Wohn- u. Geschäftshaus

Neusser Straße 67 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2699
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Neusser Straße 67, 50670 Köln
Baujahrum 1902
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 16.10.1984
Stadtteil Neustadt/Nord

Zwischen der inneren und der äußeren Wallanlage Kölns wurde ab 1881 bis 1810 ringförmig um die Altstadt die vierte Stadterweiterung nach der Planung des Aachener Professors Karl Henrici und des Stadtbaumeisters Hermann-Joseph Stübben als erste große Stadterweiterung Deutschlands durchgeführt. In einheitlicher, spätklassizistischer Planungsauffassung wurden unter Berücksichtigung überkommener Stadtstrukturen neue Bereiche geschaffen und durch städtebauliche Bezüge untereinander verbunden. Der Neustadtbereich der Neusser Straße liegt in der geradlinigen Verlängerung der Straße des mittelalterlichen Eigelsteins über die Eigelsteintorburg hinaus. Die beidseitig auf die Eigelsteintorburg bezogenen Räume dieses Straßenbereichs wurden auf der strategisch linear angelegten Trasse der römischen Ausfallstraße nach Neuss errichtet. Zwischen den Pendants des Ebertplatzes mit der Eigelsteintorburg einerseits und dem Neusser Platz mit der Agneskirche andererseits bildet die Neusser Straße das Rückgrat zwischen dem "Gerichtsviertel" und dem "Dreikönigenviertel". Die aufeinander abgestimmten Maßstäbe des herrschaftlich breiten Straßenraums mit Baumalleen zu beiden Seiten der prachtvollen, viergeschossigen Bebauung bewahrt mit dem Ausblick auf die Eigelsteintorburg hinter der Weite des Ebertplatzes den mittelalterlichen Eindruck vor den Toren der Stadt und überwindet die Raumtiefe des nördlichen Neustadtgürtels durch Ausrichtung auf den überragenden Turm von St. Agnes. Die Traufhöhe der viergeschossigen Bebauung, welche vom Langhaus der Agneskirche übernommen wird, bildet die obere horizontale Begrenzung des Straßenraums. Die abwechslungsreichen Architekturen der Straßenwände mit den abgeschrägten Ecken an den Kreuzungen der Schilling- und Balthasarstraße, leiten zu den Hausfronten der schmaleren Seitenstraßen über.

Das Gebäude Neusser Straße 67 wurde um 1902 als fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit drei Fensterachsen, einem Erker und einer Stuckfassade errichtet. Die architektonische Aussage wird in der Hauptsache durch die Symmetrie beider Fassaden zueinander bestimmt - mit der Lage der Symmetrieachse auf der Stirnseite der Brandmauer zwischen beiden Gebäuden. Die geschlossene, einheitliche Form der Erker mit abgeschrägten Seiten in den beiden äußeren Achsen flankieren als vertikale Riegel das gemeinsame Mittelfeld der OGs. Dieses gestalterische, bis zum Traufgesims durchlaufende Prinzip, fassen das für beide Häuser einheitliche Stockwerkgesims der Ladenzone der EGs und das ausladende Traufgesims, das die beiden Erker einbezieht und oberhalb in die Fassade einbindet, horizontal zusammen. Zudem lassen die Eckquaderungen am 1. bis 4. OG und die zugunsten der Vertikalität der Fensterachsen unterbrochenen Fensterbankgesimse die 1. bis 4. OGs als einheitliches Fassadenelement eerscheinen. Die Basis der Mansarddächer und die hohen Rechtecke der Dachgauben leiten die Wirkung des Traufgesimses und der Fensterachsen in die Dachzone über. Die Reihen der von Geschoß zu Geschoß abnehmenden Fensterhöhen, welche die Dachgaubenfenster mit einschließen, stehen in klassizistischer Tradition optischer Überhöhung. Trotz traditionellem Bewußtseins läßt die Betonung der Vertikalen und der die Lichtmaße der Fenster betonende, flächig gehaltene Fassadenstuck die Hinwendung zum Licht als wesentliches Merkmal des Jugendstils erkennen. Im Hausflur schließen die Wandsockel mit wulstigem, halbrundem Profil ab. Die Wandflächen darüber sind in je zwei Quadraten aufgeteilt, die von geradlinig begrenzten, bandförmigen Rahmungen umgeben werden, über deren Innenecken naturalistische Blattformen liegen. Die Kehle der niedrigen Decke besteht aus einem vielteiligen Profil mit einer Zahnleiste im unteren Drittel. Der ebene Deckenspiegel trägt eine schmale Deckenfeldrahmung und einen Kranz aus Blüten und verschiedenartigen Blättern. Die Unterkante des Kehlprofils und die Unterseite des scheitrechten Stützbogens liegen auf gleicher Höhe. Der Stützbogen liegt auf pilasterförmigen Mauervorlagen. Die oberen zwei Drittel der Innenflächen der Pilaster und die Unterseite des Stützbogens sind gefeldert. Die Treppe besteht aus rot-weißem Terrazzo. Der einläufige Lauf ändert seine Richtung in der Mitte um 180 Grad und schließt an den Podesten geradläufig an. Das Treppengeländer und der Handlauf bestehen aus Holz. Der hohe, formal reich gestaltete Antrittsposten besteht aus einer zylindrischen Basis, einem mehrringigem Mittelteil, einem konischen, kannelierten Schaft und einem oberen Abschluß aus Vase mit bekrönendem Zapfen. Die Stockwerkspodeste tragen Fliesenblag. Der Bodenspiegel besteht aus achteckigen, weißen und quadratischen, roten Fliesen in den Zwischenfeldern, die Randrahmung aus roten Fliesen. Die Wohnungen enthalten vom ursprünglichen Ausbau Deckenstuck, Türblätter und -gewände. Der Deckenstuck besteht aus tiefliegenden Hohlkehlen mit kraftvoll ausgeprägten Randwulsten und aus unterschiedlichen, plastisch kraftvoll ausgebildeten Mittelrosetten aus Kombination geometrischer Grundmuster.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0