Wohn- u. Geschäftshaus

Hansaring 34 · Neustadt/Nord

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2740
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohn- u. Geschäftshaus
Adresse Hansaring 34, 50670 Köln
Baujahr1888
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 06.11.1984
Stadtteil Neustadt/Nord

1888 erbaut; Eckhaus zur Adolf-Fischer-Straße.

Fassade: vier Geschosse; 3:3 Achsen und abgeschrägte Ecke mit Betonung durch zweigeschossigen Erker auf rechteckigem Grundriß mit aufgesetztem Balkon im 3. Obergeschoß; gelbe Backsteinfassade mit Stuckgliederungen in stilistischen Anklängen an die Renaissance; Erdgeschoß mit Fugenschnitt und rundbogigen Fensteröffnungen 1981 in historisierender Weise verändert (ursprüngliches Ladengeschäft mit Schaufensteranlagen in der Nachkriegszeit erneuert); Fensteröffnungen im 1. bis 3. Obergeschoß rechteckig, Fenster erneuert; rundbogiger Hauseingang an äußerster linker Gebäudekante, Haustür stilistisch angepaßt erneuert.

Im Inneren original erhalten: Von der Grundrißstruktur nur die straßenseitig gelegenen Räume (neue Geschoßdecken aus Beton, zwei Stuckdecken nach originalem Vorbild rekonstruiert).

Das im Krieg zerstörte Dach war verändert wiederaufgebaut.

Die rückwärtig und oberhalb des 4. Geschosses 1995 - 97 errichteten Neubauteile sind nicht Bestandteil des Denkmals.

Die Kölner Neustadt, die seit 1881 bis in den Beginn des 20. Jahrhunderts unter Josef Stübben als Stadtbaumeister und nach seinen Plänen halbkreisförmig um das alte Stadtgebiet angelegt worden ist, gilt als eine der bedeutendsten Stadterweiterungen des 19. Jahrhunderts. Sie entstand von Anfang an nicht als einheitlicher Stadtteil, sondern als Gefüge verschiedenartiger Wohnviertel entlang der Ringstraße als repräsentativem Boulevard.

Entsprechend abwechslungsreich sind auch die einzelnen Abschnitte der Ringstraße angelegt.

Der Hansaring bildet zwischen dem Ebertplatz im Nordosten und dem als Grünanlage breit ausgebauten Kaiser-Wilhelm-Ring im Südwesten einen breit angelegten, baumbestandenen Straßenraum.

Seine geschlossene Bebauung wurde auf der Altstadtseite von Beginn an durch die parkartig gestaltete Grünanlage des Hansaplatzes unterbrochen. Dieser Platz sollte im neu angelegten Stadtbild der Neustadt an die frühere Situation erinnern, indem dort ein Teil der alten Befestigungsanlagen mit mittelalterlicher Stadtmauer, Gereonsmühlenturm und Wallgraben belassen wurde. Als Begrenzung der Altstadt bildet die am Gereonswall erhöht liegende Stadtmauer den kulissenartigen Hintergrund für den Hansaplatz, der seitlich durch die einseitige Bebauung der Adolf-Fischer-Straße und der Straße "Am Kümpchenshof" gerahmt wird.

Von der Erstbebauung der Neustadt sind im Bereich des Hansaplatzes die Baudenkmäler Adolf-Fischer-Str. 8 und 10, Am Kümpchenshof 3, 11 und 13 sowie Hansaring 33, 37, 41 und 43 erhalten geblieben.

Auch das o. g. Gebäude Hansaring 34 an der Ecke zur Adolf-Fischer-Straße dokumentiert in den erhaltenen Teilen zusammen mit den benachbarten Häusern Hansaring 38 und 50 diese erste Phase der Neustadtbebauung an exponierter Stelle.

Während das Erdgeschoß 1981 durch Umnutzung des Ladenlokals zu Bürozwecken mit schlichten Rundbogenfensteröffnungen im glatten Fugenschnitt mit einfacher Lisenengliederung in historisierendem Sinne neu hergestellt worden ist, sind die drei Obergeschosse der Fassade einschließlich des über Konsolen vorkragenden Dachgesimses in ihrer ursprünglichen Gliederung - einem für die stilistische Richtung der Renaissance bezeichnenden Schmuckreichtum - erhalten bzw. restauriert. Die Fassaden weisen eine Mischung aus Elementen im Stil der italienischen und deutschen Renaissance auf. Neben den italienischem Formenrepertoire entlehnten Motiven - obeliskartige Pilasteraufsätze, Ädikularahmungen der Erkerfenster und horizontaler Dachabschluß - ist die backsteinsichtige Fassade mit Querbänderung typisch für die zeitgenössische Auffassung von deutscher Renaissance.

An beiden Fassaden des Gebäudes zu Adolf-Fischer-Straße und Hansaring sind die Mittelachsen durch Giebelverdachungen der Fenster betont, wobei die Ringstraßenseite durch einen Balkon im 1. Obergeschoß in der traditionsgemäß reicher gestalteten Belétage besonders hervorgehoben wird und sich zusätzlich durch die Pilastergliederungen und Kartuschen zwischen den Fensterachsen als breitere Schauseite auszeichnet.

Da durch Kriegseinwirkungen bereits erhebliche Verluste an originaler Substanz zu verzeichnen waren und das Gebäude in der Nachkriegszeit besonders im Bereich des Daches Veränderungen erfahren hatte, bestanden hinter der Fassade nur noch die straßenseitig gelegenen Räume. Von der sich ursprünglich sicher in reicher Formensprache darstellenden Ausstattung im Inneren waren nur Reste von Stuckdecken erhalten, die rekonstruiert wurden. Im Zuge einer umfangreichen Neubebauung des Blockareals bis zur Adolf-Fischer-Straße wurden 1995 - 97 die historischen Gebäude am Hansaring einbezogen. Das o. g. Objekt Hansaring 34 besitzt aufgrund seiner Gestaltungsqualitäten, aber auch hinsichtlich seiner städtebaulichen Bedeutung den Charakter eines Baudenkmals, das als ehemals prägender Bestandteil an das gründerzeitliche Erscheinungsbild von Hansaring und Hansaplatz erinnert und deshalb auch in veränderter Form erhaltenswert ist.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0