Wohnhaus

Hochstadenstraße 10 · Neustadt/Süd

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2193
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Hochstadenstraße 10, 50674 Köln
Baujahrum 1890
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 09.04.1984
Stadtteil Neustadt/Süd

Das Gebäude wurde um 1890 als viergeschossiges, vierachsiges Wohnhaus mit zwei Balkonen und einer Stuckfassade errichtet.

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden.

Die Hochstadenstraße verbindet den Zülpicher Platz an seiner Südecke mit der Luxemburger Straße als Ausfallstraße. Die mit etwa 45 Grad schleifende Einmündung liegt unweit der Eisenbahnüberführung, einem Denkmal der Brückenbauwerke des Eisenbahngürtels. Der Eindruck des Straßenraums entspricht in seinem auf das Wohnviertel zwischen Zülpicher Straße, Roonstraße, Luxemburger Straße und Eisenbahngürtel bezogenen Wohn-Charakter der Kyffhäuserstraße und der Heinsbergstraße. Den optischen Abschluß des Straßenraums bilden jenseits des Zülpicher Platzes das zentral stehende Eckhaus Zülpicher Straße 18, zwischen dem teilweise sichtbaren, aus der Straßenachse gerückten Turm der Herz-Jesu Kirche rechts und einer Gebäudeflucht der Engelbertstraße mit den historischen Häusern Nr. 8 und 12 zur linken Seite und, am gegenüber liegenden Straßenende eine Hauswand der Luxemburger Straße. Die Traufhöhen der vier- bis fünfgeschossigen Altbebauung geht an den verschliffenen Ecken der Kreuzung mit der Kyffhäuserstraße einheitlich in deren Traufhöhe über. Der Querschnitt des Straßenraums als stehendes Rechteck ist gleich dem der übrigen Straßen des Viertels und steht in bewußtem Gegensatz zu der Weite der rings umgebenden Wohn- und Geschäftsstraßen und prachtvollen Platzanlagen.

Die gesamte Fassade besteht aus einer Mauervorlage, die seitlich von zwei vertikalen Fugen auf den Vorderseiten der Brandwände eingefaßt wird. Die breitflächige Bänderung mit tief liegenden Fugen, die mit Schlußsteinen besetzten Halbkreisbogen der Fenster und des Hauseingangs und das abschließende Stockwerkgesims, das vom Fensterbankgesims am ersten Obergeschoß verdeutlichend ergänzt wird, kennzeichnen das Erdgeschoß als Last tragende Basis. Der allgemeine Untergrund der Gliederungen, bestehend aus flächigen Bänderungen, einem Fugenschnitt geringer Tiefe und den flachen Mauervorlagen der mittleren Achsen, kennzeichnen die architekttonische Einheit des ersten bis dritten Obergeschosses. Die zueinander gerückten Fenster der mittleren Fensterachsen und die Mittelbalkone am ersten und zweiten Obergeschoß verdeutlichen die Lage der Symmetrieachse auf dem mittleren Fensterpfeiler. Die Vertikalität der einzelnen Fensterachsen beginnt im Erdgeschoß und mündet in je einer Dachgaube. Die Gliederungselemente der Balkone an den Mittelachsen des ersten und zweiten Obergeschosses, der gekupptelten Verdachungen der Mittelfenster am zweiten Obergeschoß, der Einzelverdachungen - in den Seitenachsen am ersten Obergeschoß halbrund und am zweiten Obergeschoß dreieckförmig, beide auf horizontalen Balken, am dritten Obergeschoß balkenförmig - die Fensterbankgesimse und das Dachgesims am ersten Obergeschoß mit zentralem Gewicht an den beiden Mittelachsen verbreitern das Gewicht ihrer Aussage von Geschoß zu Geschoß bis zu der abschließenden Gesamtbreite des auf Konsolen ruhenden Dachgesimses. Die in ihren Grundzügen klassizistische Architektur wird im Sinn des Repräsentationsbedürfnisses der Zeit mit frei interpretierten Stilmerkmalen der Renaissance bereichert.

Den Boden des breit angelegten Hausflurs aus weiß-schwarz- hellbraunem Terrazzo-Gemisch umgibt eine Mosaikrahmung aus vier, von innen nach außen zunehmend breiter werdenden Streifen, beginnend mit einer Reihe in weiß, dann hellbraun, grau und einem schwarzen, äußeren Rand. Die hellbraunen Streifen sind an den Ecken des Bodenfelds in den Enden der Seiten nach innen eingerollt und fassen schwarze, weiß berandete, stilisierte Pflanzenornamente ein, deren SymmetrieAchsen die Winkelhalbierenden bilden. Der zentrale Dekor besteht aus einem großen, achteckigen Stern aus schwarzen und hellbraunen Feldern und weißer, kreisrunder Mitte, den ein Gitter aus einzelnen, kurzen Streifen mit nach innen gerundeten Enden, wiederum in der Form eines Achtecks, umgibt mit schwarzen, kreisrunden Punkten und roten Blütenornamenten am äußeren Umgang. Der Halbkreis des ungewöhnlich breiten Stützbogens ruht auf breiten Mauervorlagen, die ein Bodenschmuck aus weißer Mosaikrahmung, die ein zentrales Pflanzenornament in schwarzem Mosaik mit Hellbraun auf Hellblau auf Weiß umschließt. Den Treppenhausboden aus dem gleichen Terrazzo-Material wie im Hausflur mit einem symmetrischen, stilisierten Pflanzenornament aus schwarzem und grauen, in Weiß gefaßten Mosaik, umgibt eine Mosaikrahmung aus drei Reihen weißen Mosaiks und einem breiten, schwarzen Rand. Die gerade, zwei- und gegenläufige, rechtswendende Holztreppe mit gerahmten Treppenwagen begleitet ein Holzgeländer und Holzhandlauf. Die Treppenhausfenster sind im Original erhalten. Die pilaster-förmigen Türpfosten mit Kanneluren, Diamantquadern und besonders stark ausgeprägten, kantigen Kapitellen zwischen mittlerer Eingangstüre und schmaleren, feststehenden, seitlichen Teilen, unterstützen das hohe, nach oben hin zunehmend weiter auskragende Kämpferprofil unterhalb des durch vertikale Sprossen in vier gleichgroße Felder aufgeteilten Oberlichts. Das Türblatt und die seitlichen Teile sind in den oberen zwei Dritteln verglast. Die Wohnungen enthalten Teilbestand des ursprünglichen Ausbaus.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0