Wohnhaus

Goethestraße 24 · Marienburg

Baudenkmalnummer DE_05315000_A_3568
Typ Gebäude-Denkmal
BezeichnungWohnhaus
Adresse Goethestraße 24, 50968 Köln
Baujahrum 1908
Eigentumprivates Eigentum
Eingetragen seit 18.04.1986
Stadtteil Marienburg

Das Haus, gebaut 1910, gehört mit seiner malerischen, verschachtelten Architektur zur sog. heimatlichen Bauweise, wie sie zu Ende der ersten Dekade d. Jh. von einer Richtung des Deutschen Werkbundes bevorzugt wurde. Stilformen und Materialien sollten sich danach an den traditionellen, geschichtlich gewachsenen Bauwerken orientieren. Nach Aussage der heutigen Besitzerin wurde der Aufbau des Hauses weitgehend vom damaligen Bauherrn, dem Studienrat Paul Plessner, beeinflußt. Über einem Sockel aus Bruchsteinmauerwerk erhebt sich eine 1- bis 2geschossige Halbvilla mit einem weit hochgezogenen, teilweise verschieferten Giebel. Die Fassadenflächen sind hell verputzt. Mit jugendstilartigen Erkervorwölbungen im Dachgeschoß wird ein zusätzliches Geschoß gewonnen. Durch Verschneidungen von Dachflächen, der kubischen Durchdringung von Baumassen und einer idividuell gestalteten Rasterung der Fensterachsen wird ein pitoresker Eindruck hervorgerufen, der durchaus den Intentionen einer vom Werkbund beeinflußten Jugendstilarchitektur entspricht. Das Haus ist offensichtlich als symmetrische Doppelvilla geplant gewesen, deren zweite Hälfte jedoch erst 1924 in anderen Stilformen ausgeführt wurde.

Im Innern des Hauses sind in der Diele die bemerkenswerte Holzbalkendecke und einige Schiebetüren mit Beschlägen noch original erhalten. Eine leichte Verengung des ursprünglichen Gesamteindrucks des Holztreppenhauses wird durch Trennwände zur Wohnraumabtrennung hervorgerufen. Im rückwärtigen Teil des Hauses wurden Veränderungen vorgenommen, so die Vergrößerung der Küche und der Anbau einer Terrasse. Auch die umlaufenden Stuckprofilleisten im Wohn- und Eßzimmer sind später hinzugefügt worden. Das Dach ist heute nur noch teilweise original verschiefert; die Fenster des Erdgeschosses haben ihre dichte Sprossenteilung verloren.

Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villenkolonien in Deutschland und einem der im historischen Sinne besterhaltenen Gebiete innerhalb der Stadt Köln. Seit der Gründung dieses Villenvororts im späten 19. Jh. haben hier in Marienburg fast ausschließlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architeketen Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Goethestraße 24 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburg ist das Haus u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil es in lebendigem Kontrast die Architekturvielfalt vom Historismus zur Moderne, vom Palais bis zum einfachen Landhaus, unterstützt. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vororts Marienburg seine spezifische Ausprägung.

In seiner malerischen Gestaltung, bei zurückhaltendem Einbezug von Elementen des Jugendstils, gehört das Haus Goethestraße 24 zu den Bauten Marienburgs, die von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung sind. Mit der Orientierung an traditionellen, (lokal-)geschichtlichen Stilformen und Materialien setzte sich die vom Werkbund beeinflußte Reformarchitektur bewußt von den als unehrlich empfundenen Stuckbauten der Gründerzeit ab. In diesem Sinn ist das Haus romantisch-malerisch durchgeformt. Es ist zudem ein wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung vor dem Ersten Weltkrieg, an deren wissenschlichen Erforschung ein großes Interesse besteht.

Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0