Wohnhaus
Lützowstraße 6 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_2696 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Lützowstraße 6, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1903 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 16.10.1984 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis etwa 1910 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Auf ihrer Straßenseite haben allein die Häuser Nr. 4 und 6, gegenüber die Häuser Nr. 5, 9 und 17 ihre ursprünglichen Fassaden bewahrt. Die Sichtbeziehungen untereinander geben dem Straßenraum seinen durch die Erstbebauung geprägten, historischen Charakter. Die Haupterschließungsstaßen der westlichen Neustadt sind neben den Ringstraßen die Bismarck-, Moltke- und Roonstraße, die trapezförmig nach Westen ausgreifend das Belgische Viertel, das Westend und die Ringplätze Kaiser-Wilhelm-Ring und Barbarossaplatz miteinander verbinden. Die Lützowstraße verlängert die Achse der Moltkestraße an ihrem Winkel mit der Roonstraße bis zu dem halbkreisförmigen Sternplatz vor der Bahnüberführung der Lindenstraße. Gegenüber der breit gelagerten Moltkestraße ordnet sich die Lützowstraße mit einem quadratischen Querschnitt bei vier- bis fünfgeschossiger Bebauung unter. Die Enden des Straßenraums schließen einerseits die Gebäudereihe Lindenstraße 95 - 99 aus der Zeit der Erstbebauung und andererseits die fragmentarisch erhaltenen Baumreihen aus dem Mittelstreifen der Moltkestraße.
Das Gebäude Lützowstraße 6 wurde um 1903 als fünfachsiges und viergeschossiges Wohnhaus mit einem Souterrain, einem Giebelgeschoß, einem Erker und einer Stuckfassade errichtet. Eine horizontal gebänderte Rustika faßt das Souterrain, das 1. und 2. OG zu einer architektonischen Einheit zusammen. Innerhalb dieser Einheit differenziert sich das Souterrain mit besonders breit gebänderter Rustika als Erdsockel der Fassade. Die zurückversetzten Fensterbrüstungen des 1. und 2. OG geben in jeder Fensterachse den Fenstern der unteren Geschosse gemeinsamen Umriß und vertikale Beziehung zum 2. und 3. OG. Das 3. und 4. OG treten wiederum als gemeinsames architektonisches und zwar durch Pilaster vertikal strukturiertes Element auf, die vor den Fensterpfeilern mit ihren Basen auf dem Stuckgesims des 2. OG stehen und deren Kapitelle aus menschlichen Masken gerahmt mit ionischem Kapitell-Umriß den Dachfries und das Dachgesims unterstützen. Über dem Eingang in der Mittelachse, dessen Portalhöhe die des Souterrains und des 1. OG umfaßt, setzt auf seitlichen Konsolen ein Erker an, der mit rechteckiger Grundform auf die Rustika des 2. OG, mit abgeschrägten Seiten auf die offene, dem Licht zugewandte Architektur des 3. und 4. OG eingeht und mit einem überhöhenden, geschwungenen Dachgiebel die Dachzone zentral beherrscht. Das eigenständige, architektonische Konzept vereint Anregungen der Renaissance mit Tendenzen des Jugendstils, welche die beiden letzten OGs dem Außenraum zuwenden und den Bauelementen scheinbare Schwerelosigkeit geben. Das Dekorelement des Hausflurbodens in Grau auf Weiß, den je vier quadratische Fliesen bilden, besteht aus Quadraten mit konkavgeschwungen Seiten um eine zentrale, achtblättrige Blüte und vierblättrigen Kleeblättern in den ovalen Zwischenflächen. Den Bodenspiegel umgibt ein Zickzakkornament in denselben Farben und ein schmaler Randstreifen aus roten Rechteckfliesen. Der bis in Augenhöhe geführte Wandsockel aus dunkelgrünen und weißen Relieffliesen in floralem Muster wird am Boden von einer dunkelgrünen Fliesenreihe als Fußleiste mit schmalem Blütenfries darüber und am oberen Rand von einem Fries und einem abschließenden Fliesengesims eingefaßt. Die ebene Decke umgibt ein vielteilig gegliedertes Kehlprofil. Vom Hausflurboden, der erst vor der Haustür endet, führen drei Stufen aufwärts auf das Niveau des Gehwegs. Die Deckenfläche und die oberen Teile der Wände des nischenartigen Vorraums sind stuckiert. Der Stützbogen zwischen Hausflur und Treppenhaus liegt scheitrecht auf flachen Mauervorlagen, deren Kanten profiliert abgefaßt sind. Das Bodenfeld unter dem Stützbogen trägt rote Rahmung. Der Boden des Treppenhauses ist gleich mit dem des Hausflurs. Die gerade, zwei- und gegenläufige, rechtswendende Holztreppe mit zwei außen abgerundeten Antrittsstufen wird von einem Holzgeländer mit hohem Antrittspfosten auf der zweiten Antrittsstufe und einem Holzhandlauf begleitet. Der Antrittspfosten besteht aus einer zylindrischen Basis, der Mittelteil aus mit Ringen eingefaßten, durch Schnitzerei belebten zylindrischen und knospenförmigem Teil, darüber aus einem sich nach oben verjüngenden, konischen Schaft, der mit einem Teller abschließt, dem eine Vase mit Knauf aufsitzt. Die zweiflügeligen Abschlußtüren der Wohnungen nehmen je eine Längsseite der Stockwerkpodeste ein. Bei gemeinsamem Rahmen und Kämpfer werden beide Seiten durch einen Mittelpfosten voneinadnder getrennt, der sich oberhalb des Kämpfers als Mittelteilung der zweiteiligen Oberlichter fortsetzt. Die Türblätter bestehen aus einem unteren, vierfeldrigen Quadrat mit abgeschrägten Ecken um eine zentrale, eingeschnitzte Blüte und einer oberen, zweifeldrigen Ornamentglasteilung aus stehenden Rechtecken. Vom ursprünglichen Ausbau sind in den meisten Wohnungen Stuckdecken mit zentralen Rosetten, Hohlkehlen und vielfeldrige Türblätter und -laibungen erhalten.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0