Wohnhaus

Hochstadenstraße 15 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2525
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Hochstadenstraße 15, 50674 Köln
Baujahrum 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 20.07.1984
Stadtteil Neustadt/Süd

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener, Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Die Hochstadenstraße verbindet den Zülpicher Platz an seiner Südecke mit der Luxemburger Straße als Ausfallstraße. Die mit etwa 45 Grad schleifende Einmündung liegt unweit vor der Eisenbahnüberführung, einem Denkmal der Brückenbauwerke des Eisenbahngürtels. Der Eindruck des Straßenraums entspricht in seinem auf das Wohnviertel zwischen Zülpicher Straße, Roonstraße, Luxemburger Straße und Eisenbahngürtel bezogenen Wohncharakter der Kyffhäuserstraße und der Heinsbergstraße. Den optischen Abschluß des Staßenraums bilden jenseits des Zülpicher Platzes das zentral stehende Eckhaus Zülpicher Straße 18 zwischen dem teilweise sichtbaren, aus der Straßenachse gerückten Turm der Herz-Jesu-Kirche rechts und einer Gebäudeflucht der Engelbertstraße mit den historischen Häusern Nr. 8 und 12 zur linken Seite und am gegenüberliegenden Straßenende eine Hauswand der Luxemburger Straße. Die Traufhöhen der vier- bis fünfgeschossigen Altbebauung gehen an den verschliffenen Ecken der Kreuzung mit der Kyffhäuserstraße einheitlich in deren Traufhöhe über. Der Querschnitt des Straßenraums als stehendes Rechteck ist gleich dem der übrigen Straßen des Viertels und steht in bewußtem Gegensatz zu der Weite der rings umgebenden Wohn-, Geschäftsstraßen und prachtvollen Platzanlagen.

