Wohnhaus

Roonstraße 49 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_1984
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Roonstraße 49, 50674 Köln
Baujahr1890 bis 1895
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 09.01.1984
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude wurde 1890-95 als viergeschossiges, dreiachsiges Wohnhaus mit einem Souterrain, einer Toreinfahrt, einem Erker mit Balkon und einer Stuckfassade errichtet.

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Hinrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Josef Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.

So entstand im Westen vor der Altstadt zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher Straße und der Lindenstraße die Achse der Roonstraße mit dem sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz und dem sie umgebenden Wohnviertel. Der mit 1000 mal 500 m bemessene, rechteckförmige Platz (ehemaliger Königsplatz) wurde als zentralte, städtische Parkanlage, der auch die Aufgabe zukam, die Aufstellung der Wagen des Karnavalszugs zu übernehmen, in die Planung aufgenommen. Die Roonstraße, deren Verlauf im Nordwesten durch den Turm der altkatholischen Kirche und im Süden durch den Turm der Herz-Jesu-Kirche gefaßt ist, kündet durch den leichten Anstieg des Straßenniveaus in Richtung Barbarossaplatz und gegenüber der altkatholischen Kirche höheren Turm der Herz-Jesu-Kirche die Nähe der Ringe an. In der Roonstraße wird an den Enden des Rathenauplatzes auf der gegenüber liegenden Straßeseite der Baumbestand durch eine Baumreihe (heute lückenhaft) aufgegriffen und bis zur Baumgruppe vor dem Turm der altkatholischen Kirche und andererseits bis zu dem Baumbestand um die Herz-Jesu-Kirche weitergeführt.

Die Last tragende Aufgabe des Gebäudesockels, bestehend aus Souterrain und erstem Obergeschoß, verdeutlichen die Halbkreisbogen über dem Hauseingang und den Fenstern, welche Bogenquaderungen innerhalb einer derb gehaltenen Quaderrustika und das oberhalb abschließende Stockwerkgesims über dem ersten Obergeschoß, dessen Wirkung im Fensterbankgesims des zweiten Obergeschosses und den sie verbindenden Postamenten unter den Fenstergewänden ausklingt. In diesem Sockelbereich ist der Souterrain mit noch einmal derberer Rustika und oberhalb abschließendem, schmalen Stockwerk- und Fensterbankgesims am ersten Obergeschoß mit dem ebenen Zwischenfeldstreifen als Schriftträger als Erdsockel hervorgehoben. Die vertikale Verbindung zur Einheit des zweiten, dritten und vierten Obergeschosses stellen die Vertikalen der mittleren und rechten Achse her, welche die gesamte Gebäudehöhe vom Souterrain bis einschließlich der Dachgauben betreffen. Der meistens üblichen, in der Tradition des rheinischen Dreifensterhauses stehenden, vertikalen Symmetrieachse widersprechen die Plazierungen des schmalen, eineinhalb Geschosse hohen Hauseingangs ganz links, eigenständig und außerhalb der linken Fensterachse, und der Erker mit abgeschrägten Seiten am zweiten und dritten Obergeschoß mit bekrönendem, schmiedeeisernen Balkongeländer am vierten Obergeschoß auf einer oberhalb des Sockels beginnenden Mauervorlage, die sich zudem durch rauhe Oberfläche von der sonst glatten, feinfugig geschnittenen Quaderrustika ihrer Geschosse abhebt mit zwei breiten Stockwerkgesimsen, die Mauervorlage und Erker miteinander verbinden. Die fassadenbreit durchlaufenden Fensterbankgesimse binden die Brüstungen der Erker in die Fassade ein. Ebenfalls dezentralisierend wirken die vier Fenster des zweiten und dritten Obergeschosses der beiden linken Achsen durch einheitliche Fensterumrahmungen aus Pilastern in ionischer Ordnung und Überdachungen aus Architraven und unterhalb geschlossenen Halbkreisgesimsen, deren Felder als einzige Ausnahme geschoßweise mit unterschiedlichen Schmuckformen gefüllt sind. Das vierte Obergeschoß leitet die abschließende Wirkung des auskragenden Dachgesimses ein, das mit den über die Fläche des Satteldachs hinaus geführten Brandwände die Silhouette der Dachlandschaft begrenzt. Die beschriebene Architektur wurde mit Ausdrucksmitteln der Renaissance verwirklicht.

Im Inneren führt zwischen einem unteren und oberen quadratischen Podest eine Steintreppe auf das Niveau des ersten Obergeschosses. Die graubraunen Terrazzoflächen der Podeste rahmen weiße, zweireihige Mosaikstreifen und breite, schwarze Randstreifen. Die Mitte des unteren Podests ziert ein mehrfarbiges, weiß umrandetes Mosaik einer stilisierten Blüte, die Mitte des oberen Podests ein ebenfalls weiß umrandetes Mosaik konzentrischer Kreise, die in ihrer Mitte eine achtblätterige Blume einschließen und deren beiden äußeren Kreise um die Viertelpunkte miteinander verbunden sind. Die Trittstufen der Treppe bestehen aus schwarzem, die Setzstufen aus weißem Marmor. Die Quaderrustika der Wandsokkel schließt ca. 1 m über dem oberen Podest mit einem Gesims ab. Der Halbkreis-Stützbogen auf Mauervorlagen leitet in das Treppenhaus über. Die zweiläufige Treppenanlage besteht mit Geländer und Handlauf aus Holz. Sie beginnt im ersten Obergeschoß mit einem Antrittspfosten auf der außen abgerundeten ersten Stufe. Die Geländerstäbe unter den Wendeln der Handläufe an den Podesten sind im Querschnitt besonders stark ausgebildet und bis unter die Podestwangen als hängender Zapfen geführt.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0