheit Roonstraße - Rathenauplatz an mit seiner längsgestreckten Fassade an der weiten Straßenführung der Roonstraße und einer schmaleren Fassade am Rathenauplatz. Die Fassade der Eckabschrägung stellt den verbindlichen Übergang her. Die mittleren Fassaden erhalten ihre verbindliche Charakteristik durch Verdichten des Ausdrucks an ihren Symmetrieachsen, der am Rathenauplatz mit einer Balkonreihung am 2. bis 4. OG, in der Eckabschrägung mit einem schmalen, zweiachsigen Erker und daraufgesetzten Balkon mit Brüstung und an der Roonstraße mit demselben Erkermotiv wie an der Eckabschrägung in der zweiten Achse von links, der Eckabschrägung benachbart, dem sich auf die Straßenflucht in Richtung Altkath. Kirche eingehend, die beiden letzten rechten dicht zueinandergestellten Achsen anschmiegen. Die Bänder der Fensterbankgesimse und die Putzbänder in mittlerer Höhe der seitlichen Fenstergewände und Höhe der Stürze binden die Fassadenelemente in den Gesamtbaukörper ein. Die Stellung der Gauben des Satteldaches über dem abschließenden Traufgesims entsprechen den Achsen der Fassaden. Das Souterrain und 1. OG, dessen Achsen gleichermaßen korrespondieren, ist mit einer kraftvollen, horizontal gebänderten Rustika als tragender Sockel ausgebildet. Anstelle eines Hausflurs führt in einem kurzen Raum eine Marmortreppe aus schwarzem Tritt- und weißen Setzstufen zu einem oberen Podest, das bereits Teil des Treppenhausbodens ist. Die Wände sind unterhalb des Stockwerkgesimses rustiziert. Das Dekor des unteren Podests in den Farben hellblau, dunkelrot und gelb zeigt ein diagonal liegendes Gitter mit stilisierten Blumen in den quadratischen Feldern dazwischen und einer Randrahmung aus der Wiederholung stilisierter Blüten. Der Boden des Treppenhauses besteht aus quadratischen Fliesen mit Blütenornament eingefaßt mit einem Streifen aus geometrischem Flechtwerk und einem linearen Streifen als Randrahmung. Die zweiläufige, teils gewendelte Haustreppe mit trapezförmigen Stockwerks- und Zwischenpodesten, dem Geländer und Handlauf besteht aus Holz. Vom Ausbau der Wohnungen sind Türgewände und Türen erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0