Wohn- u. Geschäftshaus
Lindenstraße 80 · Neustadt/Süd
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3739 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohn- u. Geschäftshaus |
| Adresse | Lindenstraße 80, 50674 Köln |
| Baujahr | um 1903 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 29.09.1986 |
| Stadtteil | Neustadt/Süd |
Das Wohnhaus wurde um 1903 errichtet. Baugeschichtlich ist das als traditionelle rheinländische Dreiachsenhaus verfaßte füngeschossige Gebäude mit ausgebauter Dachzone bedeutend, weil es die Umwandlung des Wohnungsbaus von klassischer zu moderner Weise allgemein und die des Kölner Jugendstils im Besonderen belegt. Die Betonung der Mittelachse der sonst einheitlich durch zarte Fugenschnitte charakterisierten Stuckfassade deutet noch auf das vom Spätklassizismus überkommende Bestreben nach Symmetriegliederung. Der starke risalitartige Vorsprung mit breiten, dreiteiligen Fenstern bildet einen in vier Stockwerken durchgehenden Erker als Hauptakzent der Fassade. In seinem Ausmaß ist auch der Laden des Erdgeschosses verfaßt, wobei ganz ungewöhnlich sind die zwei gleichrangigen Hauseingänge auf beiden Seiten der Sokkelzone. Die unruhige Rundung der Fenster und ihre Beschmükkung, die Schwingungen der umliegenden Linien, besonders in der sich wiederholenden Blattmotiv-Ornamentik, deuten den Einbruch der Jugendstil-Mode an.
Im Hausinnern ist das festlich, mit Farbkacheln-vlies und -boden, sowie mit Stuckdecke geschmückte Foyer mit kassetierten Wänden zu erwähnen. Die Holztreppe aus der Erstbebauungszeit ist von einem Antrittspfosten und gedrechseltem Geländer begleitet. Zum Hoftrakt sind noch einzelne Fenster in ursprünglicher Teilung und Durchführung erhalten.
Ortsgeschichtlich ist das Objekt bedeutend, weil es die Erstbebauung des westlichen Gebietes des ehemaligen Rayonsgeländer und somit die Entstehungsgeschichte der Kölner Neustadt belegt. Die Bebauung nach dem von J. Stübben und K. Henrici 1881 erstellten Erweiterungsplan erfolgte in mehreren Phasen und ließ zwischen dem Mauritiuswall und den preußischen Befestigungsanlagen ein Netz von Straßen mit jeweils unterschiedlicher Bestimmung entstehen. Die von Ringanlagen nach Westen führende Lindenstraße war nicht nur als topographisch klar ablesbare Durchzugsstraße sondern auch als eine bevorzugte Anlage für verschiedene Geschäfts- und Gewerbeeinrichtungen sowie Wohnhäuser für Bürger mit mittleren und gehobenen Ansprüchen angelegt.
Städtebaulich korrespondiert das o. g. Gebäude mit den Nachbarhäusern der Straße in der Höhe, Bauproportionen und auch einzelnen thymisierenden Gliederungen der Fassaden. Die Häuser der geschlossenen Straßenzeile treten miteinander in ein kummunikatives System ein, daß das Erscheinungsbild der Gründerzeit in ihrem Stilwandel anschaulich und rekonstruierbar macht.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0