Wohnhaus

Goethestraße 64 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_2798
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Goethestraße 64, 50968 Köln
Baujahr1922
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 26.02.1985
Stadtteil Marienburg

Das Haus Goethestraße 64 wurde im Jahre 1922 von dem über die Grenzen Kölns hin bekannten Architekten Clemens Klotz für den Regierungsrat Dr. Rheindorff gebaut. Bis auf das Mobiliar und die Türbeschläge im Innern ist das Haus im originalen Zustand erhalten, so wie er in der Publikation "Architekt Clemens Klotz B.D.A." (= Sonderdruck Neue Baukunst, um 1930) dokumentiert ist. Die Architektur folgt - im Werk vom Clemens Klotz einmalig - der Sprache des strengen Klassizismus der Zeit um 1800, allerdings in der dem Architekten eigenen und für die 20er Jahre typischen Art der Interpretation. Kennzeichnend ist die äußerst knappe Formensprache des streng symmetrischen Hauses: zweigeschossiger Würfelbau mit dreiachsiger Vorder- und Rückfront (durch ein stark hervortretendes Portal bzw. auf der Rückseite durch einen von Säulen getragenen Balkon betont) und einem diesen beiden Geschossen in der Höhe entsprechenden Giebel mit stark profilierten Gesimsen als oberen Fassadenabschluß. Die Giebelfelder werden auf der Straßen- und Gartenfront jeweils lediglich von einem Halbrundfenster durchbrochen. Die Wandfelder des Hauses sind an allen Seiten mit einem rauhen Edelputz versehen, die Fenster (entsprechend Werksteinumrahmungen) mit zementierten Rahmungen umgeben, die, wie bei der Rahmung des Portals, "steinmetzmäßig" bearbeitet sind. Im OG besitzen die Fenster eine horizontale Dreierteilung (sechs annähernd quadratische Felder), im EG eine Viererteilung (acht Felder). Hinzu kommen bei allen Fenstern (ursprünglich grün gestrichene) Schlagläden. Sämtliche Fassadenteile sind heute weiß überstrichen, was nicht dem ursprünglichen Bild mit hell-sandfarbener Putzfassade und hellgrauen Gewänden entspricht. Über dem Portal befand sich 1922 ein Relief mit einer expressionistischen Darstellung. Dieses Relief ist wohl jenes Terrakotta-Relief mit Diana (vermutlich eine Arbeit von Willy Meller, mit dem Cl. Klotz bevorzugt zusammenarbeitete), das sich heute an der Rückwand es offenen Kamins im Wohnraum befindet. Links (südlich) von der Straßenfront befindet sich, mit dem Haus verbunden, ein späterer (vermutlich aus den 20er Jahren stammender) Garagenanbau. Original erhalten ist auch das schlichte Eisengitter, das im Bereich des Eingangs halbkreisförmig zurückschwingt. Die Knappheit und Präzision des Äußeren setzt sich auch in der Raumfolge, dem Grundriß des Hauses, fort. Zentrum bildet eine relativ enge Eingangsdiele, von der rechts das Treppenhaus nach oben führt. Um die Diele gruppieren sich im EG der Wohnraum, das Eßzimmer, die Küche und eine Garderobe. Dieser als auch der Grundriß im OG sind original erhalten. Im Wohnzimmer befindet sich ein niedrigerr offener Kamin. Sämtliche Türen des Hauses (auch die Eingangstür) sind nach Entwürfen von Cl. Klotz gearbeitet.

Dieses Haus repräsentiert auf einem hohen baukünstlerischen Niveau das Architekturschaffen der 20er Jahre in Köln und ist in gleicher Weise ein bedeutendes Zeugnis für den Kölner Architekten Cl. Klotz, einem der wichtigsten rheinischen Architekten der Zwischenkriegszeit. Marienburg zählt trotz der Zerstörungen zu den bedeutendsten und geschlossensten Villen Kolonien in Deutschland und zu einem der besterhaltenen historischen Stadtviertel innerhalb Kölns. Das Haus Goethestraße 64 trägt wesentlich zur Ablesbarkeit dieses städtebaulichen Konzepts bei. Innerhalb der Ortsgeschichte Marienburgs verweist der Bau auf das künstlerisch hohe Niveau der meisten hier errichteten Villen, durch die dieser Vorort sich wie ein Spiegelbild bester moderner Baukunst Kölns dargibt. Die gegenüber den Villen der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg geringe Größe dieses Hauses verdeutlicht exemplarisch den gesellschaftlich-politischen Strukturwandel nach dem Ende der Kaiserzeit, zu Beginn der Weimarer Republik und zu der Zeit der Inflation (1923).

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0