Das Gebäude Hochstadenstraße 15 wurde um 1890 als viergeschossiges, dreiachsiges Wohnhaus mit drei Balkonen und einer Stuckfassade errichtet. Die Gesamtfassade ist als schmuckvolle Mauervorlage konzipiert, deren Gesimse um die seitlichen, vertikalen Begrenzungslinien herumgreifen. Das EG und das Fassadenfeld des 1. bis 3. OG sind jeweils architektonische Einheiten. Der Erdsockel, dessen abschließendes Gesims, die glattflächige Bänderung darüber, deren breite Fugen sich an den scheidrechten Stürzen teils radial abwinkeln, teils Quaderungen mit Löwenköpfen als Schlußsteinen bilden und das ausladende Stockwerkgesims veranschaulichen die lasttragende Aufgabe des EG. Die oberhalb anschließende Brüstungszone des 1. OG erweitert die stützende Ästhetik des Stockwerkgesimses durch ungewöhnlich stark auftragenden plastischen Schmuck unterhalb der Fensteröffnungen und das in Fensterbreite nach außen gekröpfte Fensterbankgesimse am 1. OG. Die rechte, seitlich zweireihige Seitenachse wird von Balkonen am 1., 2. und 3. OG zu einer Einheit zusammengefaßt. Die Schlußsteine der beiden EG-Fenster unterhalb kragen als Volutenkonsolen und Auflager des unteren Balkons am EG aus. Auf den Eckpfeilern des Balustradengeländers als Postamente unterstützen am 1. und 2. OG hohe, ionische Säulen mit Beschlagwerk im unteren Drittel die Ecken der Balkone der darüberliegenden Geschosse. Dem bekrönenden Freibalkon am 4. OG entspricht der über der Achse nach vorn geköpfte Teil des Dachgesimses. Flache, bandartige Gesimse, verbinden die einzelnen Fensterbankgesimse und Abdeckungen der Balkonbalustraden und die Vertikalen der beiden linken Fensterachsen miteinander. Die Basis der vertikalen Balkonreihung bindet am 1. OG das um den Balkon herum durchlaufende Stockwerkgesims über dem EG und das Fensterbankgesims am 1. OG in die Fassade ein. Die Dreieckübergiebelungen als Rahmungen plastischer Darstellungen und die in ihrer Gesamtform niedriger gehaltenen Überdachungsgesimse mit Eck- und zentralen Akroterien weisen auf die Überdachungsgesimse der Fenster des 3. OG und das dicht darüber ansetzende Konsolgesims der Traufe hin. Die in klassizistischer Tradition verwurzelte Architektur wurde in ausgewogenen Maßverhältnissen mit Ausdrucksformen bereichert, die der Renaissance entnommen und dem Repräsentationsbedürfnis der Zeit entsprechend übersetzt und abgewandelt wurden. Die Form der Haustür entspricht dem Vorbild eines Fensters mit Brüstungsfeld und Fensterbankgesims. Das stehende, gedrungene Rechteck der Scheibe wird von einer inneren, konzentrischen Rahmung und von einer äußeren Rahmung umschlossen, die mit Ausnahme des oberen, halbkreisförmigen Abschlusses ebenfalls konzentrisch verläuft. Die Überdachung besteht aus zwei seitlichen, volutenförmigen Konsolen, dazwischenliegendem Gebälk mit Schnitzerei aus Ranken, zentraler Blüte und einem Dreieckgiebel, der eine Muschel umschließt. Vom Boden bis zum Kämpferholz reichen auf beiden Seiten je ein flankierender Pilaster, der sich nach oben hin verjüngt, im unteren Teil mit Diamantquaderungen besetzt, in der Mitte gedrechselt, teils geschnitzt, darüber mit kamelierten Schäften und ionischen Kapitellen. Die Tür schließt mit einem zweistufigen im oberen Teil auskragenden Kämpferprofil unterhalb des Oberlichts, eines liegenden, gedrungenen Rechtecks ab. Der Boden des Hausflurs besteht aus Terrazzo und Mosaik, die beiden vom Podest hinter der Haustür zum Niveau des EG aufwärts führenden Stufen aus weißem Marmor. Die Bodenspiegel aus Terrazzo (braun-weiß-schwarz) werden auf dem Podest von fünf Reihen Mosaik (innen eine Reihe schwarz und weiß im Wechsel, außen zwei Reihen hellbraun), einem Streifen aus grauem Terrazzo und einer breiten Randrahmung aus schwarzem Terrazzo umgeben. Die Seitenenden der hellbraunen Mosaikreihen rollen sich an den Ecken zu beiden Seiten der Winkelhalbierenden nach innen ein als Teil eines mehrfarbigen, stilisierten Pflanzenmotivs. Die Mitten beider Flächen werden von qualitätvollen, stilisierten Pflanzenornamenten aus Mosaik gebildet in den Farben Weiß, Schwarz, Hellbraun, Hellgrau und Rot, auf dem Podest mit der Grundform einer aus zwei Kreisen zusammengesetzten, querliegenden Acht, auf der oberen Bodenfläche des Flurs aus einem breiten Ring bestehend, der eine achtblättrige Flächenblüte mit kreisrunder Mitte umschließt. Der halbkreisförmige Stützbogen zwischen Hausflur und Treppenhaus mit profilierten Rändern, äußeren Flächen und einer Blattrosette im Bogenscheitel reicht auf pilasterförmigen Mauervorlagen. Der Treppenhausboden nimmt mit gleichem Spiegel, ähnlicher Rahmung und einem Mittelornament aus farbigem Mosaik aus kreisrundem Umriß, der einen Stern aus acht Rhomben umschließt und dessen Halbkreisenden je zwei Voluten bilden, zusammenfassenden Bezug auf den Dekor des Hausflurbodens. Die authentische Farbigkeit erweitert den formalen Wert des Dekors. Die gerade, zwei- und gegenäufige, rechtswendende Holztreppe trägt ein Holzgeländer mit Holzhandlauf und einem reich profiliert gedrechselten und geschnitzten Antrittspfosten. Die zweiflügeligen Wohnungstüren tragen je drei Feldeinteilungen. Die oberen, hohen Ornamentglasfüllungen, die übrigen in Holz, (die mittlere als liegendes Rechteck, die untere als Quadrat) werden von kraftvoll vorstehenden Profilen gerahmt. Die Wohnungen enthalten einige gefelderte Holztüren mit -zargen. Im EG, in zwei Räumen zur Straße hin, stellt der Deckenstuck mit tiefen Hohlkehlen, wulstigen Randleisten, kraftvoller Randleisten, des Deckenspiegels mit flachbogigen, konkaven Ecken und kraftvoll gestalteten Rosetten, Bezug zu der betonten Plastizität der Fassade her. Die zweiteiligen Fenster mit Oberlicht sind im Original erhalten. Die Profilierung der Flügelhölzer vermittelt zwischen Straßen- und Innenraum. Die äußeren Schlagleisten tragen zierenden Besatz und schließen an den Enden volutenartig ab.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0