Wohnhaus

Goethestraße 56 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3216
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Goethestraße 56, 50968 Köln
Baujahrum 1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 17.09.1985
Stadtteil Marienburg

Das Haus Goethestraße 56 ist Teil des Doppelhauses Goethestraße 54 - 56. Das o. g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die 2geschossige, 4achsige Halbvilla ist 1910/11 errichtet worden und bildet mit der anschließenden Halbvilla eine architektonisch bewußt gestaltete Einheit. Stilistisch gehören sie mit ihren jeweils zentral angeordneten dominanten Giebelhäusern, den dazu seitlich verschobenen halbrunden Altanen, dem steilen Satteldach und der Putzfassade über einem Werksteinsockel zu jener ausklingenden Gründerzeitarchitektur, die in eigenwilliger Stilinterpretation, der Renaissance ihre Reverenz erweisen. In Anlehnung an die dort vorgefundenen Stilmittel ist das sonst bossenvermauerte EG auf den Werksteinsockel zurückgenommen, und dafür in eine, den Bedürfnissen der Bauherren eher entsprechenden, breiten Fensterfront umgestaltet worden. Die in die Eckzonen verschobenen, die halbe Halbvillenfront einnehmenden, halbkreisförmigen Altane sind ebenfalls vollkommen durchfenstert, wodurch der gewünschte Effekt der überwundenen Abschirmung im EG-Bereich, zugunsten einer freien Öffnung nach draußen, gesteigert wird. Das OG wird durch ein einfach profiliertes Gesims vom EG getrennt. Seine Fensterachsen korrespondieren mit denen des EG, die im Altanbereich zu Balkontüren vergrößert den Austritt auf diesen ermöglichen. Durch die Vereinheitlichung zu einem Fensterband zusammen mit den ursprünglich vorhandenen Fensterläden ist das OG im Verhältnis zum darunterliegenden Geschoß repräsentativ hervorgehoben. Eine bewußte Steigerung der Außenwirkung der Halbvilla ist mit dem bekrönenden Mittelgiebel beabsichtigt worden. Hier hat der Architekt in Anlehnung an die italienische Giebelarchitektur des 16. Jh. ein Giebelgeschoß geschaffen, das dem sonstigen Bau wie eine Krone aufgesetzt wurde. Die Giebelhäuser der Halbvillen sind leicht verschieden gestaltet. In der Villa Goethestraße 56 erhebt sich über einem leicht gekrümmten Fenstersegment ein stark hervorspringendes verputztes Giebelfeld, das an all seinen Rändern durch zusätzlich hervortretende einfache Profile verstärkt wird. Der Giebel wird in der gekrümmten Fensterebene durch engstehende Säulen, deren Basen und Kapitelle aus Würfeln bestehen, gestützt. Die freie Seite der Halbvilla ist durch einen halbseitigen Vorsprung gegliedert. Der Vorsprung ist in der Dachfläche, die mit einer aufwendigen Biberschwanzdoppeldeckung versehen ist, an der Hauptfassade ablesbar. Innen ist die originale Grundrißstruktur bislang nicht verändert worden. Sowohl das Holztreppenhaus mit seinen buntverglasten Fenstern als auch die Zimmertüren sind noch original erhalten.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg überwiegend nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eine der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und draüber hinaus auch in Deutschland ist. Die Halbvilla Goethestraße 56 als Teil des Doppelhauses ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Goethestraße 56 ist in seiner großzügigen Konzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Mit außerordentlichem Stilempfinden hat der Architekt die der Renaissance entlehnten Stilmittel in ein Haus des beginnenden 20. Jh. transformiert, wodurch der Charakter des Hauses eindeutig der Epoche seiner Erbauung zugeordnet werden kann. Anhand der bis ins Detail erhaltenen Außenfront wird damit das hohe Niveau jener Architekturepoche mit dem Umgang historischer Vorbilder, hier der Renaissance, eindrucksvoll und lehrreich vermittelt. In Köln ist heute nur noch vereinzelt der Typ einer späten Gründerzeit-Halbvilla zu finden, noch vile weniger mit deren spezifischen Qualität. Sie ist daher ein wichtiges Zeugnis für die für Köln so bedeutende Architektureposche der späten Gründerzeit, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0