Wohnhaus
Marienburger Straße 27 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3517 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Marienburger Straße 27, 50968 Köln |
| Baujahr | 1910 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 21.03.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Die 2geschossige Villa ist 1910 (inschriftlich) für den Prokuristen Dr. Rauter errichtet worden. In Anlehnung an die Interpretation des englischen Landhausstils durch den Architekten Muthesius wird die straßenseitige Fassade von einem tief heruntergezogenen, leicht geknickten Giebel beherrscht. Zusätzlich öffnet diese sich repräsentativ mit einem halbrunden Erdgeschoßerker in Rustikamauerwerk. Ebenfalls ist der seitliche Eingang durch den gleichen graugrünen Sandstein in seiner Bedeutung hervorgehoben. Ansonsten ist die Fassade verputzt, im Dachgeschoß durch Fachwerk unterstützend gegliedert. Der Altanbereich wird von fünf hochrechteckigen Fenstern durchbrochen, über denen Stuckmedaillons angeordnet sind. Eine Werksteinbrüstung mit breitem Gesims schließt den Parterreerker zum oberen Balkonbereich ab. Die vier Fenster des Obergeschosses sind mit dominanten Werksteinrahmen versehen, die zusammen mit den farblich dazu abgestimmten mittelbraunen Schlagläden den Eindruck eines Fensterbandes hervorrufen. Über den Kämpfer ist die Fensterfläche, wie bei den Altanfenstern, mit Sprossen gegliedert. Das kräftig aus der fassadenebene hervortretende Dach wird in seinem Knickpunkt durch einen ebenfalls hervorspringenden Deckenriegel, von dem ein schmales verschiefertes Pultdach zur Fassadenebene zurücktritt, unterteilt. Zwei mal zwei kleine Fenster, zwischen Fachwerkpfosten eingepaßt, belichten das Dachgeschoß. Die Dacharchitektur der Fassade endet in einem Schopfwalm. In mehreren Vor- und Rücksprüngen folgen die sonstigen Fassaden des Hauses, dem von den Wohnbedürfnissen bestimmten Grundriß. Die Dachhaut besteht aus Schiefer.
Im Innern des Hauses ist die Diele durch Vertäfelung und einen Kamin hervorgehoben. Die Decken der Räume sind mit reichen Stuckornamenten versehen; auf einer von ihnen ist in Rosettenform eine große geschlossene Deckenlampe aus Metall angebracht. Schattenrißarig sind in die Schrägseiten der Lampe Tierkreiszeichen in das Metall geschnitten. Das Holztreppenhaus wie auch die meisten Türen sind noch original erhalten.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Marienburger Straße 27 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Die Villa Marienburger Straße 27 ist in ihrer Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Mit ihrem subtil gestalteten Knickgiebel, den Werkstein- und Fachwerkgliederungen sowie dem Dachmaterial Schiefer wird ein malerisch-romantischer Eindruck hervorgerufen, wodurch die Architektur nahe dem Heimatstil einzuordnen ist. In enger Anlehnung an Muthesius hat der Architekt dessen eigentümliche Mischung aus Gestaltungsprinzipien des englischen Landhausstils mit Elementen des norddeutschen Bauernhauses übernommen. Der englische Landhausstil hatte sich in Deutschland Anfang des Jh. - begünstigt durch die umfassenden Untersuchungen des Berliner Architekten Hermann Muthesius in England - bei den wohlhabenden Bürgerschichten breit durchgesetzt. Seine Elemente der Schlichtheit, der Funktions- und Materialgerechtigkeit spiegelten die Erfahrungen des Bürgertums aus seiner Fabrik- und Arbeitswelt wider. Das Landhaus, vielmehr die Vorortvilla, sollte aber nicht nur frei, einladend, hell und bequem sein, sondern durch malerische Akzente und repräsentative Gestaltung dem Selbstwertgefühl der gut situierten Bürger Rechnung tragen. Der mittig angeordnete Werksteinaltan ist Ausdruck dafür, der ländlichen Stilcharakteristik ein repäsentatives Element beizugeben. In ihrer Mischung aus Behaglichkeit und Repäsentanz zeigt die Villa Marienburger Straße 27 beispielhaft die Überwindung der traditionellen Stilarchitektur und leitet damit als Reformarchitektur die sog. Moderne ein. An der Erforschung dieses Umbruchs besteht ein großes wissenschaftliches Interesse.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0