Wohnhaus
Marienburger Straße 33 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3768 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Marienburger Straße 33, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1910 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 14.10.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Die zweigeschossige Villa in stark verwinkelter Bauweise ist laut Grevens Adressbuch 1913 für den Universitätslehrer Jakob Gareis mit zurückhaltend neuklassizistischem Formenschmuck errichtet worden. Ihre Eckstraßenlage hat der Architekt zur Präsentation zweier dominanter Straßenfassaden genutzt, die die städtebauliche Eingangssituation zur Robert-Heuser-Straße bestimmt. Maßgeblich beteiligt an dieser Akzentuierung ist der halbrund gestelzte, turmartige Eckrisalit an der Marienburger Straße, dem an der Robert-Heuser-Straße ein weit vorspringender, breiter Mittelrisalit mit Altane antwortet. Die Hochzonung des halbrunden Erkers bis zur Bruchkante des Walmdaches sowie die steile Übergiebelung des zurückgesetzten Zwerchhauses am Mittelrisalit unterstreichen nachdrücklich deren Repräsentationsaufgaben. Anders als der zu dieser Zeit in Marienburg schon weit verbreitete englische Landhausstil ruht das Bauwerk auf einem aus dem Erdreich ragenden Souterraingeschoß, wodurch - zusammen mit dem hohen verschieferten Mansarddach - die Dominanz des Eckhauses zusätzlich betont wird. Leicht profilierte Gurtgesimse sowie ein breites Kranzgesims mit kräftig vorspringender Traufe halten die vielfältige Vertikalstruktur des Hauses horizontal zusammen. In die flächige Putzfassade schneiden die nur mit fein profiliertem Sohlbankgesims gerahmten Fenster scharfkantig ein, die im Obergeschoß zusätzlich von Schlagläden begleitet werden. Die Flächen der Oberlichter bzw. der Dachfenster überzieht ein lichtes Sprossennetz. Zudem sind die Fassadenflächen mit wenigen Stuckmedaillons geschmückt. Die Belichtung des Dachgeschosses wird durch dreieckig übergiebelte Zwerchhäuser und zusätzliche Gauben erreicht. An der rückwärtigen Front öffnet sich das Haus über mehrere Loggien und Balkone dem Garten. Über eine kleine dreistufige Freitreppe mit repräsentativem Säulenportikus und reich kassettierter Tür wird das Haus an der Seite betreten. Im Inneren sind durch Umbauten 1957 und der späteren Umwandlung zu einem Mehrfamilienhaus Grundrißänderungen vorgenommen worden. Hierbei wurde die Küche aus dem Souterrain verlegt, eine Loggia geschlossen, eine weitere zu einem Balkon geöffnet und an der Rückseite erfolgte ein Terrassenanbau. Abgesehen von der Schließung des Duchganges zum halbrunden Erker im Erdgeschoß sind jedoch die Hauptwohnräume der beiden Hauptgeschosse mit ihrem reichen Deckenstuck und Eichenholzpaneelen erhalten geblieben. Vorhanden sind auch noch das Holztreppenhaus einschließlich seiner Farbverglasung, die meisten Türen und mehrere Fenster, wie auch die zur Villa gehörende schmiedeeiserne Vorgarteneinfriedung.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Marienburger Str. 33 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch die Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Das Haus Marienburger Straße ist ein seiner Gesamtkonzeption als auch in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. In den ruhigen und in ausgewogenen Proportionen zueinanderstehenden Baumassen, der Verwendung sogenannter "ehrlicher" Materialien - im Gegensatz zum Stuck - gehört die Villa zur Reformarchitektur bald nach der Jahrhundertwende, die, vom Deutschen Werkbund beeinflußt, eine Abkehr von der stukkierten Bauten des 19. Jahrhunderts bedeutet. Ziel dieser Architekturrichtung war es, das Bauwerk aus sich selbst sprechen zu lassen, was hohe Anforderungen an die Detailgestaltung beinhaltete. In der vorsichtigen Verbindung mit dem Formenapparat der ab 1910 sich herausbildenden Baustilepoche des Neuklassizismus hat der Architekt zudem eine Villa geschaffen, die den Intentionen des gehobenen Bürgertums nach qualitätvoller, funktionsgerechter Architektur bei gleichzeitiger Repräsentanz weitgehend entsprach. Mit dieser Zusammenführung von historischem Zitat und material- und funktionsgerechter Bauweise steht die Villa Marienburger Str. 33 an der Umbruchstelle von Stilarchitektur des 19. Jahrhunderts und sogenannter "Moderne", deren wissenschaftliche Erforschung von großer Wichtigkeit ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0