Wohnhaus

Roonstraße 47 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2030
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Roonstraße 47, 50674 Köln
Baujahr1890 bis 1895
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 16.01.1984
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude wurde zwischen 1890 und 1895 als viergeschossiges, vierachsiges Wohnhaus mit einem Souterrain, drei Balkonen und einer Backsteinfassade mit Stuckgliederungen errichtet.

Zwischen der inneren und äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910, ringförmig um die Altstadt, die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Josef Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. So entstand im Westen vor der Altstadt, zwischen den Ausfallstraßen der Zülpicher Straße und der Lindenstraße, die Achse der Roonstraße mit dem Wohnviertel um den sie einhüftig erweiternden Rathenauplatz. Der mit 100 x 500 m bemessene, rechteckförmige Platz (ehemalige Königsplatz) wurde als zentrale, städtische Parkanlage, der auch die Aufgabe zukam, die Aufstellung der Wagen des Karnevalszugs zu übernehmen, in die Planung aufgenommen. Die Roonstraße, deren Verlauf im Nordwesten durch den Turm der altkatholischen Kirche und im Südosten durch den Turm der Herz-Jesu-Kirche gefaßt ist, findet durch leichten Anstieg des Straßenniveaus in Richtung Barbarossaplatz und den, gegenüber der altkatholischen Kirche, höheren Turm der HerzJesu-Kirche die Nähe der Ringe an.

In der Roonstraße wird an den Enden des Rathenauplatzes auf der gegenüber liegenden Straßenseite der Baumbestand durch eine Baumreihe (heute lückenhaft) aufgegriffen und bis zur Baumgruppe vor dem Turm der altkatholischen Kirche und andererseits bis zu dem Baumbestand um die Herz-Jesu-Kirche weitergeführt.

Die individuelle Architektur besteht aus Stilelementen der Renaissance.

Der Souterrain und das erste Obergeschoß sind als hoher, tragender Sockel konzipiert. Die Auflast verdeutlicht das Stockwerkgesims über dem ersten Obergeschoß, dessen Ausdruckskraft das dicht darüber parallel verlaufende Sohlbankgesims des zweiten Obergeschosses und die sie verbindenden, senkrechten Elemente unter den Gewänden der Fensterumrahmung in den beiden äußeren Achsen erweitern. Die eineinhalb geschoßhohen, schlanken Fensterpfeiler hält vor der Brüstung des ersten Obergeschosses ein mit Diamantquadern besetzter Fries zusammen. Von diesem Sockel werden das zweite, dritte und vierte Obergeschoß mit dem abschließenden Dachgesims als bauliche Einheit getragen.

Die Architektur der Fassade konzentriert ihre Wirkung in den drei aufeinander gesetzten Balkonen im Mittelfeld dieser Einheit, deren Balustraden und hohen Säulen mittig und an den Ecken, die im dritten und vierten Obergeschoß die Kraglast der darüberliegenden Balkone abfangen und auf die drei Konsolen unter dem ersten Balkon am zweiten Obergeschoß ableiten. Die Horizontalen der Balustraden nehmen die balkenförmigen Überdachungen der seitlichen Achsen am zweiten und dritten Obergeschoß noch einmal auf. Diese im wesentlichen vertikale Tendenz schließt die Horizontale des vierten Obergeschosses mit seiner Reihe überdachender Segmentbogen und der flach geneigten Fläche des Satteldachs, gefaßt zwischen den Draufsichten der Brandwände, ab.

Zwischen einem unteren und oberen, quadratischen Podest führt eine Steintreppe auf das Niveau des ersten Obergeschosses. Die graubraunen Terrazzoflächen der Podeste rahmen weiße, zweireihige Mosaikstreifen, deren nach innen gekröpfte Ecken nach innen konkave Viertelkreise bilden. Die Mitte des unteren Podests bildet das weiß gerahmte, mehrfarbige Mosaik einer fünfblätterigen, stilisierten Blume, die Mitte des oberen Podests ein ebenfalls weiß gerahmtes, mehrfarbiges Mosaik eines im Umriß elliptischen Ornaments. Die Trittstufen der Treppe bestehen aus schwarzem, die Setzstufen aus weißem Marmor. Die gebänderte Rustika der Sockel schließt mit der obersten Trittstufe ab. Die Wandhandläufe bestehen aus Holz. Der Treppenhausboden, in Material und Rahmungen wie die beschriebenen Böden der Podeste, trägt mittig vor der Treppe einen achteckigen Stern aus schwarzen und weißen Rauten. Die zweiläufige Treppenanlage besteht mit Geländer und Handlauf aus Holz. Den gedrechselten Antrittspfosten auf der außen mit einem Knauf abschließenden, abgerundeten ersten Stufe schmücken in einem Drittel seiner Höhe sich aufwärts anschmiegende Arkanthusblätter. Die originalen Treppenhausfenster sind erhalten.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0