Wohnhaus

Goethestraße 53 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3592
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Goethestraße 53, 50968 Köln
Baujahrum 1910
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 15.05.1986
Stadtteil Marienburg

Das 3geschossige Haus mit ausgebautem Dachgeschoß wurde nach Angaben der Eigentümerinnen von ihrem Onkel, dem Architekten Anton Düssel, 1909/10 entworfen. Kennzeichnend für dieses Haus ist eine strenge und äußerst klare Architekturauffassung, die sich in dem ruhigen Aufbau der Geschosse, der rhythmischen Gestaltung der Fassade, den mit Sprossen stark durchrasterten hohen Fenstern und der Verwendung nur weniger Baumaterialien ausgedrückt. Diese Gestaltungskriterien lassen das Haus stilistisch der vom Deutschen Werkbund beeinflußten Reformarchitektur zuordnen. Die straßenseitige Hauptfassade wird durch einen seitlich angeordneten, segmentartigen Parterreerker akzentuiert. Mit sehr feinen Profilen, zurückhaltenden Gesimsen und Schlagläden im Obergeschoß wird die Putzfassade vornehm gegliedert. Das sich über einem weit vorspringendem Kranzgesims erhebende Mansarddach wird durch übergiebelte Zwerchhäuser und dazwischenliegenden Gauben belichtet. Diese Fensterflächen sind bei ihrer Auswechslung nicht wieder mit Sprossen gegliedert worden.

Innen ist das Haus von Anfang an als Zweifamilienhaus konzipiert worden. Dadurch bedingt ergänzen zwei im jeweiligen Wohnbereich angeordnete Treppenhäuser das über den seitlichen Eingang betretbare Haupttreppenhaus, von denen das das Obergeschoß mit dem Dachgeschoß verbindende Teiltreppenhaus noch original erhalten ist. Die Hauptwohnetagen, das Hochparterre und das Obergeschoß, sind durch intarsiengeschmückte Holzbalkendecken und Stukkaturen in ihrer Bedeutung hervorgehoben. Ein sehr einfühlsamer, den Grundriß nur leicht modifizierender, Umbau 1953 durch den Architekten Hanns Koerfer trug den veränderten Wohnbedürfnissen nach dem Zweiten Weltkrieg Rechnung. Neben der Hauseingangstür sind noch einige Innentüren original erhalten.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Goethestraße 53 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Das Haus Goethestraße 53 ist in seiner Gesamtkonzeption als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. In den ruhigen und in ausgewogenen Proportionen zueinanderstehenden Baumassen, der Verwendung sog. "ehrlicher" Materialien im Gegensatz zum Stuck, gehört die Villa zur Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende, die, vom Deutschen Werkbund beeinflußt, eine Abkehr von den stukkierten Bauten des 19. Jh. bedeutete. Ziel dieser Architekturrichtung war es, das Bauwerk aus sich selbst heraus sprechen zu lasen, was hohe Anforderungen an die Detailgestaltung beinhaltete. An allen Details des Hauses ist diese Forderung des Deutschen Werkbundes nach qualitätvoller, funktionsgerechter Verwendung der Baumaterialien ablesbar. Neben den o. g. Gründen besteht an der wissenschaftlichen Erforschung des Hauses auch deshalb ein großes Interesse, weil es als eines der wenigen baulichen Dokumente des Architekten Anton Düssel das Schaffen dieses Baumeisters überliefert.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0