Wohnhaus

Robert-Heuser-Straße 1 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3659
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Robert-Heuser-Straße 1, 50968 Köln
Baujahrum 1912
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 10.07.1986
Stadtteil Marienburg

Das Haus Robert-Heuser-Str. 1 ist Teil des Doppelhauses Robert-Heuser-Str. 1 - 3. Die 2-geschossige, 4-achsige Halbvilla ist 1910 für den Direktor Otto Kayser errichtet worden.

Mit der anschließenden Halbvilla, mit der sie eine architektonisch bewußt gestaltete Einheit bildet, gehört sie zum charakteristischen Typ der Doppelvilla nach der Jahrhundertwende in Marienburg.

Mit ihren jeweils mittig angeordneten dominanten Giebelhäusern, den dazu seitlich verschobenen, polygonalen Erdgeschoßerkern mit Altane und dem großen rundbogigen Erdgeschoßfenster ist die Doppelvilla stilistisch zu jener ausklingenden Gründerzeitarchitektur zuzurechnen, die in eigenständiger Stilinterpretation dem Klassizismus ihre Reverenz erweist. Die flächige Putzfassade bezieht ihre Wirkung aus der subtilen Zuordnung von verschiedenen Fensterformen, räumlich scharfgratigen Polygonerkern und der durch Schlagläden zu einem Band zusammengefaßten Fensterreihe des Obergeschosses. Die Fenster schneiden alle ohne Rahmung in das Mauerwerk ein und sind in ihren Flächen mit einem dichten Sprossennetz überzogen. Ein weit vorkragendes Kranzgesims trennt den Baukubus vom ursprünglich verschieferten, für jedes Halbhaus gesondert identifizierbaren Mansarddach.

Eine bewußte Steigerung der Außenwirkung erfährt die Doppelvilla durch die bekrönenden Mittelgiebel. Hier hat der Architekt in Anlehnung an den klassizistischen Formenkanon ein Giebelgeschoß geschaffen, das dem Bauwerk wie eine Krone aufgesetzt wurde. Die Giebelfelder sind mit einem sehr feinen, mehrfach profilierten Gesims umrandet und durch ein ovales Fenster mit floralem Kranz (in Haus Nr. 3 verloren) zusätzlich geschmückt. Die Treppenhäuser mit ihren farbig gestalteten, rundbogigen Fenstern und die Eingänge liegen zu beiden Seiten der Doppelvilla.

Im Inneren der Halbvilla Robert-Heuser-Str. 1 ist das rückwärtige ehemalige Speisezimmer mit seiner reichen Jugendstildecke der repräsentativste Raum des Hauses. Verändert wurde das große ehemals rundbogige Jugendstilfenster des Wintergartens sowie dessen Durchbruch zum Speisezimmer. Auch ist die rückwärtige Altane zu einem Wohnraum umgebaut worden. Abgesehen von diesen behutsamen Veränderungen ist der Erhaltungszustand des Hauses hervorgehoben. So sind noch das großzügige Holztreppenhaus, die meisten Türen mit ihren Originalbeschlägen und einige Heizkörperverkleidungen in Jugendstilformen als Dokumente der Erbauungszeit erhalten.

Die Doppelvilla Robert-Heuser-Str. 1 - 3 ist in ihrer großzügigen Konzeption und in der sorgfältigen Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Mit außerordentlichem Stilempfinden hat der Architekt die dem Klassizismus entlehrten Stilmittel in ein Haus des beginnenden 20. Jahrhunderts transformiert, wodurch der Charakter des Hauses eindeutig der Epoche seiner Erbauung zugeordnet werden kann. Anhand der überwiegend bis ins Detail erhaltenen Außenfront wird damit das hohe Niveau jener Architekturepoche mit dem Umgang historischer Vorbilder, hier des Klassizismus, eindrucksvoll und lehrreich vermittelt. In Köln ist heute nur noch vereinzelt der Typ einer späten Gründerzeit-Doppelvilla zu finden, noch viel weniger mit derer spezifischen Qualität. Sie ist daher ein wichtiges Zeugnis für die für Köln so bedeutende Architekturepoche der späten Gründerzeit, an deren weitergehenden Erforschung ein wissenschaftliches Interesse besteht.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonie in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Doppelhaus Robert-Heuser-Str. 1-3 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen der gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0