Wohnhaus
Goethestraße 10 · Marienburg
| Baudenkmalnummer | DE_05315000_A_3729 |
|---|---|
| Typ | Gebäude-Denkmal |
| Bezeichnung | Wohnhaus |
| Adresse | Goethestraße 10, 50968 Köln |
| Baujahr | um 1925 |
| Eigentum | privates Eigentum |
| Eingetragen seit | 11.09.1986 |
| Stadtteil | Marienburg |
Das Haus ist nach Aussage der Besitzerin 1928 von dem Kölner Architekten Dr. Jakob Dondorff für den Major a. D. Paul Schütte errichtet worden. In Anlehnung an die niederrheinische Bautradition hat der Architekt unter Einbezug expressionistischer Stilelemente ein Bauwerk geschaffen, das dem zeitgenössischen Anspruch an funktionaler Architektur entsprach. Das zweigeschossige, in Backstein errichtete Haus mit quadratischem Grundriß wird von einem weit vorkragenden, ziegelgedeckten Pyramidendach überfangen, das sich durch extrem geneigte Aufschieblinge erst über den Grundrißlinien kristallförmig erhebt. Die dreieckigen Dachflächen werden von mittig aufsitzenden, zweifenstrigen Gauben akzentuiert. Verschiedene Anbauten an den vier Seiten des Baukubus spiegeln die unterschiedlichen Nutzungen der dahinterliegenden Räume wider. Zur Straße ist seitlich ein im Grundriß leicht trapezförmig sich verjüngender Erdgeschoßerker angeordnet, dessen Ziegelwände bis auf das Niveau der darüberliegenden Balkonbrüstung aufgeführt sind, was den Erker wie einen Seitenrisaliten erscheinen läßt. An den Seiten des Hauses sind ein Eingangsvorbau sowie eine kleine Garage und ein prismatisch gebrochener Erker zwanglos angefügt. Schließlich lagert an der gartenseitigen Rückfront dem Obergeschoß auf der ganzen Breite ein weit vorgezogener Balkon mit schmiedeeiserner Gitterbrüstung vor, unter dem im Erdgeschoß je zur Hälfte ein kubischer Vorbau und eine nach zwei Seiten offene Loggia angeordnet sind. Ein Pfeiler mit blütenartig aufragendem Kapitell stützt die durch die Loggienvertiefung auskragende Balkonplatte ab. Wichtigstes Gestaltungsmerkmal des Bauwerks ist der Backstein, dessen dunkle Flächigkeit allein durch die Form und Anordnung der Öffnungen gegliedert wird. Die Fenster und Türen schneiden rahmenlos in die Fassaden, wodurch deren Flächengestaltung mit horizontalen oder vertikalen Sprossen und/oder Vergitterung große Bedeutung erlangt (die vertikalen Sprossen der großen Erdgeschoßfenster sind verlorengegangen). Dunkelgrüne Schlagläden im Obergeschoß der Straßenseite sowie figürliche Reliefs von Toni Recker an der Gartenfront unterstützen die Gliederung der Fassadenflächen. Der gute Erhaltungszustand der Außenarchitektur findet im Inneren seine Entsprechung. Abgesehen von geringfügigen Grundrißveränderungen, wie etwa einer Küchenverkleinerung und einem Kamineinbau ist die Innengestaltung noch nahezu original erhalten. Dazu gehören vor allem das großzügige Treppenhaus in Eichenholz sowie die reichen expressionistischen Stuckdecken in Rauten- und achteckigem Sternmuster einschließlich der Stuckprofile der indirekten Deckenbeleuchtung. Zudem sind noch die meisten Eichtüren und Fenster mit ihren Beschlägen, Einbauschränke, Parkettböden, Küchenwandfliesen, die Bodenfliesen des Entrées, Heizkörperverkleidungen und Lambrien vorhanden.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschießlich nur bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Haus Geothestr. 10 ist als historischer Bau ein wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Das Haus Goethestr. 10 ist in seinem funktionalen Aufbau als auch in der Detailsausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Der Architekt Dondorff hat unter Anspielung an das traditionelle, in Backstein errichtete Niederrheinhaus ein Bauwerk errichtet, das mit seiner zurückhaltenden expressionistischen Formensprache die deutlich dem haltenden expressionistischen Funktionalismus angehörende Architektur gleichsam spielerisch variiert. Ermöglicht wird dies durch den Baustoff "Ziegel", der sowohl zu flächiger als auch plastischer Architektur ausgeformt werden kann. Der in den zwanziger Jahren sehr bekannte Kölner Architekt Dr. Jakob Dondorff hat seine Bauten, u. a. weitere Villen in Marienburg, überwiegend mit diesem Baumaterial errichtet, wobei er gegen Ende der zwanziger Jahre den reichen expressionistischen Formenkanon seiner frühen Werke zugunsten einer rationalen Architektur reduzierte. Die Variation "Neuer Sachlichkeit" mit expressiven Formen ließ ein individuelles Bauwerk entstehen, das für die Entwicklung der Architektur von großer Wichtigkeit ist. Da die verschiedenen Ausformungen der Moderne noch nicht annähernd erforscht sind, besteht an dem Haus Goethestr. 10 - neben den gannten Gründen - ein großes wissenschaftliches Interesse, zumal diese Architektur in Köln nur an wenigen Beispielen ablesbar ist.
Quelle: Denkmalliste der Stadt Köln, Lizenz: Datenlizenz Deutschland – Zero 2.0